Rhein-Neckar-Tram - Infotainment und W-LAN für Passagiere – Modell gibt Vorgeschmack auf die Stadtbahnen der Zukunft Das Internet fährt mit

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Thorsten Langscheid
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So soll sie aussehen: Die neue Tram RNT 2020 im Vorführmodell. Im Bild Mitte rechts bedient RNV-Geschäftsführer Martin In der Beek die Ein- und Ausstiegsrampe für Rollstuhlfahrer. © Christoph Blüthner

Die neuen Stadtbahnen der Rhein-Neckar-Verkehrsbetriebe (RNV) sind bei Skoda bestellt und werden (wie berichtet) in einem Werk des tschechischen Konzerns in Finnland gebaut.

RNV sicher: Bahn passt überall durch

  • Die Frage ist – nach dem Debakel mit neuen Straßenbahnen in Duisburg, die zu breit für bestimmte Bahnhöfe und Tunnelstrecken im dortigen Netz sind – nicht ganz von der Hand zu weisen: Können die neuen Züge im RNV-Netz überall fahren?
  • Nach Angaben von Unternehmenssprecher Alexander Graf ist sichergestellt, dass die neuen Fahrzeuge überall fahren können – insbesondere in den drei unterirdischen Bahnhöfen an der Dalbergstraße (Mannheim) sowie im Rathauscenter und am Hauptbahnhof in Ludwigshafen. Die Haltestelle Rathauscenter soll langfristig allerdings wieder an die Oberfläche verlegt werden.
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Am Vorführmodell erarbeiten Techniker und Fahrgastverbände in den kommenden Wochen noch Feinheiten. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Rhein-Neckar-Tram zusammengestellt.

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Wie viele neue Züge werden angeschafft?

Die Rhein-Neckar-Verkehrsbetriebe haben 80 Straßenbahnen vom Typ Rhein-Neckar-Tram (RNT) 2020 fest bestellt. Der Kaufpreis beträgt 250 Millionen Euro. Mit dem Hersteller Skoda wurde eine sogenannte Option über 34 weitere Fahrzeuge vereinbart. Ob diese Option gezogen wird, steht allerdings noch nicht fest. Diese 34 Züge könnten bis 2027 geliefert werden.

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Kann man das 1:1-Modell der neuen Züge besichtigen?

Ja, durch die Schaufensterscheibe des früheren Opel-Autohauses an der Viehhofstraße (gegenüber Einmündung Schwetzingerstraße). Da das Holzmodell für einen größeren Besucherandrang nicht geeignet ist, kann man es vorerst nicht betreten. Geplant sind laut RNV aber geführte Besichtigungstouren am Tag der Offenen Tür der Verkehrsbetriebe am Samstag, 20. Oktober.

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Welche Verbesserungen bringen die neuen Fahrzeuge mit sich?

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Die RNV versprechen mehr Komfort und weniger wartungs- und reparaturbedingte Ausfälle. Zudem soll der schienengebundene Nahverkehr weiter ausgebaut werden, dazu werden auch zusätzliche Fahrzeuge benötigt.

Werden alte Straßenbahnen stillgelegt?

Die Verkehrsbetriebe wollen mittelfristig mehr als 50 alte Fahrzeuge aus der Zeit ab 1990 aus dem Verkehr nehmen. Wartung und Betrieb dieser Züge werden mit zunehmendem Alter aufwändiger. Um für eine Übergangszeit – etwa während des geplanten Hochstraßenabrisses in Ludwigshafen – auch zusätzliche Bahnen einsetzen zu können, bleiben alte Züge vorerst in Betrieb.

Warum sind die bestellten Fahrzeuge unterschiedlich lang?

Die neuen Züge sind zum großen Teil länger als die alten. Die bisher 30 Meter langen Wagen in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg werden durch 40 Meter lange Neufahrzeuge ersetzt. Analog werden anstelle der heute 40 Meter langen Bahnen zukünftig verstärkt auch 60-Meter-Einheiten unterwegs sein, was insgesamt eine deutliche Vergrößerung der Kapazitäten und damit mehr Plätze für die Kunden ermöglicht.

Haben die neuen Züge Internet-Zugänge für Fahrgäste?

Ja. Es ist geplant, durchgängig W-LAN anzubieten. Das genaue Betreibermodell steht aber noch nicht fest. Darüber hinaus sind pro Wagen mehrere Infotainment-Bildschirme vorgesehen, auf denen neben Fahrgastinformationen auch Werbung zu sehen sein wird. Die RNV will bei den neuen Zügen „weitgehend“ auf Außenwerbung an den Fahrzeugen verzichten.

Wie sieht es mit Klima- und Heiztechnik aus?

Jedes Zugsegment hat Heizung und Klimaanlage. Die Betriebssicherheit der Skoda-Anlagen soll sehr hoch sein. Dies kündigte jedenfalls der finnische Botschafter Antti Kaski bei der Vorstellung des Zugmodells (wir berichteten) an: „Was in Finnland funktioniert, das funktioniert überall.“ Die neuen Straßenbahnen werden im finnischen Ort Kajang gebaut. Straßenbahnen des gleichen Typs fahren auch in Helsinki.

Warum werden Sitze versetzt nebeneinander angeordnet?

Gangplätze sind im Vergleich zu den direkt anschließenden Fensterplätzen in Fahrzeuglängsrichtung etwas verschoben – „eine kleine Maßnahme mit beachtlichem Effekt“, wie die Verkehrsbetriebe ankündigen. Denn so werde die Erreichbarkeit der Fensterplätze verbessert und gleichzeitig ein bequemeres Sitzen ermöglicht, da die Schulterpartien der Fahrgäste nun nicht mehr unmittelbar aufeinandertreffen.

Wie sind die Ein- und Ausstiege gestaltet?

Die Türen sind breiter als bei den alten Fahrzeugen (genaue Zentimeter-Angaben liegen noch nicht vor), um die Ein- und Ausstiegssituation sicherer und betrieblich effizienter zu gestalten. Eine flächige und intuitiv verständliche Lichtkennzeichnung zeigt grün, wenn sich die Türen öffnen und der Zustieg möglich ist. Sie zeigt rot, wenn sich die entsprechende Tür schließt und der Fahrgastwechsel abgeschlossen ist.

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Redaktion schreibt als Reporter über Mannheimer Themen