Bildung - Bei der virtuellen Gesprächsrunde des Schulbeirats wird die Unsicherheit in den Abschlussklassen deutlich / „Die landen alle im Burnout“ Bloß im Kopf gesund bleiben

Von 
Stefanie Ball
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Ein Schüler beim Homeschooling: Die vielen Stunden allein am Rechner gehen an die Substanz, und der Austausch ist nicht wie beim Präsenzunterricht. © dpa

Mannheim. Sich allein zu konzentrieren und zu motivieren, Texte zu schreiben und Mathematikaufgaben zu lösen, ohne mal eben den Lehrer oder die Lehrerin fragen zu können. Kein Austausch mit dem Banknachbarn, kein Plaudern in der Pause. Die Corona-Pandemie stellt Schülerinnen und Schüler vor große Herausforderungen. Besonders hart trifft es die angehenden Abiturienten sowie Abschlussklassen in den Realschulen und Werkrealschulen, denen nur noch wenige Wochen bis zu den Prüfungen bleiben.

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Und eigentlich gibt es nur einen Wunsch. „Alle wollen nur noch in die Schule, selbst die, die nicht so gerne in die Schule gehen“, sagt Danae Michalopoulon, die am Ludwig-Frank-Gymnasium in diesem Jahr ihr Abitur macht. Sie ist außerdem Mitglied im Schulbeirat, der die Interessen der Schulen in Mannheim vertritt. Schülerschaft und Beirat hatten am Mittwochabend spontan zu einer virtuellen Gesprächsrunde eingeladen, um die Stimmung speziell in den Abschlussklassen einzufangen.

Die ist bei vielen angespannt, die Unsicherheit groß. Unsicherheit etwa, wie viel Präsenzunterricht noch möglich sein wird. Immerhin, so viel steht seit Donnerstagnachmittag fest, soll der nach den Ferien am 22. Februar für die Abschlussklassen in begrenztem Umfang wieder losgehen. Unsicherheit aber auch, welche Themen in den Prüfungen abgefragt werden. Unsicherheit, was danach kommt.

Eigentlich hatte das Kultusministerium festgelegt, dass beim schriftlichen Abitur mehr Aufgaben zur Vorauswahl angeboten werden, damit die Lehrer die Themen auswählen können, die sie ausreichend besprochen haben. Doch offenbar ist diese Information noch nicht bei allen angekommen. „Unsere Lehrer sagen immer, wir müssen alles lernen, auch Themen, die noch nicht dran waren“, sagt Valentin Sumser, der mit Danae Michalopoulon in die zwölfte Klasse am Ludwig-Frank-Gymnasium geht.

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Die Regelung stammt zudem vom Sommer, wie Oskar Weiß vom Feudenheim Gymnasium betont. Auch er macht in diesem Jahr sein Abitur und ist Mitglied im Schulbeirat. „Wir würden uns deshalb eine Anpassung der Verordnung wünschen, die berücksichtigt, dass die Schulen bereits seit Mitte Dezember wieder zu sind und viel Stoff nicht in der Tiefe behandelt werden konnte, wie es sonst im Präsenzunterricht möglich gewesen wäre.“ So fürchten viele, einen schlechten Abschluss zu machen. Obwohl sie es eigentlich besser gekonnt hätten. Was fehle, sei die Einschätzung von Lehrerseite, was noch zu tun ist, und der Abgleich in der Klasse. Wie Oskar Weiß ist auch Daniil Kurtser Mitglied im Schulbeirat, er geht aufs Lessing Gymnasium und steht wie die meisten der rund 40 Teilnehmer kurz vor den Abiturprüfungen. Er sagt: „Man hat keine Ahnung von seinem Wissensstand und deshalb die Sorge, nicht gut genug vorbereitet in die Prüfungen zu gehen.“

Zehn Stunden am Computer

Liam Gutknecht, Schülersprecher am Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium und Abiturient im nächsten Jahr, macht sich noch ganz andere Sorgen, und zwar um das geistige Wohl der Kinder und Jugendlichen. „Wenn man versucht, das Maximum herauszuholen, ist das ein Fulltime-Job“, meint er und erzählt, dass ihn immer wieder verzweifelte Mitschüler anriefen und berichteten, wie sie wieder zehn Stunden am Computer gesessen hätten. „Da geht dann nach dem Abitur gar nichts mehr, die landen alle im Burn-out.“ Er fordert, den Blick auch auf die psychische Gesundheit der Schüler zu richten. „Der Notenschnitt ist super wichtig, aber wir müssen auch dafür sorgen, dass wir im Kopf gesund bleiben.“

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Was das für Schülerinnen und Schüler bedeutet, die in schwierigen Verhältnissen leben oder denen es schwerer falle, sich zu motivieren, beschreibt Jacov Gothe, der beim Mannheimer Jugendbeirat mitwirkt. „Die Leute werden abgehängt, die kommen im Online-Unterricht viel schlechter mit als im Präsenzunterricht und schalten einfach ab.“ Eigentlich müsste hier nachgehakt werden. „Wie wenn jemand die Schule schwänzen würde.“

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