Umfrage - Was wird aus dem Sommerurlaub? Wir haben Mannheimerinnen und Mannheimer nach ihren Plänen gefragt Buch im Park statt Besuch in Polen?

Von 
Timo Schmidhuber
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Es ist sicher nicht die wichtigste Frage in der Corona-Krise – aber doch eine, über die derzeit nicht nur die Reisebranche nachdenkt: Was wird dieses Jahr aus dem Sommerurlaub? Wird er überhaupt möglich sein – und wenn ja: wo und wie? Wir haben Mannheimerinnen und Mannheimer nach ihren Plänen gefragt – die sie möglicherweise über den Haufen werfen müssen. 

Rechtlicher Rahmen

  • Wann Reisen wieder möglich sein werden, lässt sich derzeit nicht beantworten. Die Bundesregierung hat ihre weltweite Reisewarnung, die zunächst bis 3. Mai galt, am Mittwoch vorerst bis einschließlich 14. Juni verlängert. Experten gehen davon aus, dass irgendwann zunächst in Deutschland der Tourismus wieder startet. Eine Reisewarnung ermöglicht Kunden leichter eine kostenlose Stornierung von bereits gebuchten Urlauben.
  • Wird eine gebuchte Pauschalreise vom Veranstalter abgesagt, steht dem Kunden die Erstattung des vollen Reisepreises zu. Die Bundesregierung plant aber offenbar, dass auch die Ausgabe von Gutscheinen möglich sein soll, die auch im Fall einer Insolvenz des Reiseveranstalters abgesichert sind.
  • Die Frage, ob Kunden eine für einen späteren Zeitpunkt des Jahres gebuchte Reise von sich aus stornieren sollen, ist Experten zufolge Abwägungssache. Wer jetzt storniere, laufe Gefahr, auf den Stornokosten sitzenzubleiben, wenn die gebuchte Reise möglicherweise doch stattfinden könne. Andererseits stiegen Stornokosten in der Regel, je näher der Reisetermin rücke. Das sollten besonders diejenigen Kunden im Blick haben, die jetzt schon wissen, dass sie ihre Reise gar nicht antreten wollen. (dpa)

Erstmal abwarten

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Michael Belser kann die Sache derzeit noch gelassen angehen. „Weil ich Kollegen mit schulpflichtigen Kindern habe, machen wir unseren großen Urlaub immer im November“, sagt der 49-Jährige, der mit seiner Frau eine Jogging-Pause auf der Neckarbrücke an der Feudenheimer Schleuse einlegt. Zuletzt seien sie in Australien gewesen, das hätten sie sich auch dieses Jahr wieder vorstellen können, aber auch Neuseeland oder Bali. Gebucht ist aber noch nichts. „Jetzt müssen wir erstmal abwarten“, sagt Belser. „Die Frage ist auch, wie viele Fluglinien überhaupt noch bleiben werden und in welches Land man reingelassen wird.“ Problematisch könne es zudem sein, wenn sich die medizinische Lage gravierend ändere, während man in einem anderen Land sei.

Deutschland statt Italien

Mit seinen beiden Kleinkindern schaut das Paar Arbeitern zu, die an einem hohen Baum in der Oststadt Äste absägen. Eigentlich hätten die vier jetzt gerade im norditalienischen Ferienhaus eines Verwandten Urlaub machen wollen, seine Frau und er hätten gerade gemeinsam Elternzeit, sagt der 33-jährige Familienvater, der anonym bleiben möchte, etwas traurig. „Was wir im Sommer machen, das schauen wir noch. Das hängst auch davon ab, wie sich die Situation entwickelt und wie die Empfehlungen sind.“ Aber es werde, wenn überhaupt, wohl auf einen Urlaub in Deutschland hinauslaufen.

Mit dem Auto zur Familie

Sylwia Zilinski muss für ihren Urlaub nichts buchen – sie muss sich einfach ins Auto setzen und losfahren. Im August will die junge Frau ihre Familie in Polen besuchen. Aber zumindest derzeit ist auch das nicht so einfach. „Ich wollte schon über Ostern hin, aber da hätte ich in Polen zwei Wochen in Quarantäne müssen.“ Deshalb habe sie es gelassen, sagt Zilinski, die mit einem Buch auf der Wiese im Unteren Luisenpark sitzt. „Ich hoffe, dass ich im August ganz normal hinfahren kann, der Urlaub ist schon eingereicht, den muss ich da auch nehmen.“ Aber die Prognosen seien ja wenig optimistisch, viele Experten gingen davon aus, dass man in den nächsten sechs Monaten im eigenen Land bleiben müsse. „Wenn der Besuch in Polen nicht klappt, werde ich auch im August hier im Park sitzen.“

Mindestabstand am Strand?

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Das Reisebüro einer großen Kette in Mannheim – für den Kundenverkehr ist es aktuell geschlossen. „Wir wissen nicht, wie wir die Abstandsvorgaben hier einhalten sollen“, erklärt eine der Mitarbeiterinnen, die drinnen am Telefon sitzen und jede Menge zu tun haben. Denn per Telefon und E-Mail ist das Büro auch weiterhin erreichbar. „Manche Kunden wollen ihre Reise auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr umbuchen, zum Beispiel den Mallorca-Urlaub vom April auf den Oktober. Manche verschieben ihre Reise gleich aufs nächste Jahr, andere wollen einfach mal abwarten“, erklärt die Mitarbeiterin. Auf eine Reise innerhalb Deutschlands umzubuchen, sei derzeit auch nicht möglich, weil ja auch hier die Hotels noch geschlossen hätten. Für Reisen, die vom Veranstalter abgesagt worden seien, gebe es für die Kunden einen Gutschein oder das Geld. Und was sagt die Reise-Expertin? Wie wird der Sommerurlaub am Ende aussehen? Das hänge von vielen Faktoren ab, antwortet sie, etwa von den Einreisebestimmungen der einzelnen Staaten. „Aber wenn man den Mindestabstand am Strand einhalten kann – warum nicht?“

Hochzeit in Griechenland

Der Termin Ende August steht bislang noch – da ist Rula Sponti-Weber aus der Oststadt mit ihrer Familie zu einer Hochzeit auf eine griechische Insel eingeladen. Der Plan ist, das Ganze auf einen zweiwöchigen Urlaub inklusive Akropolis-Besuch in Athen auszuweiten. Die Flugtickets sind gebucht. „Wir hoffen noch, dass das klappt.“

Auf dem Campingplatz

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Irene Kneer, ihr Mann und die zwei Kinder sind das Thema Urlaub in der Vergangenheit immer recht spontan angegangen. „Ausgerechnet dieses Jahr haben wir es anders gemacht“, sagt Irene Kneer und muss dabei selbst lachen. Für die Pfingstferien haben sie einen Flug nach Irland und eine Unterkunft dort gebucht – diesen Trip kann sie mit der am Mittwoch erfolgten Verlängerung der Reisewarnung allerdings abschreiben. In den letzten zwei Augustwochen wollte die Familie mit dem Wohnwagen auf einen Campingplatz in Holland. „Da warten wir einfach ab, was passiert“, sagt Kneer. „Es nützt ja nichts, wenn wir den Platz jetzt absagen, sonst bleiben wir auf den Kosten sitzen.“ Sie würde sich die Fahrt in die Niederlande sehr wünschen – Hoffnung hat sie derzeit jedoch wenig.

Wichtigeres als Urlaub

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Pfingstferien am Gardasee, Sommerurlaub in St.-Peter-Ording – das hatte eine Familie aus Wallstadt mit zwei Töchtern im Grundschulalter geplant. Das Apartment in Italien hatten sie über einen großen Veranstalter gebucht. „Die haben mir kürzlich eine kostenlose Umbuchung angeboten, aber ich werde das auf jeden Fall komplett stornieren und nehme dafür auch Kosten in Kauf“, sagt der Familienvater, der anonym bleiben möchte. „Mir ist es zu riskant, in ein Land zu fahren, in dem das Gesundheitssystem am Boden liegt.“ Den Urlaub in St.-Peter-Ording hat er dagegen noch nicht aufgegeben. „Ich hoffe, dass man bis dahin innerhalb Deutschlands wieder reisen kann.“ Falls nicht, fände er es aber auch nicht tragisch. „Wenn man an die ganzen anderen Probleme der Krise denkt, dann gibt es Wichtigeres als den Urlaub.“

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