Freizeit - Seit Anfang der Woche sind manche Sportarten nach langer Pause wieder möglich – allerdings unter strengen Auflagen „Das fühlt sich sehr gut an“

Von 
Timo Schmidhuber
Lesedauer: 
Waren diese Woche die ersten auf dem Tennisplatz des TV Waldhof: Andras Lecei und sein Sohn Andreas. © Timo Schmidhuber

Mannheim. Für Andreas Lecei (37) ist es das erste Tennis-Match seit dem vergangenen Herbst – sein Vater Andras (65) hatte noch bis Mitte März in der Halle gespielt, seitdem war auch für ihn Corona-Zwangspause. Jetzt wollen die beiden auf einem der vier Plätze des TV Waldhof wieder loslegen, zum ersten Mal seit die Corona-Beschränkungen für die Sportvereine gelockert sind. „Ein erster Schritt zur Normalität“, sagt Andreas Lecei.

Die Vorgaben

  • Seit Montag ist der Breitensport in Baden-Württemberg wieder erlaubt, sofern er im Freien und unter Einhaltung von Infektionsschutzvorgaben – wie permanent mindestens 1,5 Meter Abstand – betrieben wird.
  • Unter anderem darf eine Trainingsgruppe aus maximal fünf Personen bestehen, die eine Fläche von 1000 Quadratmetern zur Verfügung haben muss. Das heißt: Auf einem Fußballfeld können vier solche Fünfergruppen trainieren.
  • Umkleiden und Duschen bleiben geschlossen, die Sportler müssen bereits umgezogen kommen. Die Namen der Teilnehmer sind zu dokumentieren, die Vereine müssen einen Verantwortlichen für die Einhaltung der Vorgaben benennen.
  • Eine konkrete Liste mit erlaubten Sportarten gibt es nicht – entscheidend ist das Einhalten der Vorgaben. Ein Training von Spielsituationen, bei denen Körperkontakt möglich ist, bleibt damit verboten. Fußballmannschaften zum Beispiel dürfen also nur in Kleingruppen trainieren – und nur Koordinations-, Technik- oder Torschussübungen machen. 
AdUnit urban-intext1

Seit Montag erlaubt die neue Corona-Verordnung des Landes den Sport unter Auflagen – wenn er im Freien und mit mindestens 1,5 Metern Abstand stattfinden kann. Heißt fürs Tennis: Einzel ja, Doppel nein. Umkleiden und Duschen müssen geschlossen bleiben, die Sportler schon umgezogen auf den Platz kommen. Am Eingang zum TV-Sportgelände an der Boehringer Straße hat der Verein drei Waschbecken aufgebaut, hier muss sich jeder die Hände reinigen. Daneben hängen auf mehreren Blättern die neuen Verhaltensregeln fürs Gelände.

Reservierung per Internet

Auch die Leceis haben sich in den vergangenen Wochen nur selten getroffen, und wenn, dann nur mit Abstand. Beim Spielen könne man jetzt zum ersten Mal wieder mehr Zeit zusammen verbringen, sagt Sohn Andreas. Die zwei schlagen die ersten Bälle übers Netz. „Das fühlt sich sehr gut an“, schwärmt sein Vater.

„Man darf wieder raus und spielen, das ist ein Riesenvorteil“, findet Tennis-Abteilungsleiter Björn Bissantz. Im Internet können die rund 100 Mitglieder die Plätze buchen. So ist laut Bissantz auch dokumentiert, wer die Anlage nutzt – ebenfalls eine der Vorgaben vom Land.

AdUnit urban-intext2

In diesen Tagen wollen auch Aerobic-, Jazztanz-, und Boule-Gruppen des rund 2000 Mitglieder starken TV Waldhof ihre ersten Trainingsstunden unter den neuen Vorgaben ausprobieren, wie TV-Geschäftsführer Jürgen Kugler berichtet. Eine Trainingsgruppe darf höchstens aus fünf Personen bestehen. „Das wird alles völlig anders sein als vorher“, betont Kugler. „Das ist Sportmachen auf Distanz, eine neue Erfahrung.“

Und das Ganze benötigte eine immense Vorbereitung. Die einzelnen Abteilungen haben Konzepte erarbeitet, wie die Sportarten unter den neuen Vorgaben möglich sind. „Wir haben Glück, dass wir ein großes Gelände haben“, sagt Kugler, „da können sich viele Gruppen aufhalten, ohne sich in die Quere zu kommen.“ Sportarten wie Tischtennis oder Badminton seien wegen des Windes allerdings kaum draußen zu machen. Auch für die Turner sei es nur schwer möglich, einen Freiluftparcours aufzubauen.

AdUnit urban-intext3

Bei der MTG Mannheim haben die Abteilungsleiter ebenfalls „Corona-Konzepte“ erstellt. In dieser Woche sind dort nicht nur die Tennisspieler auf die Plätze zurückgekehrt. Auch die Leichtathleten haben das Training unter den geforderten Auflagen wieder aufgenommen, wie der Vorsitzende Boris Weirauch und Sportvorstand Rüdiger Harksen berichten. Die American-Football-Abteilung Bandits macht ebenfalls erstmal kontaktlose Übungseinheiten, maximal in Fünfergruppen. Auf dem Programm stehen Technik-, Kraft- und Schnelligkeitstraining. „Man spürt: Die Menschen lieben ihren Sport“, sagt Harksen.

Jede Menge Vorbereitung

AdUnit urban-intext4

Weirauch findet es gut, dass es für die Vereine jetzt „eine behutsame Perspektive“ gibt, „die das unterschiedliche Ansteckungsrisiko bei verschiedenen Sportarten angemessen abbildet“. Das war auch ein großer Wunsch von Klubvertretern, die Ende April an einer Videokonferenz teilgenommen hatten, zu der Weirauch als SPD-Landtagsabgeordneter eingeladen hatte.

Die neuen Lockerungen betreffen auch Reitvereine, hier sind ebenfalls wieder Trainingsstunden möglich. „Unsere 100 Pferde und Ponys auf der Anlage mussten natürlich auch in den vergangenen Wochen täglich ein bis zwei Stunden bewegt werden“, berichtet Heinz Scheidel, der Vorsitzende der Reitgemeinschaft Neckarau. Das hätten allerdings die Eigentümer selbst übernommen sowie einige wenige Schulreiter. Die Zahl der Reitstunden sei während dieser Zeit auf rund ein Viertel zurückgegangen. Jetzt fahre man das wieder hoch – unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften. „Wir haben eine große Anlage mit großen Reithallen“, sagt Scheidel. Die Hallen seien offen, entsprechend durchlüftet und dürften aus diesem Grund genutzt werden. Die ganz Kleinen müssten mit ihren Reitstunden allerdings noch warten. „Für sie ist es schwierig, den geforderten Abstand einzuhalten.“

Mehr zum Thema

Südwesten Sportministerin Eisenmann fordert zügige Lockerungen für Sportarten

Veröffentlicht
Von
red
Mehr erfahren

Das Wichtigste auf einen Blick Die aktuelle Corona-Lage im Liveblog

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Karte und Grafiken Coronavirus: Fallzahlen aus Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Rhein-Neckar

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Service Täglicher Themen-Newsletter "Coronavirus"

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Redaktion Redakteur in der Mannheim-Redaktion

Thema : Coronavirus

  • Pandemie Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden dürfen ab 1. März öffnen

    Baden-Württemberg will ab nächsten Monat einige Geschäfte wieder öffnen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kann sich auch vorstellen, dass sich wieder zwei Haushalte privat treffen dürfen.

    Mehr erfahren
  • Baden-Württemberg Erzieher und Lehrerinnen können sich ab sofort impfen lassen

    Es sollte für Kita-Beschäftigte und Lehrer eine frohe Botschaft sein: Baden-Württemberg macht für sie eine Impfung gegen das Coronavirus ab sofort möglich - früher als gedacht. Doch dann ruckelt es am Anfang - mal wieder.

    Mehr erfahren
  • Corona-Maßnahmen im Überblick Die neuen Bund-Länder-Beschlüsse vom 10. Februar

    Bund und Länder sehen in deutlich gesunkenen Ansteckungsraten viel erreicht im Kampf gegen Corona - aber noch keinen Anlass für Entwarnung. Denn neue Mutanten breiten sich aus. Die neuen Beschlüsse im Detail.

    Mehr erfahren