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Chance für Neuanfang

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Ein Mensch strandet… … wird angespült in unserer Beratungsstelle, von den Wogen unserer Zeit und bleibt hilflos und erschöpft liegen.

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Was will er? Sich erstmal aufwärmen, sich in Ruhe hinsetzen, einen heißen Kaffee trinken. Das können wir ihm bieten. Und ein offenes Ohr. Auch das! Ein Leben breitet sich vor uns aus. Die Mutter hat er früh verloren, sein überforderter Vater schlägt seine Kinder windelweich. Eine abgebrochene Lehre, Alkoholexzesse, mehrere gescheiterte Partnerschaften …

Wer kann jetzt helfen? Seine Geschwister haben ihn bei einem Erbstreit über den Tisch gezogen, erzählt er. Seitdem herrscht Funkstille. Gerade ist er wieder mal frisch aus der Haft entlassen – ohne Papiere, zwar mit Smartphone, aber ohne Karte, und Impfschutz hat er auch keinen. Mit 53,30 EURO. Ohne Freunde und Unterstützer. An Kleidung hat er, was er am Leib trägt. Unddas schlimmste von allem: Er hat keine feste Bleibe!

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Wo soll er hin? Wie soll es weitergehen? Ein Anruf im Knast. Er ist entlassen, deshalb sind die nicht mehr zuständig. Arbeiten wollte er dort nicht wegen einer kaputten Hand. Um neue Papiere hat er sich nicht rechtzeitig gekümmert. An der Entlassadresse finden wir die Übernachtungsstelle der Caritas in seinem Heimatort G.

Wir versuchen Hilfsmöglichkeiten hier auszuloten. Tagessatz gibt’s nicht, Unterkunft auch nicht, selbst nicht in der Übernachtungsstelle. Die Kosten für die Staffälligenhilfe wird hier keiner übernehmen. Er soll wieder da hin, wo er hergekommen ist. Ins Obdachlosenasyl in G.? Da will er nicht hin, da sind seine Kumpels, die nur saufen und ihn angestiftet haben zu all den Dummheiten.

Von allen Seiten wird uns gesagt, wir dürfen solchen Leuten nicht alles glauben. Wir aber glauben erstmal, auch wenn wir wissen, dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit hat.

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Was sollen wir tun? Wir sind eine niederschwellige Beratungsstelle ohne eigenen Sozialetat. Schließlich kaufen wir ihm eine Fahrkarte in seinen Heimatort G.. Wir telefonieren mit einem Mitarbeiter der dortigen Caritas. Er ist freundlich und bemüht, auch wenn er seine Erfahrungen mit ihm gemacht hat. „Schickt ihn halt zu uns. Wir finden erstmal was für ein paar Tage und dann werden wir weitersehen.“

Wir werden wohl nie erfahren, was aus diesem Menschen geworden ist. Haben wir genug getan?

Ein Blick in die Bibel hilft vielleicht bei der Antwort: Der Evangelist Matthäus lässt im Kapitel 25 den Weltenrichter sagen: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Und Jesus ist verlorenen Schafen nachgegangen, bis er sie gefunden hat. Hat sich zu den Zöllnern und Sündern gesellt, mit Menschen hinter Zäunen und Hecken gefeiert. Vor schnellen Urteilen und Steinewerfen hat er gewarnt.

Jesus konnte aber auch nicht allen helfen. Außerdem ist keiner von uns Jesus! Wir leben in einer anderen Welt, in einer anderen Zeit. Da gibt es eben Regeln und Ordnungen, keine Rechte ohne Pflichten. Und doch: Über unseren Schatten springen, Gesetzesspielräume großzügig auslegen, erstmal vertrauen statt grundsätzlich skeptisch sein, das können wir auch. Und wenn dann jeder einen kleinen Teil tut, dann müsste es doch möglich sein, mit den wo auch immer Gestrandeten einen neuen Anfang zu machen.

Bernhard Boudgoust

Pastoralreferent

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