Coronavirus in Mannheim: Die Hygiene steht im Vordergrund

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Corona Virus Disease (Krankheit) 2019: Dafür steht die Abkürzung Covid-19, die hier auf einer Blutampulle zu lesen ist. Die erstmals in China aufgetretene Lungenerkrankung kann schwere, mitunter auch tödliche Verläufe nehmen. © Christian Ohde / imago

Keine Spur von Panik, eher ein konzentriertes Abarbeiten von Vorsichtsmaßnahmen und Notfallplänen - so gehen Verwaltung und Institutionen in Mannheim mit dem Thema Coronavirus um. Ein Überblick.

Busse und Bahnen

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Die Rhein-Neckar-Verkehr (RNV) hat auf den Coronavirus reagiert und begonnen, ihre rund 370 Busse und Bahnen zusätzlich zur nächtlichen Reinigung auch jeweils speziell zu desinfizieren. „Immerhin werden die Fahrzeuge von einer halben Million Menschen am Tag genutzt, da wollen wir alle Vorbeugungen treffen, die möglich sind“, erklärte am Montag RNV-Sprecherin Susann Becker. Oberflächen, Griffstangen, Knöpfe und Lehnen würden „besonders behandelt“, so Becker. Zudem würden in Büros, Betriebsräumen und Werkstätten Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Allerdings schränkte die Sprecherin auch ein: „vorbehaltlich einer weiteren Lieferung von Desinfektionsmitteln“. Auch die Fahrer erhielten zusätzliche Mittel für die Hände. Die meisten Fahrer würden aber schon länger aus Hygienegründen jeweils eigene „Überzieher“ für die Bedienelemente benutzen.

Stadt

Die Stadt will vorbereitet sein, sollte sich die Zahl der Coronaverdachtsfälle oder gar der tatsächlich erkrankten Personen erhöhen. Nach Informationen dieser Zeitung wird daher geprüft, ob leerstehende ehemalige Kasernengebäude entweder als Quarantäne-Station genutzt werden können oder ob man dort sogar eine größere Zahl von Patienten behandeln kann.

Dabei geht es zunächst etwa um drei Blocks im sogenannten „Columbus-Quartier“ von Benjamin-Franklin-Village entlang der B 38 oder die Gebäude der Spinelli-Kaserne in Feudenheim. Dort waren zuletzt jeweils Flüchtlinge untergebracht. Aber auch andere ehemalige leerstehende und zum Abriss vorgesehene Militärgebäude nimmt man vorsorglich in den Blick.

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Ralf Walther, der Pressesprecher der Stadt, schränkte auf Anfrage dieser Redaktion allerdings ein, „derzeit bestünde kein Bedarf für spezielle Gebäude für Quarantäne“ - „derzeit“ schließt aber langfristige Überlegungen nicht aus. Koordiniert werden alle Maßnahmen der Stadt vom Verwaltungsstab, der seit Donnerstag regelmäßig in der Hauptfeuerwache tagt und wo das auch Thema war.

Wie die Landesregierung bat auch die Stadtverwaltung ihre Mitarbeiter, sofern sie in den zurückliegenden 14 Tagen in einem der Risikogebiete waren, nach Rücksprache mit ihren Vorgesetzten zunächst zu Hause zu bleiben. Offen blieb gestern, wie viele städtische Angestellte das betraf.

Rettungsdienste

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„Wir sind zumindest in Hab-Acht-Stellung, Aufträge haben wir aber noch keine“, erklärte Nicole Dudziak, Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerks (THW). Dessen Mitglieder hatten bei der Flüchtlingskrise 2015 die ehemaligen Kasernen sehr kurzfristig umgerüstet. Aus dieser Zeit verfüge das THW auch noch über genügend Schutzanzüge und Schutzmasken für seine Helfer, so Dudziak. „Für den Eigenbedarf haben wir genug eingelagert“, sagte sie. Auch die Feuerwehr ist mit Einmal-Ganzkörperanzügen und Masken ausgestattet.

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Das gilt ebenso für den Rettungsdienst. „Ein Transport wäre eine ganz normale Infektionsfahrt, wie bei anderen Krankheiten wie Hirnhautentzündung oder Norovirus“, sagte Andre Kühner, bei den Johannitern zuständig für Ehrenamt und Katastrophenschutz. Auf allen Rettungswagen seien entsprechende Masken und Anzüge verfügbar. Auf Landesebene stehe der Stab der Johanniter bereit, um die Untergliederungen ständig zu informieren.

„Wir sind gut gewappnet“, bekräftigte auch Herwin Hadameck vom Arbeiter-Samariter-Bund. Wie lange die Vorräte an Desinfektionsmitteln reichen, könne man derzeit aber nicht sagen.

Veranstaltungen

Die Absage von Veranstaltungen in Mannheim ist nach Aussage von Stadt-Sprecher Ralf Walther „derzeit kein Thema“. In den Museen hält man sich unterdessen an die Empfehlungen der Stadt für verstärkte Hygiene, weitere Vorkehrungen gibt es aber noch nicht.

Das Nationaltheater hat neben den regulären Desinfektionsspendern im Spielhaus am Goetheplatz noch im Kassenbereich des Spielhauses zusätzliche Desinfektionsspender aufgestellt, außerdem weisen Plakate auf allgemeine Hygienemaßnahmen hin.

„Sowohl hinsichtlich der sich ständig verändernden Risikoeinschätzung als auch dem Ergreifen von Präventivmaßnahmen hat das Thema bei uns im Nationaltheater höchste Priorität“, erklärte der Geschäftsführende Intendant Marc Stefan Sickel. Stand heute fänden alle Veranstaltungen wie geplant statt. Allerdings betrachte man die Lage „von Tag zu Tag“, was im Ernstfall auch eine kurzfristige Vorstellungsabsage bedeuten könne.

Im Schlossmuseum, das am Freitag wieder eröffnet wird, würden in den Toiletten spezielle Hygienetipps ausgehängt, hieß es.

Hotels

Die Hotels in Mannheim haben die Hygiene-Anstrengungen in den vergangenen Tagen kräftig erhöht. In den Häusern der Leonardo-Gruppe wurden zusätzliche Desinfektionsmittel an der Rezeption, in den Toiletten sowie am Eingang für Gäste und Mitarbeiter aufgestellt. Im Restaurant werden die Tische zusätzlich nach jedem Gast desinfiziert. Auch das Maritim-Parkhotel hat Desinfektionsmittel in den öffentlichen Bereich verteilt und Mitarbeiter geschult. „In jedem Meeting steht das Thema an erster Stelle“, sagte Direktor Bernd Ringer.

Das gilt ebenso für die fünf Betriebe der Ariva GmbH, einer Tochtergesellschaft von Diringer & Scheidel. Auch da wird verstärkt desinfiziert, wurden bereits zusätzliche Desinfektionsspender für Gäste und Mitarbeiter installiert. Zudem seien die Mitarbeiter angehalten, strikte Verhaltensregeln zu befolgen - etwa regelmäßig die Hände zu waschen. Ständig stehe man „im engen Austausch sowohl mit den Zentralen der Hotelketten, unserem Betriebsarzt sowie dem Landesgesundheitsamt“, erklärte Geschäftsführer Achim Ihrig. Er sieht die weitere Ausbreitung des Virus zwar mit Sorge, aber ohne Grund zur Panik.

Maimarkt

Elf Tage lang kommen vom 25. April an auf dem Maimarktgelände Mannheim rund 340 000 Besucher und 1400 Aussteller zusammen. Der Maimarkt ist Deutschlands größte Regionalmesse. Bislang gebe es trotz weiterer Coronavirus-Fälle keinen Anlass, die Veranstaltung abzusagen, sagte am Montag ein Sprecher der Mannheimer Ausstellungs-GmbH (MAG).

„Sicherheit und Gesundheit haben oberste Priorität. Wir verfolgen die Berichterstattungen zum Coronavirus sehr aufmerksam und stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden“, fügte der MAG-Sprecher hinzu. Demnach gehe man davon aus, dass der Maimarkt wie geplant vom 25. April bis 5. Mai stattfinden wird. Die meisten Aussteller kämen aus der Region. Ob einer der wenigen internationalen Aussteller aus einem der Risikogebiete stammt, werde momentan geprüft.

Schulen

Mit dem Ende der Fasnachtsferien haben Lehrer ihre Schüler und die Eltern informiert, um möglichst das Risiko von Ansteckungen durch den Coronavirus zu verringern. Schon vor Schulbeginn am Montag hatten sich die Lehrer der verschiedenen Schulen über das weitere Vorgehen besprochen, wie das Staatliche Schulamt in Mannheim auf Anfrage mitteilte. „Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie sich die Kinder und Jugendlichen für die notwendige Hygiene sensibilisieren lassen“, sagte Sabine Hamann vom Schulamt. Zur empfohlenen Praxis gehört es etwa, in die Armbeuge zu husten oder zu niesen und nicht in die Hand.

Auch das regelmäßige Waschen der Hände gehört zu den Empfehlungen der Fachleute. Personen, die innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet waren, sollten demnach - unabhängig von Symptomen - vorläufig zu Hause bleiben. Wie viele Schüler und Lehrer deshalb in Mannheim daheim blieben, war dem Schulamt zunächst nicht bekannt. „Dass Schulen in Mannheim geschlossen werden, ist jedenfalls momentan kein Thema“, sagte Hamann.

Allerdings ist davon auszugehen, dass manche Eltern ihre Kinder wegen des neuartigen Virus daheim behielten. „Heute haben etwa 40 Mädchen und Jungen in unserer Grundschule gefehlt“, sagte beispielsweise die Leiterin der Johannes-Kepler-Schule, Angela Speicher. Insgesamt besuchen etwa 250 Kinder die Schule in der Innenstadt.

Wie viele Kinder davon sich vergangene Woche in den Risikogebieten aufgehalten haben sei zwar offen, aber mehrere Eltern hätten sich telefonisch gemeldet und um Rat gebeten, sagte die Schulleiterin. „Viele Eltern sind verunsichert“, fügte sie hinzu. Eine Lehrerin, sie ist schwanger, sei vorsichtshalber daheim geblieben. Die Schulleiterin vertritt als Sprecherin die Grundschulen der Stadt, sie hatte zunächst indes noch keine Informationen zu den anderen Schulen. Mit den Kindern an ihrer Schule sei am Montag sachlich über die Situation gesprochen worden. Außerdem habe man an alle Eltern Briefe versendet, in denen die aktuelle Lage und die erforderlichen Schritte zur täglichen Hygiene beschrieben werden, wie Speicher sagte.

Anders verhielt es sich an der Konrad-Duden-Realschule. „Kein Schüler war in den betroffenen Risikogebieten und niemand hatte Kontakt zu infizierten Personen“, teilte Schulleiter Lars Hoffmann auf Anfrage mit. „Wegen Corona ist bei uns niemand der Schule ferngeblieben“, fügte er hinzu. Lehrkräfte hätten die notwendigen Hygienemaßnahmen angesprochen. Insgesamt herrsche eine unaufgeregte Atmosphäre. „Der Schulbetrieb läuft normal“, so Hoffmann.

Auf Informationen setzen auch die Mannheimer Gymnasien. Wie der geschäftsführende Schulleiter des Moll-Gymnasiums, Gerhard Weber, mitteilte, seien die Eltern der Kinder und Jugendlichen über die Hinweise des Kultusministeriums informiert worden. „Leider kam es in den letzten Wochen wieder sehr häufig vor, dass schwer erkältete Schülerinnen und Schüler in die Schule kamen. Bitte lassen Sie Ihre erkrankten Kinder zuhause, damit sie sich erholen können und andere Mitschüler und die Lehrkräfte nicht angesteckt werden“, heißt es weiter in dem Schreiben der Schule.

Mit Blick auf mögliche Engpässe bei Waschlotionen in Schulen, hat die Stadt als Schulträger die Hausmeister gebeten, „verstärkt darauf zu achten, dass entsprechende Verbrauchsgüter in Schulgebäuden und Sporthallen vorhanden sind“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Kindertagesstätten

Der Betrieb der evangelischen und katholischen Kindertagesstätten ist in Mannheim trotz der Ausbreitung des Coronavirus zunächst nicht eingeschränkt gewesen. Wie eine Sprecherin der evangelischen Kirche auf Anfrage mitteilte, werde darauf geachtet, dass Mitarbeiter besonders auf die Hygiene schauen.

In Kindertagesstätten in katholischer Trägerschaft würden ebenfalls die Verhaltensregeln zur Vermeidung einer Infektion mit dem Coronavirus eingehalten, teilte Eckhard Berg, Geschäftsführer der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Mannheim mit. Aktuell seien keine Meldungen über fehlende Kinder oder Mitarbeitende bekannt, hieß es weiterhin.

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