Corona-Pandemie - Freizeitsänger stehen beim gemeinsamen Üben vor großen Herausforderungen Die digitale Chorprobe

Von 
Roland Schmellenkamp
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Ein Bild aus früheren Tagen: der Frauenchor Liedertafel Seckenheim bei einem Auftritt unter der Leitung von Peter Imhof – undenkbar zu Corona-Zeiten. © Schatz

„Es gibt viele Kollegen, die ähnliches machen“, gibt sich Peter Imhof bescheiden. Doch es dürfte nur wenige Dirigenten geben, die so konsequent und intensiv in der Corona-Pandemie Chöre anleiten wie der 73-Jährige. Er tut das seit Ende April wie selbstverständlich per Konferenzschaltung übers Internet. Dabei übt Imhof mit bis zu 30 Personen starken Stimmgruppen und auch Einzelpersonen, die sich stets daheim vor dem Computer befinden. Der Grund für die durchaus aufwendige Aktion: „Damit wir nicht am Nullpunkt anfangen müssen, wenn wir wieder zusammenkommen.“

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Die Technik ist dabei relativ einfach und funktioniert über die Software Skype. Laut Imhof müssen seine Sängerinnen und Sänger nicht bei Skype angemeldet sein, nur er selbst habe sich registriert: „Ich verschicke eine halbe Stunde vor der Probe einen Link, der muss dann nur noch angeklickt werden.“ Das Üben per Videokonferenz hat allerdings Grenzen, berichtet der Experte: „Die Sänger müssen ihre Mikrofone ausschalten, sonst gibt es zu viele Rückkopplungen und ein großes Durcheinander.“ Die Teilnehmer hören also daheim nur das Klavier von Imhof und die eigenen Stimmen, nicht die der anderen Sänger. Ein weiteres Manko: „Mich hört jeder leicht zeitversetzt und manchmal ruckelt das Bild etwas.“

Begrenzt auf eine Stunde

Trotzdem bekomme Imhof sehr positive Rückmeldungen der Teilnehmer: „Sie freuen sich auf jede Probe.“ Normale Chorproben seien auch immer soziale Treffen. Bei der Videokonferenz können sich die Teilnehmer deshalb am Anfang kurz sehen und hören, wenn sie eine Kamera am Monitor haben und ihr Mikrofon einschalten. Diese Art zu üben sei jedoch lediglich eine kleine Freude und kein kompletter Ersatz. Außerdem sei es für ihn als Chorleiter auf diese Weise deutlich anstrengender, als direkt vor den Leuten zu stehen. Aus diesem Grund dauern die Videokonferenzen von Imhof nur etwa eine Stunde. Für den Pensionär – Imhof war Lehrer am Johanna-Geissmar-Gymnasium in Schönau – bedeutet die digitale Zusammenkunft viel Arbeit.

Zum einen ist er für viele Chöre zuständig, diese sind die Flora Voices, Männerchor und gemischter Chor in Ilvesheim sowie Frauenchor, Männerchor, Popchor im Verein Liedertafel aus Seckenheim und die Projektchöre Consonanza und Seniores aus diesen Chören. Zum anderen hat er für alle Teilnehmer die Noten eingescannt sowie jede Stimme eingesungen und als MP3-Datei gespeichert. Das haben alle Mitglieder erhalten. Imhof: „So kann jeder zuhause üben.“ Auf dem Übungsprogramm stehen unter anderem ein Musical sowie ein Schubert-Konzert.

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Peter Imhof wohnt in Schwetzingen, wo er auch aufwuchs und Mitglied in Kinderchor und Gesangverein war. Nach der Bundeswehrzeit studierte er in Heidelberg Schulmusik und Musikwissenschaft, Chöre leitet er seit 1967. Was er betont: „Wenn wir die Vereine nicht mehr haben, verlieren wir soziale Kompetenzen. Dann ist auch keine Verbindlichkeit und Verantwortung mehr da wie beispielsweise im Vergleich mit Besuchen in einem Fitnessstudio. Die Mitgliedschaft in einem Chor verbindet und sie macht verbindlich.“

Mitglieder stehen zusammen

Bisher seien in der Pandemie noch keine Sänger abgesprungen, sagt Imhof, „wir warten alle darauf, dass wir wieder anfangen können“. Er hofft darauf, in kleinen Gruppen von etwa zehn Personen bald wieder üben zu dürfen – das sei eine Stimme. Bei der Anzahl der Menschen wäre Abstand zueinander in den Proberäumen möglich. Die Videokonferenzen seien nach der Pandemie kein Dauerzustand: „Zum Chorsingen der Laiensänger gehört der persönliche Kontakt. Wichtig ist es, das Gemeinschaftserlebnis zu haben in Proben und Konzerten – und danach zusammen zu sitzen.“