Stipendium - Bewerbung für Stadtschreiber-Posten bis 28. September möglich / Unter dem Pseudonym Ella Blix arbeiten zwei frühere Gewinnerinnen erfolgreich zusammen Bibliothek sucht neuen Feuergriffel

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Eva Baumgartner
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Tania Witte (links, Siegerin 2019) und Antje Wagner (Siegerin 2009) haben vor wenigen Tagen ihren neuen Thriller „Wild“ veröffentlicht. © Astrid Poppenhusen

Wer wird neuer Stadtschreiber? Die Stadtbibliothek Mannheim und ihr Förderkreis schreiben zum achten Mal den sogenannten Feuergriffel aus – das Stipendium für Kinder- und Jugendliteratur. „Bewerbungen sind bis 28. September möglich“, informiert Bettina Harling von der Stadtbibliothek. Wer die Nase vorn hat, wird voraussichtlich im Dezember bekanntgegeben.

Feuergriffel-Stipendium

  • Für das Feuergriffel-Stipendium können sich deutschsprachige Autoren oder Illustratoren bewerben, die mindestens eine Veröffentlichung in einem etablierten Verlag nachweisen können (Buch, Theaterstück, Hörspiel oder Drehbuch). Publikationen im Selbstverlag oder als Book on Demand werden nicht berücksichtigt.
  • Wer sich bewerben möchte, sollte ein kurzes Exposé und eine Textprobe zur Idee und Beurteilung der künstlerischen Handschrift einsenden. Die Unterlagen werden anonymisiert an eine unabhängige Fachjury weitergeleitet und dürfen keinen Hinweis auf Verfasser enthalten.
  • Zu den Sponsoren des Stipendiums gehören neben dem Förderkreis Stadtbibliothek Mannheim e.V. und dem Kulturzentrum Alte Feuerwache auch die GBG Mannheim und – ganz neu – die Carl-Esser-Stiftung und die Bülent Ceylan Stiftung für Kinder. Letztere unterstützt den achten Feuergriffel mit 5000 Euro.
  • Einsendungen sind per Post oder E-Mail möglich (Stadtbibliothek Mannheim, Stichwort: Feuergriffel, Bettina Harling, N 3, 4, 68161 Mannheim, E-Mail: bettina.harling@mannheim.de/Telefon: 0621/293-8912). Detaillierte Informationen gibt es im Internet (www.feuergriffel.de).
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Bisherige Preisträger der Jahre 2007 bis 2019 sind Tamara Bach, Antje Wagner, Rike Reiniger, Sasa Stanisic, Tobias Steinfeld, Florian Wacker und Tania Witte. Zwei dieser Feuergriffel arbeiten übrigens schon seit längerer Zeit erfolgreich zusammen: Antje Wagner und Tania Witte haben unter dem Pseudonym Ella Blix gerade ihr neues Buch „Wild. Sie hören dich denken“ (Arena-Verlag) veröffentlicht. Der Nature-Science-Thriller handelt von vier Jugendlichen, die im Wald, weitab der Zivilisation, Sozialstunden ableisten müssen. Wie schon bei Ella Blix’ Erstling „Schein“ geht es mystisch zu: Tiere kommunizieren mit Menschen, das Buch ist im positiven Sinne unheimlich, dazu waldreich und sehr atmosphärisch.

Spannend bis zur letzten Seite

Auch für Erwachsene ist es schwer, das Buch (ab zwölf Jahre) irgendwann zur Seite zu legen. Denn der Leser wird Stück für Stück neugierig gemacht: Was ist mit Noomi, eine der jugendlichen Straftäter, geschehen? Sie war schon einmal in diesem Wald, kann sich an viele Dinge aber nicht erinnern. Tiere verhalten sich in „Wild“ menschlich, unheimlich. Vieles ist rätselhaft, Dinge verschwinden aus dem Camp: Es bleibt spannend – bis zur letzten Seite. „Wir arbeiten so, dass wir eine gemeinsame Stimme schaffen“, sagt Antje Wagner zum Konzept des Autoren-Duos Ella Blix. Das Manuskript geben beide im Entstehungsprozess ständig hin und her: „Am Ende hat jede von uns jeden Satz mindestens zehn mal durch Finger, Gehirn und Herz laufenlassen.“

Aufträge weggebrochen

Gerade in diesen Zeiten haben Autoren es besonders schwer. „Uns sind alle Aufträge bis September weggebrochen. Ich hab jetzt Zwangsurlaub, was gesundheitlich super ist, aber auf Dauer ist es dann doch irgendwann beunruhigend“, berichtet Wagner. Sie lebt derzeit von einem Stipendium des Deutschen Literaturfonds. Dieser unterstützt die Autorin mit monatlich 1500 Euro – zumindest bis Ende August. „Das ist aber mein Riesenglück. Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die gerade gar nichts haben“, weiß die Stadtschreiberin des Jahres 2009.

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Auch das Feuergriffel-Stipendium hilft Autoren, konzentriert an einer Buchidee zu arbeiten. Der Preis ist mit insgesamt 9000 Euro dotiert: 3000 Euro gibt es bei der Abschlussveranstaltung, weitere 3000 Euro bei Veröffentlichung des in Mannheim entstandenen Buches. Zudem gehört ein dreimonatiger Aufenthalt in der Quadratestadt von April bis Juli 2021 zum Stipendium: in der Stadtschreiberwohnung im Turm der Alten Feuerwache – inklusive einer Pauschale für Anreise- und Lebenshaltungskosten in Höhe von weiteren 3000 Euro. Während der Zeit in Mannheim soll die Idee dann ausgearbeitet und umgesetzt werden.

Wer als junger Mensch Feuergriffel-Luft schnuppern möchte, kann übrigens gerade an einem ganz besonderen Projekt der Stadtbibliothek teilnehmen: Für Jugendliche ab zwölf Jahren gibt es eine digitale Feuergriffel-Schreibwerkstatt mit den Preisträgern Tania Witte und Tobias Steinfeld. Beide geben Tipps rund um das kreative Schreiben einschließlich kleiner Aufgaben in Form von kurzen Videos. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung über den Feuergriffel-Blog möglich (www.feuergriffel.de). Texte können per E-Mail (stadtbibliothek.paedagogik@mannheim.de) oder als Kommentar im Blog eingereicht werden. Die schönsten Beispiele werden auf dem Blog veröffentlicht.

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Zum bundesweiten Digitaltag am Freitag, 19. Juni, gibt es um 16 Uhr außerdem einen Livechat mit Tania Witte. Interessierte können vorab eine E-Mail mit zwei bis drei Fragen an die Bücherei senden (stadtbibliothek.paedagogik@mannheim.de).

Redaktion Eva Baumgartner gehört zur Lokalredaktion Mannheim und kümmert sich vor allem um den Bereich Mannheim-Nord.