Interkulturelles Fest - Vereine aus verschiedenen Ländern präsentieren 2100 Besuchern Tänze und Köstlichkeiten "Das Schloss gehört uns allen"

Von 
Barbara Klauß
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Die Tanzgruppe des Vereins "Unsere Welt" wirbelte im Rittersaal des Schlosses über den herrschaftlichen Boden.

© Prosswitz

Es riecht nach Erdnüssen im Gartensaal des Mannheimer Schlosses. Orientalische Lautenklänge dringen aus dem Mozartsaal. Zum zweiten Mal haben die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und die Stadt Mannheim zum Interkulturellen Fest ins Mannheimer Schloss geladen. 2100 Menschen drängen sich den Tag über in den Prunksälen und auf den Gängen. Menschen aus allen Teilen der Welt.

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Im Rittersaal wirbeln Mädchen zum russischen Lied Kalinka über die Tanzfläche. Die bunt gepunkteten Röcke fliegen, die Zuschauer klatschen im Takt. Die Mädchen, die sieben Jahre und älter sind, gehören zu einer Tanzgruppe des Vereins "Unsere Welt", der Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund Bildungs- und Kulturangebote macht. Auch andere Vereine stellen an diesem Tag im Rittersaal die Kultur ihrer Herkunftsländer vor: Tänze aus Ghana, Bosnien, Kroatien und Griechenland werden aufgeführt, Kinder singen ein arabisches Lied.

Draußen im Foyer hält ein junger Mann sein Handy über den Kopf. Fasziniert filmt er die Deckenfresken. Sergen, 24 Jahre alt, hat sein ganzes Leben in Mannheim verbracht. Im Mittelbau des Schlosses aber ist er zum ersten Mal. "Ich wollte das immer schon mal sehen", sagt er. Bei diesem Fest habe nun jeder die Möglichkeit - schon deshalb, weil an diesem Tag der Eintritt frei ist. Genau aus diesem Grund sei das Interkulturelle Fest so wichtig, meint Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, bei der Begrüßung im Rittersaal: "Wir wollen, dass Sie alle das Schloss kennenlernen. Denn das Schloss gehört uns allen." Mohammed Yousef vom pakistanischen Verein Jamat Ahle Sunnat hat die Erfahrung gemacht, dass manche Menschen mit Migrationshintergrund sich nicht trauen, hierher zu kommen. Erklären kann der 59-Jährige, der seit 30 Jahren in Mannheim lebt, diese Scheu nicht. Aber er freut sich, wenn sie an einem solchen Tag überwunden wird: "Wir haben hier so einen schönen und historischen Ort", sagt er.

Führungen in Fremdsprachen

Einen Ort, an dem sich schon zur Zeit des Kurfürsten Karl Theodor im 18. Jahrhundert Gäste aus aller Welt trafen. An dessen Bau Menschen aus ganz Europa beteiligt waren, wie Michael Hörrmann erklärt: Stuckateure aus Italien, Handwerker aus Polen. Die Geschichte des Barock-Schlosses erzählen die Schlossführer an diesem Tag nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Italienisch, Türkisch, Spanisch, Englisch, Russisch und Polnisch. Dicht drängen sich die Menschen in den Prunkräumen.

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Eine Etage tiefer, im Gartensaal, stehen die Besucher beieinander, essen Baklava, türkische Teigtaschen, mit Walnüssen gefüllt, oder Hähnchen in Erdnuss-Soße nach einem Rezept aus Ghana. Es gibt gekochte Bohnen, ein traditionelles Gericht aus Bulgarien, oder pakistanisches Hähnchen-Curry.

Auf Tischen haben die Vereine Flyer ausgelegt. Am Stand der Bulgarisch Orthodoxen Kirchengemeinde sitzt die 27 Jahre alte Martina Grigorova. Sie möchte ihr Land bekannter machen, sagt sie. Vor acht Jahren kam sie in die Region, um Deutsch als Fremdsprache zu studieren. Ihr seien viele Vorurteile und Klischees begegnet. "Aber die kann man abbauen, wenn man miteinander spricht." Sie mag das Leben hier, genießt die Vielfalt: die Möglichkeit, in einem türkischen Laden einzukaufen, beim Spanier oder Thailänder zu essen. "Man kriegt in Mannheim viel mit von der Welt - schon deshalb, weil hier so viele Menschen aus verschiedenen Kulturen leben."

Redaktion