Musik - Manager und Popakademie-Absolvent Martin Kessler hat Deutschland den Sommerhit "We No Speak Americano" beschert Die "Hit-Riecher" aus der Hafenstraße

Von 
Timo Schmidhuber
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Martin Kessler hatte den richtigen Riecher, damals, im Januar, als ihm auf der Musikmesse in Cannes ein Kollege aus Australien dieses Stück vorspielte. Ein eingängiger 50er-Jahre-Hit des Italieners Renato Carosone, unterlegt mit stechenden Beats. "Ich habe sofort gewusst, dass daraus was werden könnte", erinnert sich der 30-Jährige, der an der Popakademie Musikbusiness studiert hat und heute beim Plattenlabel Superstar Entertainment in Berlin arbeitet. Er hat die Künstler unter Vertrag genommen, der Rest ist eine Erfolgsgeschichte. Jenes Stück der australischen DJs "Yolanda Be Cool & Dcup" mit dem Titel "We No Speak Americano" wurde der Hit dieses Sommers, stand sieben Wochen auf Platz eins der deutschen Singlecharts - länger als Lena mit "Satelite", länger als Shakira mit ihrem WM-Song "Waka Waka". Und zu verdanken haben wir das alles einem Musikmanager, der an der Popakademie Vorlesungen gehört hat.

"Ablehnen und rücksenden"

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Martin Kessler ist nicht der einzige frühere Student aus der Hafenstraße, dessen Riecher den Musikfans Hits beschert. Sein Kommilitone Michael Stockum - jetzt ebenfalls in Berlin bei Four Music - hat die Band Hurts entdeckt, die derzeit mit "Wonderful Life" auf Platz vier der Charts steht. Einen Platz dahinter liegt mit "Nein, Mann!" von Laserkraft 3D ebenfalls ein Stück, das ein früherer Musikbusiness-Student ausgegraben hat. Daniel Chirita-Franz (28) hatte Laserkraft 3D zunächst für sein eigenes Label 120 dB Records unter Vertrag genommen, erkannte aber schnell, dass "Nein, Mann!" so viel Potenzial hat, dass seine junge Firma zu klein dafür ist. Also gab er das Stück an stärkere Partner weiter, jetzt ist es bei Sony.

Was Kessler, Stockum und Chirita-Franz machen, heißt in der Branche "Manager A&R", die Abkürzung bedeutet "Artists and Repertoire", böse Zungen sagen auch, sie stehe für "ablehnen und rücksenden". Sie bekommen täglich Lieder auf den Tisch und müssen entscheiden, ob sie die Künstler unter Vertrag nehmen oder nicht. Gut 50 Stücke am Tag sind es beispielsweise bei Kessler, jedes hört er sich an, über 99 Prozent lehnt er allerdings ab. "Oft hat das gar nichts mit der Qualität zu tun, häufig passt es einfach nicht zum Programm unseres Plattenlabels", erklärt er. Superstar Entertainment ist ein kleines Sechs-Personen-Unternehmen, das sich auf Dance-Music spezialisiert hat - Hip-Hop oder Rock wären da fehl am Platz.

Daniel Chirita-Franz dagegen ist nicht angestellt, als Mitinhaber der kleinen Mannheimer Firma 120 dB Records ist er sein eigener Herr. Von Laserkraft 3D hat er nicht in Cannes erfahren, sondern in der Kurpfalz. Niels Reinhard und Tim Hoffmann, die Köpfe hinter Laserkraft 3D, haben an der Dualen Hochschule studiert. Chirita-Franz war sofort überzeugt von ihrer Musik, "die ist so verrückt neu, minimalistisch, mit Elementen aus Techno und Rave". Das Video zu "Nein, Mann!" wurde im Club Soho am Luisenring gedreht. Chirita-Franz will mit seinem Label jetzt wachsen - damit er große Projekte künftig nicht mehr abgeben muss.

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Die Musikmanager loben ihre Ausbildung an der Popakademie, hier hätten sie das Handwerk gelernt - Recht, Vertrieb, Marketing. Und dazu viele Kontakte geknüpft, die ihnen schnell den Sprung in den Job ermöglichten. So schnell, dass sie ihr Studium noch gar nicht beendet haben. Kessler und Chirita-Franz müssen beide noch ihre Abschlussarbeit schreiben.

Redaktion Redakteur in der Mannheim-Redaktion