Soziales - Interne Auswertung der Stadt zeigt Zahl der Infektionen in den Pflegeeinrichtungen und die geringe Impfbereitschaft der Mitarbeiter Corona hat nur drei Heime in Mannheim verschont

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Peter W. Ragge
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Impfung gegen das Coronavirus: Ausgerechnet von den Pflegekräften wollen sich offenbar weniger impfen lassen als erwartet. © dpa

In Mannheimer Pflegeheimen hat sich das Coronavirus so stark wie nirgendwo sonst ausgebreitet. Nur drei von 32 Häusern sind bisher verschont geblieben, in allen anderen Einrichtungen gab es infizierte Bewohner. Ebenso nur drei Heime haben es geschafft, dass keiner der Mitarbeiter infiziert wurde. Das geht aus einer internen Auswertung des Gesundheitsamtes der Stadt hervor, die dieser Redaktion vorliegt.

Am Mittwoch meldete das Gesundheitsamt 31 ...

Am Mittwoch meldete das Gesundheitsamt 31 Corona-Neuinfektionen.

Damit beläuft sich die Gesamtzahl der bestätigten Fälle auf 10 055.

Zudem wurden drei weitere Todesfälle bestätigt: Eine über 80-jährige Frau starb im Pflegeheim, eine über 90-Jährige sowie ein über 70-jähriger Mann starben im Krankenhaus.

Im Zusammenhang mit dem Virus starben bislang 232 Menschen.

Genesen sind 9122 Personen, die Zahl der akuten Fälle wird daher mit 702 angegeben.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Mannheim liegt weiter unverändert auf dem Wert 64,1. lang/red

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Das Papier ist in der vergangenen Woche dem Verwaltungsstab der Stadt vorgestellt worden – nach Teilnehmerangaben ausdrücklich mit dem Hinweis, dass es nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Es basiert auf einer Erhebung des Gesundheitsamtes bei allen Heimen. Fünf der 32 Einrichtungen haben aber den Stichtag am 27. Januar verstreichen lassen und einfach nicht geantwortet. Damit gibt es Daten über 27 Häuser mit 2413 Bewohnern und 2354 Mitarbeitern. Alle Heime, auch die ohne Antwort, haben laut dieser Liste zusammen 2849 Plätze.

15 Todesfälle in einem Haus

In zwei Häusern gab es sogar über 50 Ansteckungen von Bewohnern mit dem Coronavirus. Vier Heime melden 31 bis 50 Fälle, zehn Heime elf bis 30 Fälle. Eine bis zehn Infektionen registrieren 13 Häuser, nur drei Einrichtungen gar keine.

Elf Pflegeheime haben es zumindest geschafft, dass keiner ihrer Bewohner mit oder an dem Coronavirus stirbt. Ein bis fünf Todesfälle beklagen 13, zwischen sechs und zehn Todesfälle sechs Häuser. In zwei Einrichtungen gab es sogar zwischen elf und 20 Coronatote, die Höchstzahl liegt bei 15 in einem Haus. Wo das war, bleibt offen – das Papier nennt an keiner Stelle den Namen einzelner Einrichtungen. Es wird auch nicht unterschieden, ob sie zur Stadt, den Kirchen oder freien Trägern gehören. Konsequenzen der Stadt aus den Erkenntnissen werden ebenso nicht genannt.

Viele Bewohner geimpft

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Weit fortgeschritten, aber bei weitem nicht komplett ist die Impfung der Bewohner. Am 27. Dezember waren die ersten Impfteams in die Heime gefahren. Nicht alle Menschen in Pflegeheimen können, meist wegen Vorerkrankungen, die Spritze bekommen. Von den 2012 für eine Impfung in Frage kommenden Bewohner der 27 Heime, die der Stadt antworteten, haben einen Monat später 1662, also 79 Prozent, die erste Impfung erhalten.

In zehn Häusern liegt die Impfrate bei über 90 Prozent, in zwölf Einrichtungen zwischen 60 und 90 Prozent, in fünf Heimen unter 60 Prozent. Gründe dafür werden nicht genannt – es kann also die fehlende Einwilligung der älteren Menschen oder eines Vormundes sein, aber auch ein medizinischer Grund. Zur zweiten Impfung, die mittlerweile ja läuft und die Voraussetzung für die Immunisierung gegen das Virus ist, liegen noch keine Zahlen vor.

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Deutlich und auffällig niedriger sind die Impfzahlen bei den Mitarbeitern – die ja auch zur ersten Priorität gehören. Teilweise gab es das Angebot, dass sie gleich mitversorgt werden, wenn die mobilen Impfteams ohnehin in den Häusern sind – teilweise mussten die Mitarbeiter aber auch ins Impfzentrum.

Wenige Pflegekräfte geschützt

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Die Bereitschaft der Pflegekräfte, sich die Spritze geben zu lassen, ist schon offiziell immer eher zurückhaltend bezeichnet worden. Mal hieß es, „sie könnte höher sein“, bei anderer Gelegenheit war die Aussage aus dem Rathaus „Bei Pflegekräften könnte und dürfte sie höher sein.“ Genaue Zahlen wurden auch auf Anfrage nie genannt. Warum, das ergibt sich aus der Auswertung des Gesundheitsamtes. Danach haben von 2126 dafür in Frage kommenden Mitarbeitern zum Stichtag erst 923 die Impfung erhalten – gerade mal 43,4 Prozent. Sieben Heime geben sogar an, dass weniger als 30 Prozent ihrer Beschäftigten die Spritze erhalten haben. Die niedrigste Rate lag bei 10,96 Prozent. Gerade mal drei Häuser melden eine Impfquote von über 60 Prozent.

Dabei gibt es ein beachtliches Infektionsrisiko. Fast alle Einrichtungen verzeichnen erkrankte Mitarbeiter, insgesamt sind es 228. Nur drei Belegschaften haben bisher jegliche Infektion vermeiden können – alles immer Stand Ende Januar. Bei 15 Heimen sind bis zu zehn Prozent des Personals nach einem positiven Corona-Test ausgefallen, bei neun Häusern sogar bis zu 30 Prozent der Pflegekräfte. Die höchste Zahl an Infizierten liegt bei 29 Angestellten. Todesfälle gab es unter den Pflegekräften laut der Statistik bisher nicht.

Redaktion Chefreporter