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Caritas

Bemüht um kreative Lösungen

Die Doppelspitze Regina Hertlein und Volker Hemmerich führt den Verband sechs weitere Jahre – und muss sich vor allem mit dem Fachkräftemangel herumplagen

Von 
Waltraud Kirsch-Mayer
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Eigentlich laufen die Verträge von Regina Hertlein und Volker Hemmerich noch bis zum 31. Dezember. Der ehrenamtliche Caritasrat hat aber schon entschieden, dass die Doppelspitze den katholischen Wohlfahrtsverband in Mannheim sechs weitere Jahre leiten soll. Der „MM“ sprach mit den Vorstandsmitgliedern über Herausforderungen. Beide sind sich einig, dass der Mangel an Fachkräften, insbesondere in der Pflege, kreative Lösungen verlangt.

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Unlängst flog Regina Hertlein ein zweites Mal nach Vietnam, um in Kooperation mit einer dortigen Sprachschule junge Menschen für eine Pflegeausbildung zu gewinnen. „50 Stunden Reisezeit für drei Tage Aufenthalt“, umschreibt die Caritas-Chefin den hohen Aufwand für vier neue Lehrverträge. Außerdem werden seit Jahren enge Kontakte zu indischen Orden, beispielsweise der Benekdiktinerinnen, gepflegt, die Nonnen als Pflegekräfte entsenden. Der Verband möchte auch vermehrt das Programm „WeGebAU“ (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) nutzen. Denn so manch erfahrene Pflegehilfskraft wäre bereit, eine Ausbildung nachzuholen – kann sich diese aber finanziell nicht leisten. In solchen Fällen könnte die Agentur für Arbeit das „Azubi“-Salär aufstocken.

Lehren aus der Pandemie

Volker Hemmerich und Regina Hertlein haben einiges vor. © Julia Koch/Caritas

Hertlein und Hemmerich treiben auch neuere Entwicklungen um: Die hohe Inflation im Verbund mit explodierenden Energiekosten, so betonen beide, treffen vor allem jene, die ohnehin kaum über die Runden kämen. „Das verlangt Handeln!“

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Veröffentlicht
Von
Stephen Wolf
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Seit Jahrzehnten engagiert sich die Mannheimer Caritas in der Flüchtlingsbetreuung. „Da haben wir inzwischen anerkannte Professionalität“, kommentiert Hemmerich. Gleichwohl habe man viel dazu gelernt – weil aus der Ukraine geflohene Menschen ganz andere, „sehr flexible“ Hilfskonzepte benötigten – „die wollen ja wieder zurück“. Hertlein wünscht sich, dass auch Flüchtlingsgruppen anderer Länder sofort die Chance bekommen, Sprachkurse zu belegen und Arbeit aufzunehmen. Sie moniert ein „Zwei-Klassen-System von Flüchtlingen“.

Als besondere Herausforderungen nennt die Doppelspitze auch den Umgang mit Corona: „Wir müssen lernen, auf das uns begleitende Virus angemessen zu reagieren.“, lautet die Botschaft. Künftig gelte es zu vermeiden, dass Alte und Kranke in Heimen wochenlang von ihren Angehörigen separiert würden. Die Pandemie habe Grenzen wie Probleme genereller Schutzverordnungen aufgezeigt. Beispiel Obdachlose: Schließlich könnten Männer und Frauen, die gar kein Zuhause haben, bei einer Infektion nicht in häusliche Quarantäne geschickt werden.

Auch wenn der Mannheimer Caritasverband gesund da steht – was nicht für alle örtlichen Wohlfahrtsverbände in Deutschland gilt – beschäftigen die Doppelspitze gleichwohl wirtschaftliche Fragen. Geldentwertung und steigende Energiepreise wirken sich auch auf die Kostenentwicklung in den unterschiedlichen Einrichtungen aus. Hemmerich: „Wenn von Caritas die Rede ist, denkt jeder an soziale Angebote – nicht aber daran, dass wir auch ein Unternehmen und großer Arbeitgeber sind.“ Rund 1400 Frauen und Männer sind in den mehr als 80 Diensten und Häusern plus Verwaltung und Stabsstellen beschäftigt. Die Bilanzsumme betrug 2021 stattliche 124 Millionen Euro.

Hertlein wie Hemmerich wollen intensiv daran arbeiten, dass die Caritas so etwas wie „eine Marke“ wird. Nur so könne man für rare Fachkräfte attraktiv sei. Und natürlich gelte es regelmäßig, sämtliche Angebote – vom Altenheim bis zur Quartiersarbeit – zu durchleuchten und der Aktualität anzupassen. Gerade bei sozialen Hilfen sei nichts in Stein gemeißelt – außer dass der Mensch im Mittelpunkt stehe.

Die Doppelspitze

Regina Hertlein, Religionspädagogin und Betriebswirtin, kam 1999 zum Caritasverband Mannheim und leitete das Joseph-Bauer-Haus sowie das St. Vincent Hospiz. 2006 stieg sie in den Vorstand und 2011 zur Vorsitzenden auf.

Volker Hemmerich studierte Betriebswirtschaftslehre an der Uni Mannheim. Seit 2003 ist er beim Caritasverband zuständig für Finanzen. 2017 rückte er in den Vorstand auf. wam

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