Musik - Thorsten Wingenfelder gibt in Feudenheim ein Konzert in ganz kleinem Rahmen und zeigt sich dabei auch sonst sehr bescheiden Der „Fury“-Star im Wohnzimmer

Von 
Katja Geiler
Lesedauer: 
Thorsten Wingenfelder von „Fury in the Slaughterhouse“ bei seinem Wohnzimmerkonzert in Feudenheim. © Geiler

Schon zwei Mal spielte Thorsten Wingenfelder von „Fury in the Slaughterhouse“ mit seinem Bruder Kai in der Kulturhalle Feudenhein. Nun gab er sogar ein Solokonzert im Wohnzimmer. Sven Hellmich, Leiter der Viet Vo Dao-Abteilung des ASV Feudenheim, der vor Jahren den Kontakt zu den Brüdern hergestellt und die Konzerte ermöglicht hatte, hatte es nun wieder mit seiner speziellen Methode probiert: einfach fragen. „Thorsten hat ein Konzert in der Marlene in Hannover gegeben, einem kleinen Laden. Da habe ich ihn gefragt, ob er es sich vorstellen könne, bei mir im Wohnzimmer zu spielen“, sagt Hellmich.

Auftritte in Feudenheim

  • Thorsten Wingenfelder und sein Bruder Kai gründeten 1986 in Hannover zusammen mit anderen „Fury in the Slaughterhouse“. Nach neunjähriger Pause gibt es die Band seit 2017 wieder. Unter dem Namen „Wingenfelder“ treten die Brüder seit 2010 auf.
  • Sven Hellmich, Leiter der Viet Vo Dao-Abteilung des ASV Feudenheim, ist langjähriger Fan und fragte die Brüder vor Jahren, ob sie in Feudenheim spielen würden. Inzwischen waren sie zweimal in der Kulturhalle (2016 und 2018). Thorsten gab nun sogar ein Wohnzimmerkonzert.
  • Am Dienstag, 19. Mai, 19 Uhr, treten die Brüder wieder in der Kulturhalle auf. Tickets für das Konzert zum neuen Album „Sendeschlusstestbild“ gibt es über www.eventim.de 
AdUnit urban-intext1

Das Wohnzimmer ist groß und geräumig, mit direktem Übergang in die Küche. 50 Zuhörer passten hinein, verteilt auf Sofa, Bierbänke, Stühle, Bodenkissen, manche hatten einen Stehplatz in der Küche. Das Konzert hätte eigentlich schon im November stattfinden sollen, wurde aber verschoben, da Thorsten Wingenfelder krank war.

Karten sofort weg

Die wenigen Karten, die es für das Konzert gab, waren im Handumdrehen ausverkauft. Nicht alle Fans kamen aus Feudenheim und konnten Hellmichs Haus fußläufig erreichen. „Wir kommen aus Karlsruhe und fahren für ein ,Fury’-Konzert schon mal nach Hannover. Bei den Wingenfelder-Konzerten hier in Feudenheim waren wir auch mit dabei“, so Sandy und Volker Machalett, eingefleischte Fans.

Aus Kaiserslautern kamen Anja und Stefan Brachetti, die für ein Wingenfelder-Konzert auch mal während des Urlaubs einen Abstecher machen, wenn die Brüder in der Gegend auftreten.

AdUnit urban-intext2

Als Thorsten Wingenfelder die improvisierte Bühne, direkt neben einem Holzofen, betritt, musste man sich noch mal klarmachen: Du bist hier in Alt-Feudenheim, in einem Wohnzimmer, und das ist einer der „Fury“-Brüder. Er sitzt nur ein paar Meter entfernt, und es gibt keinen Star-Rummel außen rum. Wingenfelder zeigt sich bescheiden. Nachdem ein siebenminütiges Video, das seine Karriere zusammenfasst, gezeigt wurde, sagt er: „Das Video sieht nach etwas Großem aus, aber es ist ein Handwerksberuf. Es ist Handwerk aus 30 Jahren.“

Wingenfelder setzte das Konzert unter das Motto „Erzähl Geschichten aus der eigenen Westentasche“. So gibt es nicht nur Lieder, sondern auch Anekdoten dazu. Manche davon sind traurig. „Die größte Liebe“ etwa handelt von seinem Vater, der mit einer Verletzung aus dem Krieg zurückkehrte, nie über das Erlebte sprach und starb, als Wingenfelder 14 Jahre alt war. „Die Wahrheit ist, du bist zu früh gegangen.“

AdUnit urban-intext3

Dafür wird es an anderen Stellen umso heiterer, vor allem, wenn Wingenfelder mit leisem Humor nebenbei Sprüche loslässt und das Publikum zum Lachen bringt. „Tourneen sind langweilig. Warten, fahren, Pipi machen, wieder warten. Dann für zwei Stunden auf die Bühne und Spaß haben und wieder von vorn.“

AdUnit urban-intext4

Vier Gitarren hat er dabei, darunter die akustische mit dem Doppel-W-Wingenfelder-Aufdruck und die rote Epiphone, die „acht Monate älter“ als er selbst ist. Damit sorgt Wingenfelder für ein großes Spektrum an verschiedenen Klängen und Stilrichtungen, und das mit einem Ein-Mann-Konzert. Seine Stimme klingt anders als die seines Bruders Kai, etwas rauer, mit mehr Blues. „Es ist mein erstes Wohnzimmerkonzert, ich gebe sehr wenige Solo-Auftritte. Es macht total Spaß, es ist eine intime Geschichte, eine ganz eigene Stimmung“, sagt er in der Pause.

Einen Vorausblick auf das neue Wingenfelder-Album „Sendeschlusstestbild“ gibt es mit „Rette mich wer kann“. Am Ende des emotionalen, stimmungsvollen Konzerts posiert der Musiker dann noch für ein Foto mit seinem Publikum, und Sven Hellmich überreicht ihm ein T-Shirt und eine Trinkflasche mit Aufdruck der Viet Vo Dao-Abteilung. Ein Fan brachte ihm ein Souvenir aus der Region mit, eine Geschenkbox mit zwei Flaschen Riesling.

Die Fans müssen nicht mehr lange warten, bis die Wingenfelders wieder nach Feudenheim kommen, das nächste Konzert ist im Mai.

Freie Autorin Ich arbeite hauptsächlich für die Redaktion Ludwigshafen, bin aber auch zwischendurch in Mannheim unterwegs. Am liebsten schreibe ich über kulturelle Events wie Lesungen, Theaterstücke oder Konzerte. Auch wenn es um Tiere geht, bin ich gerne mit dabei, ich habe einen Hund und einen Hasen. Außerdem bin ich ein großer Sixties-Fan und führe auf Instagram einen Vintage-Blog unter miss_marble_arch.