Ideengeber von "Joy-Fleming-Brücke" im Interview "Das war so ein Bedürfnis von innen heraus"

Von 
Jörg-Peter Klotz
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Joy Fleming ist im Alter von 72 Jahren gestorben. © masterpress

Gerd Ewald hatte die Idee als Erster. Er postete sie zusammen mit einer liebevollen Würdigung auf der Facebook-Seite von Joy Fleming. Das Mannheimer Musikurgestein war am Mittwoch überraschend gestorben. Und seit Freitagabend nimmt der Vorschlag gewaltig Fahrt auf, die Kurpfalzbrücke nach der Sängerin zu nennen, die sie mit dem "Neckarbrückenblues" verewigt hat: Zur Stunde haben fast 3000 Nutzer an einer Online-Umfrage auf morgenweb.de teilgenommen, zwei Drittel davon wünschen sich die Joy-Fleming-Brücke. Die diesbezüglichen Posts auf der Facebook-Seite dieser Zeitung haben bis jetzt mehr als 220000 Menschen erreicht und erzielten rund 4500 Likes. Die Initiatoren, das Ehepaar Ewald aus Edingen, zeigen sich im Interview überwältigt von der Resonanz, hat haben aber ganz rationale Vorstellungen, wie es nun weitergehen soll - erstmal mit einer Gedenktafel und einer Online-Petitionzur Umbenennung. 

Lokales Meinungen zur Umbenennung der Kurpfalzbrücke in Joy-Fleming-Brücke

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Herr Ewald, wie kamen Sie auf die Idee mit der Joy-Fleming-Brücke, die offensichtlich vielen Menschen nicht nur in Mannheim aus dem Herzen spricht?

Gerd Ewald: Das war ganz spontan. Ich war unterwegs, als ich hörte, dass die Joy gestorben ist. Ich habe dann gleich meine Frau angerufen - und wir waren so betroffen in dem Moment. Auch weil wir das Glück hatten, sie einmal persönlich kennenlernen zu dürfen. Privat, vor vielen, vielen Jahren. Und sie war so beeindruckend als Mensch! Das hatte mit der Musik erstmal gar nichts zu tun. Weil sie so authentisch war - die hat gepoltert, die hat gelacht, die hat geschimpft, in den Arm genommen. Und da dachten wir nach der Todesnachricht als Erstes: Wie schade, so ein herzlicher Mensch!

Wie kam es dann zu dem Posting?

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Ewald: Das war so ein Bedürfnis von innen heraus. Wir haben erstmal ihr Management gegoogelt und dann auf Facebook die Todesmitteilung gefunden. Da haben wir erstmal ein paar Einträge gelesen. Was wir dann geschrieben haben, war gar nicht gezielt oder überlegt, sondern der innerste Gedanke in dem Moment. Aber die Idee mit der Brücke war nicht nur emotional, sondern volle Überzeugung. Wir hätten allerdings nie gedacht, dass das so eine Eigendynamik annimmt. Als immer mehr schrieben und sagten "Das ist eine gute Idee!", dachten wir uns: "Gut, dann versuchen wir, was daraus zu machen." Das hat uns, in unserem eigenen Gefühl bestätigt.

Sie haben ja auch sofort angefangen zu recherchieren, wie so ein Umbenennungsverfahren funktioniert ...

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Ewald: Ja, das hat Ramon Jülich gleich auf Facebook unter unserem Eintrag angestoßen. Da wir Herrn Fontagnier von den Mannheimer Grünen kennen, sind wir auf ihn zugegangen, um zu erfahren: Wie läuft eine Online-Petition? Dürfen da nur Mannheimer abstimmen? Wer entscheidet es? Jetzt werden wir im Lauf der nächsten Woche eine deutschlandweite Online-Abstimmung aufsetzen, die für alle offen ist - und danach auf die Mannheimer Fraktionsspitzen und den Oberbürgermeister zugehen. Aber wir werden auf jeden Fall erst nach der Beerdigung aktiv. Das gebietet der Anstand. Spätestens bis zum Jahresende soll der Abstimmungsprozess abgeschlossen sein.

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Da rennen Sie teilweise ja schon offene Türen ein. Wobei sich bei der Online-Abstimmung auf morgenweb.de zuletzt auch Gegenstimmen zu Wort meldeten...

Ewald: Wir sind ja nicht weltfremd und wissen, dass da auch Kosten entstehen. Und dass so eine Umbenennung auch nicht von heute auf morgen geht. Wir werden die Online-Petition also so formulieren, dass die Joy-Fleming-Brücke das langfristige Ziel ist. Kurzfristig wünschen wir uns eine Gedenktafel an der Kurpfalzbrücke mit feierlicher Enthüllung und Einweihung. So hat die Stadt die Möglichkeit, sowohl spontan zu reagieren, als auch langfristig die Brückenumbenennung vorzubereiten. Oberbürgermeister Peter Kurz hat Joy Fleming nach ihrem Tod im "MM" als "herausragende Sängerin von internationalem Format" bezeichnet, die "in besonderer Weise für unsere Stadt, ihre Direktheit und Ehrlichkeit stand." Dazu sollte er stehen und sich kurzfristig für eine Gedenktafel einsetzen. Das wird ja kein Lippenbekenntnis gewesen sein.

Die erste Stellungnahme der Stadt klingt ja eher abwiegelnd ...

Ewald (lacht): Ja, so etwa "wir werden bei Gelegenheit ..." Der Sache werden wir zuvorkommen. Und auch mal jemandem auf die Füße treten, sobald die Online-Abstimmung durch ist.

Die SPD hat ja schon einen Antrag angekündigt, da soll es aber um eine Straße oder einen Joy-Fleming-Platz gehen. So etwas fordern auch einige ...

Ewald: Das finden wir aus zwei Gründen unsinnig: Erstens, singt die Joy nun mal den "Neckarbrückenblues" und nicht den "Irgendwasplatzblues". Es geht definitiv um die Kurpfalzbrücke, denn auch in einem frühen Video zu dem Song sieht man die Joy Fleming darüber laufen. Zweitens: Auf einer Brücke lebt kein Mensch. Da fallen keine Kosten für Privat- oder Geschäftsleute an. Keiner muss seinen Briefkopf, Visitenkarten oder Ähnliches ändern. Das wäre bei einer Straße oder einem Platz anders. Die Folgekosten bei der Brücke sind also viel, viel niedriger. Und wir möchten, dass so eine Umbenennung eine Freude für möglichst viele Leute ist - und keine persönliche Belastung, etwa für einen kleinen Handwerksbetrieb.

Ressortleitung Stv. Ressortleiter Kulturredaktion