Anti-Corona-Demonstration Autokorso gegen Corona-Maßnahmen

Von 
Stefanie Ball
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Unter dem Motto "Wir kommen wieder" veranstalten die Mannheimer Querdenker am Samstag einen Autokorso. © Christoph Bluethner

Mannheim. An ihre Autos hatten sie Plakate gehängt: „Impfzwang – nein Danke!“, „Lügen-Pandemie“ oder „Masken & Lockdowns gefährden die Gesundheit“. Nach einem gescheiterten Anlauf in der vergangenen Woche kamen am Samstagnachmittag 146 Fahrzeuge und ihre Fahrer und Beifahrer zusammen, um mit einem Autokorso durch die Mannheimer Innenstadt gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Wegen der verengten Verkehrsverhältnisse hatte die Stadt als zuständige Behörde mit den Veranstaltern vereinbart, dass Gruppen mit jeweils 20 Fahrzeugen gebildet werden. Hupen ist verboten, Megaphone und Musik sind erlaubt, wie die Polizei die Teilnehmer erinnerte, kurz bevor die erste Kolonne vom Parkplatz an der Theodor-Heuss-Anlage rollte. Angemeldet worden war der Autokorso als Privatinitiative unter dem Titel „Zurück zur Verhältnismäßigkeit und wahrhafter Umgang mit Krankheiten, Stärkung des Immunsystems durch Gesellschaft, Impfpflicht ohne uns“. Auf dem Alten Messplatz fand unter ähnlichem Titel zeitgleich eine Versammlung statt, hier zählte die Polizei 20 Teilnehmer.

Mannheim Autokorso gegen Corona-Maßnahmen

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Christoph Bluethner
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„Wir sind keine Coronaleugner, aber wir wollen unsere Freiheit zurück“, sagen vier Frauen aus Heidelberg. Ihren Namen wollen sie nicht nennen. „Es wird ja doch immer alles falsch dargestellt.“ Sie sagen, sie hätten Existenzängste, fürchteten um das seelische Wohl ihrer Kinder, wollten nicht geimpft werden, aber auch dadurch keine Nachteile haben; die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronakrise nennen sie unverhältnismäßig. „Das sind keine gesundheitlichen Maßnahmen mehr, sondern politische." Es ist nicht ihre erste Anti-Corona-Demonstrationen – wie für die meisten anderen auch nicht, die an diesem kalten, sonnigen Nachmittag teils von weit her gekommen sind. Viele drehen sich weg, wenn sie angesprochen werden, nein, mit den Medien wollten sie nicht reden. Manche sagen dann doch etwas, es sind die immer gleichen Thesen: Die Zahlen stimmten nicht, es gebe nicht so viele Tote, die Tests seien fehlerhaft, der Lockdown sei gefährlicher als das Virus selbst, der Impfstoff verursache schwere Schäden. „In zwanzig Jahren lassen wir uns auch impfen, wenn wir sehen, was aus denen geworden ist, die sich jetzt impfen lassen“, sagt Annett Haas. In ihrem Auto, an dem das "Impfzwang - nein Danke"-Schild hängt, sitzen ihre drei Kinder. Dann fährt sie los. Heribert Weber-Kühn sitzt derweil noch wartend in seinem Wagen, seine Gruppe ist noch nicht an der Reihe. Er ist Apotheker und Heilpraktiker aus Weinheim. Viele alte Menschen kämen zurzeit zu ihm und wollten seinen Rat. Was er ihnen sagt? "Haben Sie keine Angst, stärken Sie Ihr Immunsystem." Und was ist mit der Maske? Das müsse jeder selbst entscheiden, ob er die tragen wolle.

Nach rund zwei Stunden ist der Korso durch. Ganz zufrieden sind die Teilnehmer jedoch nicht. „Das ist das allerletzte gewesen. Die Polizei hat den Korso total auseinandergerissen und hat immer nur 20 Autos fahren lassen. Das fällt dann nicht so auf, gell ihr tollen Polizisten“, schreibt eine Barbara Borgholte auf Telegram, dem Online-Kanal, auf dem sich die Corona-Gegner austauschen. „Stimmt“, räumt eine Biene ein, „aber es wurde auch im Vorhinein schon gesagt, dass es so gemacht wird.“