Unfall - Anwohner fordern nach dem Tod eines Achtjährigen, dass der Verkehr an der Kreuzung auf dem Luzenberg entschärft wird Bürger beklagen Gefahrenstelle

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Eva Baumgartner
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An dieser Kreuzung auf dem Luzenberg, wo sich Luzenbergstraße und Eisenstraße treffen, gab es am Sonntagabend einen schweren Unfall. © Michael Ruffler

Mannheim. Die Bürger auf dem Luzenberg schlagen nach dem Tod eines achtjährigen Jungen Alarm: Die Kreuzung Luzenberg- und Eisenstraße, an der sich am Sonntagabend ein schwerer Unfall mit fünf teils schwer Verletzten ereignet hat (wir berichteten), ist seit Jahren als Gefahrenstelle bekannt, sagen Anwohner.

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Auch Eltern der benachbarten Luzenberg- und der Waldhofschule wenden sich an die Redaktion dieser Zeitung: „Wir fordern hier schon lange eine verkehrssichere Umgebung und einen festen Blitzer“, berichtet Nadine Sabra, Elternbeiratsvorsitzende der Waldhofschule mit Außenstelle auf dem Luzenberg. Die Elternvertreterin hat die Kreuzung seit Jahren im Blick: „Wir versuchen schon lange, dass dieser Bereich zur 30er Zone wird. Die Schulkinder sind teilweise auf Bahnen angewiesen und müssen die Ampeln dort überqueren.“

Beide Ampeln auf Gelb?

„Ein Gefahrenschwerpunkt ist das auf jeden Fall“, findet auch Klaus Schillinger vom Spiegelverein Luzenberg. „Wer sich hier auskennt, der fährt immer langsam.“ Winfried Kölmel, ebenfalls Gründungsmitglied des Spiegelvereins, erklärt, warum: „Es gibt eine kurze Phase, in der beide Ampeln auf Gelb stehen. Sowohl die auf der B44 vom Waldhof kommend, als auch die andere.“ Kölmel ist deshalb schon abends an die Kreuzung gefahren und hat die Ampelschaltung gefilmt. Die große Uhr, die bei dem Unfall umgefahren worden ist, sei „eine zusätzliche Gefahrenquelle. Da gehört eher eine Leitplanke hin, um die Bushaltestelle zu schützen.“

Jürgen Kurtz, Vorsitzender der Bürgerinitiative Waldhof-West, kennt die Örtlichkeiten ebenfalls: Er nennt sie seit Jahren „Todeskreuzung“: „Ich überquere sie mit dem Auto immer nur dann, wenn der Querverkehr an der Ampel auch wirklich zum Stillstand gekommen ist. Zumal sich dort auch der einzige barrierefreie Fußgänger Überweg vom Bahnhof Luzenberg befindet und daher oft von Familien mit Kinderwagen genutzt wird.“

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Für Kurtz ist die Stelle gefährlich: „Wenn es im Mannheimer Norden eine gefährliche Kreuzung gibt, dann ist es diese! Und das muss auch jeder Verantwortliche gewusst haben.“ Er befürchtet, dass sich so ein Unfall wiederholen könnte: „Macht diese Kreuzung für Autofahrer und für Passanten endlich sicher, bevor es hier noch mehr Todesopfer zu beklagen gibt!“

Ist diese Kreuzung tatsächlich ein Unfallschwerpunkt? Das zu beurteilen wäre die Aufgabe einer Unfallkommission aus Polizei, Straßenbau- und Straßenverkehrsbehörde. Von einer Unfallhäufung wird dann gesprochen, wenn in der Einjahreskarte fünf gleichartige Unfälle vorliegen, also entweder ein gleicher Unfalltyp vorlag oder gleiche Unfallumstände herrschten, wie beispielsweise die Beteiligung von Radfahrern, heißt es in einem Dokument des Landtags Baden-Württemberg.

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Auf Anfrage dieser Redaktion erklärt die Stadtverwaltung Mannheim, dass ihr die Stelle „nicht als Unfallschwerpunkt bekannt“ sei: „Es gibt keine Erkenntnisse, dass es dort ungewöhnlich häufig zu Unfällen kommt.“ Von der städtischen Verkehrsplanung sei eine Umgestaltung der Kreuzung im Sinne einer baulichen Maßnahme deshalb auch nicht vorgesehen. „Sollten sich aus der Analyse des Sachverständigen Hinweise auf eine erforderliche Anpassung der Schaltung ergeben, werden diese aufgenommen und umgesetzt“, so die Pressestelle.

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Wie die Polizei mitteilt, hat es an der großen Kreuzung auf Höhe der Haltestelle Luzenberg in den vergangenen drei Jahren zehn Unfälle gegeben. Zwei davon an der Kreuzung zur Eisenstraße, der von Sonntagabend eingeschlossen. Polizei und Stadt seien im Austausch über weitere Maßnahmen, so die Polizei. Zum Gesundheitszustand der übrigen Verletzten konnte die Polizei gestern keine Angaben machen.

Regelmäßige Kontrollen

Laut Stadt finden an der Kreuzung regelmäßig Geschwindigkeitsmessungen statt: „Im Jahr 2020 gab es dort drei solche Messungen sowie zehn zusätzliche mobile Messungen. Dabei wurde eine Verstoßquote von 4,5 Prozent festgestellt. Zum Vergleich: Die gesamtstädtische Verstoßquote lag 2020 bei 8,6 Prozent“, so die Pressestelle auf Anfrage.

Die Stadt hat dort inzwischen einen mobilen Blitzer aufgestellt. Dieser soll „in den kommenden ein bis zwei Wochen an dieser Örtlichkeit“ stehen. Für Eltern wie Nadine Sabra ein schwacher Trost: „Wir fordern hier schon lange einen festen Blitzer. Warum muss ein so junger Mensch sein Leben lassen, bis etwas passiert?“

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Redaktion Eva Baumgartner gehört zur Lokalredaktion Mannheim und kümmert sich vor allem um den Bereich Mannheim-Nord.