Job-Center: Die Kooperation zwischen Stadt und Arbeitsagentur ist jetzt bis 31. Dezember 2010 vertraglich geregelt Anträge auf Hartz-IV-Hilfe fast verdoppelt

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Waltraud Kirsch-Mayer

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Die gute Botschaft lautet: Die Zukunft des Mannheimer Job-Centers ist bis Ende 2010 gesichert. Die schlechte Nachricht: Anträge auf Hartz IV haben sich in den letzten Wochen nahezu verdoppelt - ein Signal, dass die Wirtschaftskrise den Arbeitsmarkt erreicht hat und "eine funktionierende Betreuung" aus einer Hand "unerlässlich ist", kommentiert Michael Grötsch als zuständiger Fachdezernent.

Schlechte Auftragslage

"Wir gehen jetzt in die Einzelfallprüfung", kündigt Hermann Genz, einer der beiden Job-Center-Geschäftsführer und Leiter des kommunalen Fachbereichs Soziales, an. Die Motive, warum jemand wegen Arbeitslosengeld II vorspricht, sind höchst unterschiedlich: Frauen, die nach einer Trennung vom Ernährer mit ihren Kindern finanziell nicht mehr über die Runden kommen, beantragen genauso Hartz IV-Leistungen wie Geringerverdiener mit Familie, die mit ihrem Lohn unterm Existenzminimum liegen. Auch wenn die Analyse des dramatischen Anstiegs noch aussteht, lässt sich schon jetzt sagen: Dass die Zahl der "Alg II"-Anträge von wöchentlich um die 150 (vor dem Konjunkturabschwung) auf nahezu 300 hochgeschnellt ist, hängt mit der schlechten Auftragslage vieler Firmen zusammen. Ans Job-Center wenden sich seit Mitte Februar beispielsweise Beschäftigte kleiner Betriebe, die mit der Belegschaft eine Stundung des Lohns vereinbart haben. Zur Überbrückung wird Hartz IV benötigt - Genz: "Für uns ein völlig neues Phänomen". Ergänzende Leistungen benötigen zunehmend auch Männer und Frauen, die zwar eine Stelle haben - diese aber halbiert oder auf 15 und weniger Stunden herabgesetzt wurde, weil es kaum etwas zu tun gibt. "Die Wiederkehrer machen derzeit den größten Teil aus", erläutert Hermann Genz. Er meint damit jene Beschäftigten, die in Zeitarbeitsfirmen untergekommen waren, in der Flaute wieder freigesetzt wurden und auf dem leer gefegten Stellenmarkt nichts finden.

"Wir haben bereits eine Projektgruppe Wiederkehrer eingerichtet." Diskutiert werde der Plan, maßgeschneiderte Qualifizierungsprogramme auszutüfteln - denn bei dieser Gruppe handelt es sich vorwiegend um Kräfte ohne Berufsausbildung - und die haben bei der Jobsuche besonders schlechte Karten. Angesichts der schwierigen Situation sind Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und Michael Grötsch, Dezernent für Wirtschaft, Arbeit, Soziales und Kultur, erleichtert, dass die Bundesregierung "die Reißleine zieht und die bestehenden Job-Center wenigstens bis 31. Dezember 2010 absichert".

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Heute will Christian Greiner, Chef der Arbeitsagentur in Mannheim, den Vertrag zur Verlängerung der Arbeitsgemeinschaft (Arge) unterschrieben übergeben. Der Mannheimer Gemeinderat hatte schon vor einem Jahr beschlossen, die erfolgreiche Kooperation fortzusetzen. Der Arge-Vertrag lag aber bislang auf Eis, weil die Bundesagentur für Arbeit erst einmal die politischen Verhandlungen im Streit um die Job-Center abwarten wollte.