Spinelli-Areal - Stadt kauft restlichen Teil vom Bund / Neben einem Grünzug soll auch ein neues Wohnquartier entstehen Buga: Baustart für erste Wege im Sommer

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Timo Schmidhuber
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Das Spinelli-Gelände: Am nördlichen Rand entsteht ein Wohngebiet, in der Mitte die Buga-Fläche, im Süden saniert und baut die GBG. © Drohnen Luftbilder 360/MWSP

Eigentlich laden die Beteiligten bei einem solchen Anlass die Medien zum Termin vor Ort ein und erklären dann persönlich, wie sehr sie sich freuen und wie es jetzt weitergeht. Doch in Corona-Zeiten ist mit Blick auf den verlangten Abstand alles anders. Die Mitteilung kam deshalb am Mittwochmorgen per Mail: Die Stadt kauft gemeinsam mit ihren Töchtern – der Projektentwicklungsgesellschaft MWSP und der Wohnungsgesellschaft GBG – den letzten großen Teil des Spinelli-Geländes, auf dem 2023 die Bundesgartenschau (Buga) stattfinden soll. Mit dem Bund als bisherigem Eigentümer habe man „im April“ einen entsprechenden Kaufvertrag abgeschlossen, heißt es in der Mitteilung. Zum Kaufpreis wurden darin keine Angaben gemacht. Auch auf Nachfrage dieser Redaktion wollten sich die Beteiligten nicht äußern.

Spinelli-Geschichte

  • Die Kaserne zwischen Feudenheim und Käfertal ist 1936/37 für das 1936 aufgestellte Pionierbataillon 33 der Wehrmacht erbaut worden. Auf der Maulbeerinsel an der Fähre nach Neuostheim war dessen Übungsplatz.
  • Aus dieser Zeit stammen die Blocks entlang vom Wingertsbuckel, auch das Kopfsteinpflaster und die Rosskastanienallee. Drei der Blocks stehen unter Denkmalschutz.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten amerikanische Truppen die Kaserne. Sie erweiterten sie nach Norden und Westen, nahmen den Bauern zahlreiche Felder ab.
  • Im Kalten Krieg waren 1350 Menschen – darunter 1000 Soldaten – in Spinelli stationiert. Hier war eines der wichtigen Logistikzentren für die US-Armee in ganz Europa.
  • Von 1971 stammten die elf „Blechhallen“ oder „Nato-Hallen“. Hier standen, dicht an dicht, Fahrzeuge und Kampfpanzer – die Ausstattung einer kompletten Brigade, sprich 5500 Mann, die im Kriegsfall aus Amerika eingeflogen worden wären.
  • 2014 wurde die nach einem amerikanischen Gefreiten, der im letzten Kriegsmonat beim Dorf Wilsbach gefallen war, benannte Kaserne an den Bund übergeben. (pwr)
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Die aus mehreren Teilstücken bestehenden 52 Hektar bilden den größten Teil des insgesamt 82 Hektar umfassenden früheren US-Militärgeländes Spinelli, das rund doppelt so groß ist wie der Luisenpark. Dem Ankauf müssen noch Ausschüsse von Bundestag und Bundesrat zustimmen. Von Seiten der Stadt hat der Gemeinderat am Dienstagabend im nicht-öffentlichen Teil seiner Sitzung grünes Licht gegeben. Die übrigen rund 30 Hektar des Spinelli-Geländes, das zwischen Feudenheim und Käfertal liegt, sind bereits im Besitz der Stadt, oder es laufen Kaufvertragsverhandlungen darüber, wie es in der Mitteilung heißt.

GBG will alte Gebäude erhalten

Auf einem Großteil des Spinelli-Geländes (hellbrauner Teil des Luftbildes) soll der Grünzug Nordost verlaufen, der vom Luisenpark bis zu den Vogelstangseen reicht. Ein zentraler Teil dieses Grünzugs ist die Bundesgartenschau, die 2023 auf Teilen des Spinelli-Areals und der Feudenheimer Au ausgerichtet wird.

Am nördlichen Spinelli-Rand Richtung Käfertal-Süd (jeweils hellblau eingefärbt) plant die MWSP auf zwei großen Baufeldern ein Wohnquartier samt Grundschule und Kita. Vorgesehen sind unterschiedliche Wohnformen – vom Einfamilienhaus über die Miet- und Eigentumswohnung bis zu gemeinschaftlichen Wohnprojekten. Ein Teil des Baufeldes ganz im Norden von Spinelli soll bereits bis zur Buga fertig sein.

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Im südlichen Teil (dunkelblau eingefärbt), angrenzend an Feudenheim, will die GBG die drei alten Kasernengebäude sowie die Turnhalle sanieren. Geplant ist hier unter anderem ein Wohnhaus für Auszubildende. Darüber hinaus will die GBG 250 neue Wohnungen erstellen. Insgesamt sind auf Spinelli in den kommenden Jahren damit Wohneinheiten für 4500 Menschen geplant.

Weil auf den MWSP- und GBG-Flächen auch knapp 300 Sozialwohnungen vorgesehen sind, hat es vom Bund einen Nachlass von knapp 7,3 Millionen Euro auf den Kaufpreis gegeben. Das war in einer Vorlage für die Gemeinderats-Sitzung Anfang April zu lesen. Der Gesamt-Kaufpreis wurde aber auch da nicht genannt.

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Die Beteiligten bewerteten den mit dem Kaufvertrag verbundenen Schritt am Mittwoch schriftlich. „Ich freue mich sehr, dass wir nach Jahrzehnten militärischer Nutzung und Nutzung durch das Land als Stadt dieses große Gelände übernehmen können”, wird Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) zitiert. Spinelli sei „für eine nachhaltige Stadtentwicklung“ von großer Bedeutung. Denn dort werde ein Grünzug entstehen, „der die Lebensqualität der Menschen in Mannheim verbessern wird“. Und das Wohnquartier sei für den wachsenden Wohnraumbedarf „unerlässlich“.

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Auf dem künftigen Buga-Gelände werden derzeit vom Bund Gebäude ab- und Betonböden aufgerissen. „Wir können es kaum erwarten, endlich auf der Fläche loslegen zu können“, erklärt Buga-Geschäftsführer Michael Schnellbach. „Denn dann wird auf Spinelli die Gestaltung des Grünzugs Nordost und damit auch einer Kernfläche der Buga wirklich beginnen.“

Ab Sommer sollen laut Schnellbach die Gestaltung des Geländes und von der Straße Am Aubuckel her das Anlegen von Wegeverbindungen starten. „Wir können dann – gerade in der aktuell schwierigen Zeit – endlich auch Vorfreude unter den Mannheimerinnen und Mannheimern erzeugen für die Buga 23 als tolles Großereignis in drei Jahren.“

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Redaktion Redakteur in der Mannheim-Redaktion

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