Corona-Tests in Fieberambulanz bislang nur wenig gefragt

Von 
Steffen Mack
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Mannheim. Etwa zehn Minuten, nachdem Gerrit Mennecke das John-Deere-Forum betreten hat, kann er schon wieder gehen. „Hat alles wunderbar geklappt“, freut er sich. Dabei hat sein Tag sehr unerfreulich begonnen: mit leichten Fiebersymptomen und dem Wissen um einen Kontakt zu einem Corona-Infizierten. Dann habe er auf den Internet-Seiten der Stadt Mannheim den Hinweis auf die Testmöglichkeit in dieser Fieberambulanz gefunden, erzählt Mennecke. „Dann habe ich gleich online einen Termin gebucht.“ Direkt den Ersten nach Öffnung um 14 Uhr hat er bekommen. Sein Testergebnis wird er einen Tag später erhalten. Alles Gute! „Danke“, sagt er, „aber ich glaube nicht, dass ich Corona habe. Ich wollte nur auf Nummer Sicher gehen.“

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Aus dem gleichen Grund nimmt später eine Kabine weiter der behandelnde Arzt, Bassel Fanssa, einen Abstrich von einer jungen Frau, die nicht namentlich genannt werden will. Sie hat eine positiv getestete Kollegin. „Heute Vormittag habe ich online einen Termin gesucht und direkt bekommen“, freut sich die Frau. Auch sie zeigt sich optimistisch und ist gleich wieder weg.

Bassel Fanssa nimmt von einer Patientin, die ihren Namen nicht in den Medien genannt haben will, einen Abstrich für einen Corona-Test. © Steffen Mack

Jetzt hat Fanssa erstmal nichts mehr zu tun. Normalerweise ist er Assistenzarzt im Diakonissenkrankenhaus. In der Fieberambulanz arbeitet er - gegen ein Honorar von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) - quasi in seiner Freizeit. Ihm gefalle es hier gut, sagt er. Aber derzeit sei es eben auch „ein bisschen langweilig“. Aktuell kämen pro Tag nur fünf bis zehn Patienten, so Mathias Berthold. Er ist das, was Berliner oder Rheinländer „Chef von dat Janze“ nennen. Und er kann erklären, wie und warum dieses Test-Zentrum kurz vor Weihnachten dann doch noch zustande gekommen ist.

Im Gesundheitsamt mit dabei

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Begonnen hat alles im April, mitten in der ersten Welle. „Da habe ich befürchtet, dass die Krankenhäuser in Deutschland überrannt werden könnten“, erzählt Berthold, eigentlich Hausarzt in der Neckarstadt-West. Umso wichtiger seien ihm möglichst viele Test-Gelegenheiten erschienen. Er habe von KV-Zentren in anderen Kommunen gehört und gefragt, ob in Mannheim etwas Ähnliches geplant sei. Zeitgleich hätte Peter Schäfer, der Leiter des Gesundheitsamts, bei den Beratungen über geeignete Maßnahmen auch einen Vertreter der niedergelassenen Ärzte dabei haben wollen. Also kam fortan Berthold zu allen Sitzungen.

Es habe sich dann gezeigt, dass die Test-Kapazitäten in den Klinikum-Containern fürs Erste ausreichten, erzählt der Arzt. Daher habe man eine KV-Fieberambulanz erst für die zweite Welle geplant. Möglichst als Drive-in-Anlage auf dem Maimarktgelände, neben dem späteren städtischen Impfzentrum. Dann hätten sich die für die Testungen vorgesehenen Flächen jedoch als viel zu groß erwiesen. Auch das Geld für die Miete habe eine Rolle gespielt, räumt der Arzt auf Nachfrage ein. Schließlich habe Schäfer den Kontakt zu John Deere hergestellt. Der Traktoren-Hersteller entschied, sein Forum gratis zur Verfügung zu stellen. „Ich finde es wirklich toll, wie einer der größten Arbeitgeber unserer Region in der Krise dabei hilft, die Bürger der Stadt - auch einmal spontan und unkonventionell - zu versorgen“, freut sich Berthold.

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Mindestens bis Ende Februar

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Wie unbedingt gewollt, sei die Fieberambulanz rechtzeitig vor den Feiertagen fertig geworden, sagt Berthold, der den Dienst an Heiligabend übernahm. „Da kamen um die 25 Patienten pro Tag.“ Als die Hausärzte ihre Praxen im neuen Jahr wieder geöffnet hätten, seien es aber immer weniger geworden. Dennoch habe er sich mit der KV und John Deere verständigt, mit reduzierten Öffnungszeiten mindestens bis Ende Februar weiterzumachen. Um gewappnet zu sein für den Fall, dass die Corona-Zahlen mit den mutierten Virusvarianten wieder steigen. Immerhin werde man in der Fieberambulanz von einem Arzt behandelt, der auch medizinischen Rat geben sowie Rezepte ausstellen könne. Zudem bezahlten den Test die Krankenkassen.

Aber was ist, wenn die Nachfrage so gering bleibt? Und das Projekt, für das Berthold so lange gekämpft hat, sich als überflüssig erweist? „Ich kann nicht sagen, dass ich dann frustriert wäre“, meint er. Denn das würde ja nur heißen: „Wir haben diese Pandemie einigermaßen in den Griff bekommen.“ Und das sei doch für alle eine prima Nachricht, besonders auch für ihn als Hausarzt.

Bilder unter mannheimer-morgen.de/mannheim

John-Deere-Forum Corona-Tests in der Mannheimer Fieberambulanz

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Redaktion Steffen Mack schreibt als Reporter über Mannheimer Themen