Arbeiter-Samariter-Bund - Nach Affäre in 2010 geringeres Defizit / Neuer Vorstand investiert in neue Rettungswagen "Aufräumarbeiten" beendet

Von 
Peter W. Ragge
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Neue Fahrzeuge als Signal des Aufbruchs für den ASB: Geschäftsführer Marcel Adrian und Vorsitzender Peter Piesche (v. l.), hinten Herwin Hadamek.

© Prosswitz

Auch wenn sie nur ruhig auf dem Hof in Käfertal stehen, ganz ohne eingeschaltetes Blaulicht und Sondersignal - die zwei neuen Rettungswagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) "sollen ein klares Signal an die verunsicherten Mitarbeiter sein", sagt Marcel Adrian, kommissarischer Geschäftsführer des ASB. Zeigen will er damit: "Es tut sich wieder etwas, wir investieren, die Aufräumarbeiten sind vorbei" - rund eineinhalb Jahre nach Bekanntwerden der Affäre um den entlassenen Geschäftsführer Roland Weiß.

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"Weitgehend abgehakt" sei der Skandal, sagt der neue Vorsitzende des ASB-Regionalverbandes Mannheim/Rhein-Neckar, Rechtsanwalt Peter Piesche, im Gespräch mit dem "MM". Er ist dem Verband erst kürzlich beigetreten und daher "völlig unbeleckt", wie er selbst einräumt.

Ihm wurde vom ASB-Landesverband aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen mit Wohlfahrtsverbänden der Vorsitz angetragen. Stellvertreter sind der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Fulst-Blei und Chris Rihm, seit Jahren beim ASB sehr engagierter Rettungsassistent. Gemeinsam wollten sie "den ASB in neues, ruhiges, solides Fahrwasser bringen, ihn nach Innen und Außen wieder mehr repräsentieren", sagt Piesche. Heute, am Aschermittwoch, will er den Anfang machen und die Mitarbeiter zu einem Heringsessen einladen.

Für Katerstimmung gebe es aber keinen Grund mehr, versichert Adrian. Er ist Unternehmensberater, hat die Arbeiterwohlfahrt vor einigen Jahren aus ihrer Krise geführt und war nun auf Zeit engagiert worden, um die ASB-Geschäfte zu ordnen.

"Keine Bereicherung"

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"Aufräumen, restrukturieren" - so beschreibt er seine Aufgabe bei dem tief in die roten Zahlen gerutschten ASB-Regionalverband. Es habe zwar "keine Bereicherung, keinen Betrug oder Unterschlagung oder sowas" gegeben, wie er klarstellt, wohl aber, so formuliert es Adrian, "kaufmännisch desaströses Verhalten". Als Beispiel nennt er generell zu hohe Kosten, zu geringe Belegungsquoten in den Pflegeheimen, den ständigen Einsatz viel zu teurer Leasingkräfte in der Pflege. Ein wirkungsvolles Controlling habe es nicht gegeben. Auch der frühere Vorstand "hätte Außenstände erkennen können oder eher intervenieren müssen", meint Adrian.

Er habe es allein "durch permanentes Führen, Steuern, mehr Transparenz und richtiges Wirtschaften sowie Reduzierung von Sachkosten" geschafft, das Defizit zu verringern, so der kommissarische Geschäftsführer. Habe es 2010 - bei elf Millionen Euro Umsatz - noch bei 850 000 Euro gelegen, sei das Jahr 2011 mit einer "schwarzen Null" abgeschlossen worden, "und das ohne Entlassungen, ohne Abstriche bei Sozialleistungen", so Adrian. Damit sei "die Trendwende geschafft".

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Abgehakt sind alle sechs Arbeitsgerichtsverfahren - sie endeten jeweils mit Vergleichen. Bei Roland Weiß, insgesamt 27 Jahre für den ASB tätig, war nach einem Vergleichsvorschlag des Arbeitsgerichts die fristlose in eine reguläre Kündigung zum 30. Juni 2011 umgewandelt worden (wir berichteten). Auch mit anderen Mitarbeitern des engeren Kreises um Weiß, von denen sich der ASB Knall auf Fall trennte, einigte man sich auf Abfindungszahlungen. Doch damit ist der Rechtsstreit nicht ganz beendet: Noch immer läuft der Versuch des ASB, von Weiß Schadensersatz zu erhalten. Nach Angaben von Piesche geht es um eine Summe von 44 931 Euro; Mitte März soll Beweisaufnahme vor dem Landgericht sein. "Das wird schwierig, teilweise fehlt in den alten Unterlagen einfach die Dokumentation, was lief", so der Vorsitzende.

Schlussstrich ziehen

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Er will nach all den Vorgängen einen Schlussstrich ziehen und "für ein positives Bild des ASB sorgen". Dazu gehöre die Rückkehr in Dachverbände und die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen. Adrian hatte alle Mitgliedschaften gekündigt, was teilweise für viel Unverständnis sorgte. Doch man habe "keine Schattenmitgliedschaften führen wollen, solange wir mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind", wie er sagt.

Die zwei jeweils 150 000 Euro teuren neuen Rettungswagen, die Fahrzeuge mit teils mehr als 500 000 Kilometern ablösen, seien nur der Anfang. Zwei weitere Rettungs- und zwei Krankentransportwagen seien bestellt. "Wir investieren, wir sind wieder da", betont Adrian.

Redaktion Chefreporter