Frauenrechte - Landtagswahlkandidierende diskutieren per Online-Format der Abendakademie / AfD reagiert nicht auf Einladung Debatte zu Gleichstellung

Von 
Lea Seethaler
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Im Uhrzeigersinn von oben links: Sylvia Schraut, Isabell Fuhrmann, Boris Weirauch, Alfried Wieczorek, Julia Schilling und Elke Zimmer bei der Diskussion. © Lea Seethaler

Von „Lassen wir dieses Wahlkampfgetöse“ bis „Das muss jetzt aber auch einfach mal so gesagt werden“: Es ging heiß her bei der Diskussion der Abendakademie über Gleichstellung von Frauen in Politik und Gesellschaft. Zur Online-Diskussion unter Moderation der Historikerin Sylvia Schraut waren alle Mannheimer Landtagskandidierenden eingeladen. Alle kamen, bis auf eine Partei, die AfD, von der es laut Schraut keine Rückmeldung auf die Einladung gab.

Fakten zum Parlament

  • Am 14. März 2021 ist Landtagswahl in Baden-Württemberg.
  • Im jetzigen Landtag gibt es rund 25 Prozent weibliche Abgeordnete. Baden-Württemberg belegt im Ländervergleich mit dieser Prozentzahl den drittletzten Platz nach Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. 
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Die Themen gingen an diesem Abend nicht aus. Elke Zimmer (Grüne), Boris Weirauch (SPD), Alfried Wieczorek (CDU), Julia Schilling (FDP) und Isabell Fuhrmann (Die Linke) debattierten von Listenwahlrecht über Parität bis hin zu Rollenbild und Coronakrise. Moderatorin Schraut verstand es, den Kandidaten geschickt auf den Zahn zu fühlen. Immer wieder fragte sie dabei aus ihrer Sichtweise als Historikerin nach: Und zeigte so die mangelnde und langsame Entwicklung von Frauenrechten und die (unterschwellige) Unterdrückung dieser im Geschichtsverlauf schonungslos auf.

Schraut nahm des Weiteren Bezug auf die Fragebögen dieser Redaktion, in denen sich die Kandidierenden im Wahlkampf unter Pandemiebedingungen vorstellen konnten. Dort wurde unter anderem gefragt: „Was sind die drei wichtigsten Mannheimer Probleme, die Sie von Stuttgart aus lösen wollen?“ Nach der Vorstellungsrunde, in der sich einhellig dafür ausgesprochen wurde, dass beim Thema Gleichstellung auf verschiedensten Ebenen Nachholbedarf bestehe, fragte Schraut in die Runde: „Aber keine von Ihnen hat bei dieser Frage eine spezielle Frauenförderung erwähnt, keine.“ Schraut wollte mit ihrer Frage darauf hinaus, dass die Thematik Frauen oftmals „hinten runterfalle“ und nicht mitgedacht werde.

Viele Kandidaten unterstrichen daraufhin, dass Frauenthematiken auch in größeren Themenkomplexen – wie etwa „bessere Bezahlung“ oder „Leistungsförderung“ – abgedeckt wären.

Probleme von Mannheims Frauen?

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In der Folge wollte Schraut wissen, was konkret im Landtag angegangen werde, um (Mannheims) Frauen zu fördern: Alfried Wieczorek sagte, es seien die Dinge, die er auch mit „Frauenförderung an den Universitäten“ verbinde, nämlich dass es Unterstützungsangebote gäbe. Dies sei etwa, dass es „im Haushalt“ zusätzlich Hilfen gäbe. Er selbst halte hier kleine Aktionen, die man gezielt einsetze, für am sinnvollsten. Solche Hilfen sollten etwa für Frauen, die „mit Engagement“ in eine gehobene Position kommen könnten, abrufbar sein. Damit solle auch verhindert werden, dass der Karriereweg vieler Frauen, wie aktuell, ab einem gewissen Zeitpunkt stagniere.

Julia Schilling äußerte, es sei besonders für Frauen, die Mütter sind, wichtig, dass sie „ohne größere Umstände“ einen Kindergarten- oder Krippenplatz erhielten. Man müsse sich hier um schnellen Zugang und um genügend Plätze bemühen. Das schaffe „Freiraum“, um sich auf Beruf oder Aus- oder Weiterbildung zu konzentrieren.

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Isabell Fuhrmann ging auf einige ihrer Vorredner ein und sagte: „Die Frage wird immer nur diskutiert unter dem Aspekt, wie können wir es denn schaffen, dass Frauen Beruf und Familie unter den Hut bringen – und das ist ein falscher Fokus.“ Man werde diese „strukturelle Geschlechterungleichheit“ nur lösen, wenn man das gemeinsam mit den Männern tue. „Und dazu muss Sorgearbeit fair verteilt werden – denn das ist sie nicht.“ Erst wenn auch Männer weniger arbeiteten, werde es möglich sein, diese Arbeit gerecht zu verteilen – „und das ist der Schlüssel zu Parität“. Elke Zimmer sagte indes, dass sie sich im Landtag weiter für die Frauen einsetzen werde, „ die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“. In Mannheim seien das vor allem Frauen, die in der Prostitution arbeiteten, oder auch Frauen, die im Frauenhaus lebten. Es bräuchte Betreuungs- und Ausstiegsangebote und Wohnungen, zudem auch „sicheren Unterschlupf“ neben einem flächendeckenden Netzwerk.

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Boris Weirauch sagte, es sei wichtig, gesellschaftliche Strukturen zu schaffen, die die Aufteilung der Sorgearbeit unterstützten – das sei aber auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Die Struktur solle lösen, dass das „nicht an finanziellen Problemen scheitert“, so Weirauch, der sich für faire Löhne aussprach. Wer die richtigen Gesetze auf Landesebene anstöße, könnte auch dafür sorgen, dass etwa in Bereichen wie der Pflege mehr Geld gezahlt werde. Weirauch betonte die Wichtigkeit des Ausbaus frühkindlicher Bildung, Ganztagsbetreuung und gebührenfreier Bildung und Kitas. Weiter ging es um die Auswirkungen von Parität in Parlamenten und (Führungs-)Positionen. Die Kandidierenden argumentierten von „aus unterschiedlichen Perspektiven kann man Probleme besser lösen“ bis hin zu befürchteten Nachteilen, etwa für kleinere Unternehmen bei Quoten. Zudem ging es um die Zeit nach Corona: Ob man in Hilfen für betroffene Frauen investiere – oder ob das überhaupt reiche, strukturelle Probleme zu entfernen.

Ganze Diskussion unter www.cutt.ly/DlxxL7e ansehen

Redaktion Redakteurin und Online-Koordinatorin der Mannheimer Lokalredaktion

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