Gartenschau - Buga-Gesellschaft beginnt Umgestaltung mit dem Bau einer Grundwassermessstelle / Kritik von Umweltverbänden Arbeiten in der Au laufen an

Von 
Thorsten Langscheid
Lesedauer: 
Blick über den östlichen Rand der verschneiten Feudenheimer Au: Hier soll sich der Bachlauf entlangschlängeln, der das Augewässer speist. © Thorsten Langscheid

Feudenheim. Wegen des strengen Frosts letzte Woche musste der Startschuss zu guter Letzt noch einmaI verschoben werden: Die Arbeiten zur Umgestaltung der Feudenheimer Au sollen in diesen Tagen aber beginnen – in dem zunächst eine Grundwassermessstelle eingerichtet wird. Tanja Binder, Sprecherin der städtischen Buga-Gesellschaft: „Benötigt wird die Messstelle für die Herstellung des Augewässers im Rahmen der Neckar-Renaturierungsmaßnahme.“

Feudenheimer Au

  • Die Feudenheimer Au wurde nach langen Auseinandersetzungen 1988 unter Landschaftsschutz gestellt. Das Schutzgebiet umfasst rund 44 Hektar. Bereits damals hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) angeregt, ein periodisch trockenfallendes Feuchtbiotop in der Au anzulegen.
  • In der Au befinden sich zudem die Daueranlagen von vier Kleingartenvereinen sowie die Gebäude und Schießstände Schützenvereins 1744.
  • In den 1970er Jahren wurde der Rhein-Neckar-Schnellweg gebaut, der durch die Feudenheimer Au und die ehemalige Spinelli-Kaserne zur B 36 in Käfertal führen sollte. Die damals erstarkende Umwelt- und Naturschutzbewegung stoppte das Vorhaben. lang
AdUnit urban-intext1

Genau das soll ebenfalls in diesen Tagen anlaufen: Das Neckarufer zwischen Fernmeldeturm und Riedbahnbrücke sowie (in einem zweiten Abschnitt) bis zum Kraftwerk Ilvesheim erhält Buchten und Inselchen, die zeitweise überflutet werden können und somit eine Annäherung an den natürlichen Zustand des einst wilden Neckars darstellen.

Das sogenannte Augewässer, der See in der ehemaligen Neckarschleife der Feudenheimer Au soll bis zur Bundesgartenschau (Buga) 2023 mit Grundwasser aus zwei geplanten Entnahmebrunnen im südöstlichen Teil der Au gespeist werden. In der Zeit nach der Buga soll der kleine See mit Bachlauf dann an den nahen Neckar angeschlossen werden – ein Vorhaben, das Naturschützer ähnlich wie den See selbst als willkommene Aufwertung der Feudenheimer Au begrüßen. Grundsätzlich.

Wegen des Aufwands gibt es aber auch viel Skepsis – und Missverständnisse bei den Vorbereitungen. In seiner offiziellen Stellungnahme formuliert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Kritik und Enttäuschung zurückhaltend: „Nach dem Studium der Unterlagen sehen wir deutliche Abweichungen in der Qualität der kommunizierten Maßnahmen.“ Worum es geht: Bei den Vorbereitungen zum Bau des Augewässers hatte sich der BUND eher positiv dazu ausgesprochen. Die nun vorliegenden Planungen seien allerdings ein „massiver Eingriff in den Naturhaushalt“ und ließen „rechtliche Konflikte mit der Landschaftsschutz-Verordnung, der Grundwasserverordnung, dem Wasserhaushaltsgesetz und dem Bundesbodenschutzgesetz erwarten“.

AdUnit urban-intext2

"Erhebliche negative Auswirkungen"

BUND-Kreisvorsitzender Wolfgang Schuy kritisiert, dass „insgesamt eine Fläche von 4,6 Hektar überplant und abgedichtet und rund 90 000 Kubikmeter Erde bewegt werden sollen“. Während der Bauphase seien weitere 2,7 Hektar betroffen: „Für die natürlichen Böden der Au bringt dies erhebliche negative Auswirkungen.“ Über ein vorab stattgefundenes Fachgespräch mit den Planern der Buga-Gesellschaft und und anderen Beteiligten gibt es abweichende Darstellungen – etwa über die insgesamt 4,6 Hektar Fläche, die mit Vlies und Folie aus Kunststoff abgedichtet werden sollen. Es sei nur von einer Ton-Schicht die Rede gewesen, heißt es aus Naturschutz-Kreisen. Auch sei nicht die Rede davon gewesen, dass die Bewässerung zumindest von Teilen der geplanten Grünanlagen auf dem Spinelli-Areal dauerhaft aus dem Augewässer gespeist werden soll.

AdUnit urban-intext3

Die Wurzelsperre – also die Abdichtung des Geländes mit Folien – sei in den Plänen enthalten, hält Michael Schnellbach, Geschäftsführer der Bundesgartenschau-Gesellschaft, dagegen. Er will jetzt noch einmal das Gespräch mit den Umweltverbänden suchen und über Lösungen sprechen.

AdUnit urban-intext4

Kritik kam nicht nur vom BUND, auch Nabu, das Umweltforum und Naturschutzbeauftragter Gerhard Rietschel hatten zahlreiche Kritikpunkte aufgegriffen. Sie sehen auch den geplanten Panoramasteg (wir berichteten) sowie die für den ebenfalls geplanten Radschnellweg notwendige Unterführung unter dem Aubuckel hindurch teils äußerst skeptisch. Auch zusätzliche Treppenabgänge an der geschützten Hangkante sollten vermieden werden. Um den See mit Wasser zu füllen, Verdunstungen auszugleichen und darüber hinaus große Flächen – elf Hektar dauerhaft und rund fünf Hektar während der Buga – auf Spinelli zu bewässern, sollen aus drei Brunnen im Süden der Au jährlich knapp 400 000 Kubikmeter Grundwasser heraufgepumpt werden. Die Grünen im Gemeinderat haben bereits beantragt, dass das Beregnungssystem noch überprüft wird.

Mehr zum Thema

Ost/Feudenheim Die Auferstehung eines Denkmals

Veröffentlicht
Von
Sylvia Osthues
Mehr erfahren

Bildung Schüler und Schülerinnen in der Corona-Pandemie - bloß im Kopf gesund bleiben

Veröffentlicht
Von
Stefanie Ball
Mehr erfahren

Digitaler Sonntag Doppelt Fasnacht im Fernsehen

Veröffentlicht
Von
Peter W. Ragge
Mehr erfahren

Digitaler Sonntag Narren-Gottesdienst per Internet

Veröffentlicht
Von
Peter W. Ragge
Mehr erfahren

Unfall Auto prallt in die Leitplanken

Veröffentlicht
Von
pol/stp
Mehr erfahren

Kommentar Buga: Holpriger Start in Feudenheimer Au

Veröffentlicht
Von
Thorsten Langscheid
Mehr erfahren

Redaktion schreibt als Reporter über Mannheimer Themen

Thema : Buga 2023

  • Bundesgartenschau Flache Uferzonen, Inselchen und kleine Buchten

    Anlässlich der Bundesgartenschau erhält der Neckar die Chancen, sich seinen Weg selbst zu suchen - allerdings in Grenzen.

    Mehr erfahren
  • Gartenschau Tourismus Thema bei Buga-Vortrag

    Am Donnerstag gibt es zum Thema „Die Bundesgartenschau als Tourismus-Magnet“ ein Online-Format.

    Mehr erfahren
  • Bundesgartenschau Umgestaltung der Feudenheimer Au beginnt mit Kritik

    Die Umgestaltung der Feudenheimer Au beginnt in den kommenden Tagen. Dann entsteht dort unter anderem ein neues Gewässer. Naturschutzverbände kritisieren den Aufwand des Vorhabens.

    Mehr erfahren