Pfingstferien - Campingplatz und „Oro“ klagen wegen Corona-Krise über Einbußen bis zu 45 Prozent / Jetzt zieht es viele Leute in die Natur „Die Leute sind luft- und sonnenhungrig“

Von 
Christine Maisch
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Familienurlaub (v.l.): Günter, Christine, Walter und Gisela Lang mit Colli Amy. © Maisch

Einreiseverbote, geschlossene Hotels und verwaiste Freizeitparks: Für viele Menschen fiel die geplante Reise im Pfingsturlaub wegen der Coronakrise ins Wasser. Auch der Mannheimer Campingplatz am Rhein musste viele Wochen lang seine Pforten schließen. Doch seit einer Woche sind die Sanitäranlagen wieder geöffnet. Wohlgemerkt mit Abstandsregelungen und begrenzter Kundenzahl. Einschränkungen, die auch für das Strandbad-Bistro „Oro“ gelten.

Campingplatz und Bistro „Oro“ am Strandbad

  • Der Verein der Campingfreunde Strandbad Mannheim (CFSM) hat das 9000 Quadratmeter große Gelände am Strandbadweg 1 mit insgesamt 62 Parzellen (davon 40 Dauercamper) von der Stadt Mannheim vor mehr als 35 Jahren gepachtet.
  • Das Team um Chris und Harry Sturm hat seit Pfingsten den Campingplatz samt Sanitäranlagen wieder geöffnet. Es bittet die Gäste, die Abstandsregelungen und Maskenpflicht in geschlossenen Räumen zu ihrem Eigenschutz unbedingt auch weiterhin noch zu beachten. Für kurzfristige Anfragen sind die Platz-Chefs auch unter 0176/55 42 22 68 telefonisch zu erreichen.
  • Unter 0174/6 80 97 32 ist auch das Bistro „Oro“ telefonisch zu erreichen und täglich von 10 bis 23 Uhr geöffnet. 
  • Es ist ein Selbstbedienungslokal, Speisen und Getränke können bestellt und mitgenommen oder unter Einhaltung der Abstandsregelung auf der Terrasse verzehrt werden.
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Doch auch wenn die Ferien in Baden-Württemberg erst am Sonntag zu Ende gehen, so klagen die Campingplatz-Betreiber Harry und Chris Sturm bereits jetzt über rund 30 Prozent weniger Pfingsturlauber gegenüber 2019, das „Oro“-Team gar über einen Besucherschwund von bis zu 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Das wechselhafte Wetter macht es für uns zur Zeit auch nicht leichter“, räumt Restaurant-Chef Arben Metaj ein. Langsam laufe nun das Geschäft wieder an. Das kann auch Harry Sturm bestätigen: „Weil die Leute jetzt nach dieser schweren und eingeschränkten Zeit besonders luft- und sonnenhungrig sind.“

Mannheim statt Südtirol

Genau wie Christine und Gisela Lang, die gerade mit ihren Armen einen Halbkreis formen und Chris Sturm zurufen: „Hallo, fühl dich umarmt.“ Keimfreie Begrüßungsgesten in Covid-19-Zeiten. Zusammen mit ihren Männern Günter und Walter sowie Collie-Hündin Amy sind die Mädels vor einigen Tagen aus Aalen angereist. Ein echter Familienurlaub, denn ihre beiden besseren Hälften sind Cousins. Deshalb darf das Quintett zum Fototermin auch ruhig dicht zusammenrücken, ansonsten gibt es vor ihren beiden Wohnmobilen zwei separate Tische.

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Das Campen hat es den Schwaben zwar nicht erst in Coronazeiten angetan. „Nicht pünktlich zu einer gewissen Uhrzeit zum Frühstück erscheinen müssen, nicht am Büfett anstehen“, zählt Christine Lang die Vorzüge des Urlaubs im Wohnmobil auf. „Den Tagesablauf selbst bestimmen“, fügt Walter Lang hinzu. Doch eigentlich wollten die Frischluftfreunde dieses Jahr an die Weinstraße oder in den Hunsrück. „Aber der Platz hier in Mannheim hat als erster die Sanitärbereiche geöffnet. Und Platz-Chef Harry hat immer wieder gute Ausflugtipps. Da haben wir schnell zugegriffen.“

Genau wie Iris Tepper und ihr Mann. „Eigentlich wären wir jetzt mit unserem Wohnmobil in Südtirol. So wie jedes Jahr um diese Zeit“, erzählt die Krankenschwester aus Duisburg. Doch noch sind die Grenzen nach Italien zu. „Und als mein Mann beruflich hier zu tun hatte, hat er mir Bilder von diesem wunderschönen Gelände am Fluss geschickt“, schwärmt die Urlauberin, die nicht nur eine Mopsfamilie und Schäferhund Chester in die Kurpfalz begleitet haben, sondern auch Enkelkind Dalia. Und während die Einjährige im Schatten einer Platane vor der Womotür in ihrem Wagen selig schlummert, erzählt die Oma, wie begeistert sie von den Fotos war: „Ich hab’ meinem Mann gesagt, da kannst du uns sofort mitnehmen.“ Keineswegs Mannheim-Neulinge sind hingegen Gaby und Gert Marzioch. „Unsere Tochter lebt mit ihrer Familie in der Neckarstadt“, erklärt der Dortmunder: „Und da sind wir als Camping-Fans schon seit einigen Jahren auf diesen herrlichen Platz gestoßen.“

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Und während vom Nachbarn nebenan Essensduft herüberströmt füllt sich auch die Terrasse des „Oro“. In gebotenem Abstand füllen sich auf dem weitläufigen Areal am Rheinufer die ersten Tische. Mächtige Baumriesen und Schirme spenden Schutz vor zu viel Sonne und den vereinzelt herabrieselnden Regentropfen. Vor der Theke steht Desinfektionsmittel und Gastronom Arben Metaj und sein Team bewirten die Besucher mit OP-Masken. Der Kosovare lässt die Blicke über die Terrasse schweifen und ist gerührt von der Solidarität seiner Stammkundschaft: „Wir haben so tolle Gäste.“

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Zu ihnen zählt auch Gisela Korn-Pernikas, die Vorsitzende des Fördervereins Mannheimer Strandbad (MASTRA). Wobei sie die wachsende Popularität des Campingplatzes auch kritisch betrachtet: „Wir würden uns sehr freuen, wenn mehr Radfahrer dort übernachten würden. Anstatt noch mehr Wohnmobile, die hier die engen Zufahrtsstraßen verstopfen. Das Strandbad ist in erster Linie für die Mannheimer zum Erholen gedacht.“

Die Rad-Idee lässt auch Harry Sturm keineswegs kalt: „Mir sind alle Gäste willkommen.“ Deshalb habe er aus eigenen Mitteln neue Radständer installiert. Was Korn-Pernikas vorschwebt, wäre ein Radfahrer-Campingplatz mit E-Bike-Station: „Das müssten wir doch in der Stadt, in der Carl Drais das Laufrad erfunden hat, hinkriegen.“

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