Abschied

Die letzte deutsche Benediktinerin verlässt Mannheim

Die 91 Jahre alte Schwester Amalberga kehrt nach jahrzehntelanger Arbeit im Monikaheim und im Pflegezentrum „Maria Frieden“ nach Freiburg-Günterstal zurück, wo sie einst ihr Gelübde abgelegt hat

Von 
Waltraud Kirsch-Mayer
Lesedauer: 

Drei Jahrzehnte lang war Schwester Amalberga im Monikaheim tätig, danach weitere 35 Jahre im Pflegezentrum „Maria Frieden“. Dort hätte sie in der hauseigenen Kapelle gern weiterhin Mesnertätikeiten übernommen und sich um die Blumen im Garten gekümmert. „Aber das geht nicht mehr“, bedauert die 91-Jährige, die sich nach Freiburg-Günterstal ins Mutterhaus zurückzieht. Damit verlässt die letzte deutsche Benediktinerin den Mannheimer Konvent, der ohne die Präsenz indischer Ordensfrauen der Heiligen Lioba in dem Caritas-Heim gar nicht mehr existieren würde.

Schwester Amalberga mit der Heimleitung. © Caritas Mannheim

Nein, sie wolle nicht im Mittelpunkt stehen – aber dann erklärt sich Schwester Amalberga doch bereit, einer Journalistin aus ihrem Leben zu berichten. Maria Knapp wuchs mit sechs Geschwistern in Hettingen auf. Als sie 20 Jahre alt war, beschloss sie, die kleinste Stadt in Baden-Württemberg erstmals zu verlassen, um mit dem Bus ins große Mannheim zu fahren und dort nach Arbeit zu suchen. Als sie sich entschloss, der Gemeinschaft der Benediktinerinnen beizutreten, sei der Vater nicht gerade begeistert gewesen, blickt sie zurück.

1957 setzte der Orden die Nonne noch während des „äußeren Noviziats“ in jenem Mannheimer „Fürsorgeheim“ ein, das sich seinerzeit um junge Frauen mit schwierigen Biografien und um sogenannte schwer erziehbare Mädchen kümmerte. Viele der Bewohnerinnen seien von der Polizei aufgegriffen und ins Monika-Heim gebracht worden. „Manche wollten gleich wieder durchbrennen und waren ziemlich renitent“, erinnert sich Schwester Amalberga und seufzt: „Es war oft nicht einfach!“ Aber sie habe auch viele schöne Erinnerungen an diese Zeit. Zum Schluss seien im Monikaheim nur noch vier Nonnen gewesen – „da hat uns der Orden abgezogen“.

Immer wieder betont die 91-Jährige im Gespräch, wie wohl sie sich im Pflegezentrum „Maria Frieden“ gefühlt hat. „Ich nannte sie die Gartenschwester“, berichtet die einstige Pflegeheimleiterin Petra Rhein und schildert, mit welcher Hingabe Schwester Amalberga die Pflanzen in der grünen Innenanlage des als Karree gebauten Seniorenzentrums hegte. Als Arbeiten in der Wäscherei zu anstrengend wurden, habe die „gute Seele“ in Tracht zu Nadel und Faden gegriffen, sich um das Messbuch gekümmert, in der Adventszeit kleine Basare organisiert. „Ohne irgendetwas zu tun, konnte sie nicht sein“, erzählt Petra Rhein.

Einen Tag nach dem Interview wird die letzte deutsche Benediktinerin in Mannheim nach 65 Jahren in ihrer zweiten Heimat verabschiedet. Ihr Neffe, Pfarrer Andreas Knapp, ist aus Leipzig angereist und gestaltet einen persönlichen Gottesdienst, den eine Nichte mit Gitarre begleitet. Sowohl der Caritas-Vorstand, Regina Hertlein und Volker Hemmerich, wie drei „Generationen“ Heimleiterinnen, Gabi Meguscher, Petra Rhein und Yuliya Kostiv, würdigen die Ordensfrau, die ihre Berufung zum Beruf und Dienen zur Lebensphilosophie gemacht hat.

Gekommen sind auch Priorin Schwester Magdalena und Mitschwester Maria, die ebenfalls viele Jahre in „Maria Frieden“ gewirkt hat. Mit ihnen kehrt die 91-Jährige nach Freiburg-Günterstal zurück, wo sie einst ihr Gelübde abgelegt hat.

Freie Autorin

Mehr zum Thema

Gedenken Volkstrauertag in Mannheim-Rheinau vom Ukraine-Krieg geprägt

Veröffentlicht
Mehr erfahren