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Reiss-Engelhorn-Museen

Ein Kraftakt für einen Stein

Denkmal aus Stockholm und weitere hochkarätige Leihgaben für Normannen-Ausstellung angekommen

Von 
Peter W. Ragge
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Kurierin Amica Sundstrom, dahinter Projektleiterin Viola Skiba und rechts Restaurator Bernd Hoffmann-Schimpf mit dem Bildstein von Smiss. © REM/Normann Schäfer

Er wird das Erste sein, was die Besucher im Zeughaus sehen, und erstmals in Deutschland zu bestaunen sein: Der Bildstein von Smiss, das größte und schwerste Exponat der Normannen-Ausstellung, ist jetzt in den Reiss-Engelhorn-Museen angekommen. Das Relief auf einer Kalksteinplatte, zwischen 750 und dem 10. Jahrhundert entstanden, war von Stockholm bis nach Mannheim zwei Tage lang unterwegs.

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Immer mit dabei im Spezial-Lkw der Kunstspedition: Kurierin Amica Sundstrom vom Statens Historika Museum. „Wir haben auf der Fähre geschlafen“, erzählt sie, aber nie habe das Team das auf der Insel Gotland gefundene Steindenkmal aus den Augen gelassen – denn eine auf der Ladefläche installierte Kamera behielt das Objekt stets im Blick.

Für den Transport des Exponats ist eigens eine Holzkiste passgenau angefertigt worden. Ob sie unversehrt geblieben ist, prüfen die schwedische Kurierin sowie Restaurator Bernd Hoffmann-Schimpf von den Reiss-Engelhorn-Museen, noch bevor der Deckel angehoben wird. Da bei derart hochkarätigen, empfindlichen Leihgaben alles fotografiert und protokolliert werden muss, hat der Restaurator einen grellen Scheinwerfer installiert.

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Dann öffnen die zwei Mitarbeiter der Kunstspedition sowie zwei Mitarbeiter einer Fachfirma die Kiste, entfernen Schaumstoffpolster und Stoffabdeckungen. „Es sind Spezialtücher, die einen Abrieb am Stein verhindern“, erläutert Hoffmann-Schimpf. Wieder fotografieren er und Amica Sundstrom, suchen mit einer Taschenlampe das ganze Objekt genauestens ab.

Corona und Logistikprobleme

Nun folgt der Kraftakt, und in der Stille des Ausstellungsraums ist kurz schweres Stöhnen, Schnaufen, Seufzen zu hören. Höchst vorsichtig heben vier Männer das über 150 Kilogramm schwere, 1,25 Meter hohe Steindenkmal aus der Kiste, hieven es auf einen Hubwagen und postieren es in einem nur für die Ausstellung gebauten Gestell. „Sicher“ – als das Wort ertönt, ist die Erleichterung bei den kräftigen Männern wie den Museumsleuten spürbar und der Akkuschrauber hörbar, mit dem das Gestell verschraubt wird. Kurierin Amica Sundstrom schaut nochmal ganz kritisch, dass wirklich nichts passiert ist, ebenso Viola Skiba, Direktorin Stiftungsmuseen und Projektleiterin der Normannen-Schau.

„Sehr, sehr erleichtert“ fühle sie sich, dass dieses wichtige Exponat nun eingetroffen sei. Es sei „schon sehr, sehr ikonisch“, sprich bildhaft, und führe die Besucher „mitten hinein in die Geschichte der Wikinger und damit die Wurzeln der Normannen“, so Skiba. Die kunstvollen Ritzungen des Bildsteins, der dem Grabkult und Totengedenken gedient habe, zeigen zwei kämpfende Männer mit Schwertern und Rundschilden, darunter ein großes Segelschiff mit fünf behelmten Besatzungsmitgliedern hinter Rundschilden. Alles wird von achtförmigen Borten umrahmt. Dass es ein Totenschiff sei, das Verstorbene ins Jenseits bringe, sei eine mögliche Deutung – aber auch, dass das Schiff nur für die enorme Mobilität der Wikinger stehe, die über eine ausgezeichnete Navigationsfähigkeit verfügt haben und daher weit gereist sind, erläutert die Projektleiterin.

Es sei „schon ein ganz besonderes Gefühl“, wenn nach mehr als dreijähriger Vorbereitung nun die rund 300 Exponate eintreffen, so Skiba, darunter hochkarätige Leihgaben aus Frankreich, England, Italien, Norwegen, Schweden und dem Vatikan – aber nicht mehr, wie anfangs geplant, aus Russland. Parallel zu dem Museum Stockholm haben Kuriere vom Louvre und der British Library Leihgaben angeliefert.

Doch „extrem viele“ der Exponate kämen diesmal erst ganz kurz vor Ausstellungsbeginn, räumt Skiba ein, „bis zum letzten Tag“. Das liege an den Auswirkungen der Corona-Pandemie ebenso wie an Logistikproblemen durch den Ukraine-Krieg. „Manche Leute sind auch einfach aus der Übung, durch Corona lag ja der ganze internationale Leihverkehr brach“, erläutert sie.

„Wir sind froh, dass wir überhaupt noch so tolle Leihgaben bekommen“, betont Bernd Hoffmann-Schimpf. Durch den Brexit müssten alle britischen Leihgaben durch den Zoll. Einige Länder hätten „ganz dicht gemacht“, andere die Sicherheitsauflagen nach den Diebstählen in den Museen von Berlin und Dresden ebenso wie aus konservatorischen Gründen „extrem hochgefahren“. Inzwischen seien nahezu alle Vitrinen mit direkt zur Polizei geschalteten Alarmanlagen gesichert und zudem mit Sensoren ausgestattet, damit die Leihgeber ständig das Klima nachvollziehen können.

Redaktion Chefreporter

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