Deutsch-französische Anekdoten - Drei weitere kleine Geschichten, die das besondere Verhältnis zwischen beiden Ländern beschreiben Anekdoten zum deutsch-französischen Verhältnis: Bilder sagen manchmal mehr als Worte

Lesedauer: 
Axel Jaegers malte auch dieses Bild, ein Detail von Plan de la Tour (Côte d’Azur). © Jaegers, Stahl, Lutzi

Zum Deutsch-Französischen Tag am 22. Januar hatten der „MM“ und das Institut Français Mannheim Leser aufgefordert, Anekdoten zum deutsch-französischen Verhältnis einzuschicken. Hier sind weitere:

Axel Jaegers, Mannheim

AdUnit urban-intext1

1968: In Cassis hielt mich nichts mehr am Steuer. Obwohl die Küstenstraße eng war, stellte ich den Wagen am Straßenrand ab. Ich eilte zum Strand, wo ich mich in der Nähe eines einsamen Mädchens im weißen Bikini niederließ. Ich genoss den Anblick der Felsen und der Küstenlinie. Ich begann, den Strand, die Felsenlandschaft und die Berge zu skizzieren. Die junge Dame, etwa 20 Jahre alt, sonnte sich immer noch. Da kam mir eine Idee: So gut ich konnte, brachte ich sie ins Bild, signierte und ging zu ihr. Sie hob ihre Sonnenbrille und lächelte. „Excusez, Mademoiselle“, sagte ich und hielt ihr die Skizze hin, „Ihr Bild.“ Sie blickte mich verdutzt an. „Ja, es gehört Ihnen“ , sagte ich. Als sie sich erkannte, hielt sie mit freudigem Erstaunen die Hand vor den Mund. „Oh Monsieur. Merci, merci.“ Sie hauchte mir einen kleinen Kuss zu. „Verrat mir Deinen Namen, bitte“, bat ich. „Françoise.“ Ich schrieb „Pour Françoise“ unter die Zeichnung.

Sie gab mir die Hand, und ich wünschte die Ewigkeit für diesen Augenblick herbei. „Au revoir, Françoise.“ Ich hatte mich schon abgewandt, als sie sagte: „Warte.“ Sie holte eine Kosmetikschere aus ihrem Täschchen und schnitt eine Locke ihres schwarzen Haars ab. Sie packte sie in ein leeres Geldtäschchen und gab es mir. „Danke, Françoise.“ Als ich mich aus einiger Entfernung umblickte, winkte sie mir fröhlich zu. „Vielleicht sehen wir uns wieder, liebe Françoise“, flüsterte ich und winkte zurück. Ich wär‘ so gern geblieben, aber Toulon wartete.

Roswitha Lutzi, Biblis

Die Normandie, mein Mann und ich machten einen Spaziergang am Meer, als ein Gewitter aufzog. Da es für den Rückweg nicht mehr reichte, kehrten wir in ein Strandlokal ein. Wir sind, außer ein paar Anstandsfloskeln, der französischen Sprache nicht mächtig. So konnten wir die Speisekarte nicht lesen. Dies machten wir der Bedienung deutlich. Sie setzte sich zu uns und malte die Karte auf: Fisch, Muscheln, Schnecken, Geflügel, Rind und Schwein und so weiter. Wir waren so erfreut, dass sie sich so viel Mühe machte.

Robert Stahl, Mannheim

AdUnit urban-intext2

1986: Das Mannheimer Lessinggymnasium und das Lycée Dumont d’Urville in Toulon pflegten seit etlichen Jahren ihre Schulpartnerschaft und Klassen besuchten sich gegenseitig. Im Frühjahr kamen die Franzosen für zehn Tage zu uns, und wir fuhren im Juni an die Côte d‘Azur. Was ist 35 Jahre später davon geblieben? Eine Freundschaft mit meiner damaligen Austauschpartnerin Delphine und ihrer Familie. Unsere Besuche sind zwar selten, aber immer von einer vertrauten, außergewöhnlichen Herzlichkeit. Ob als Trauzeuge bei ihrer Hochzeit, bei gemeinsamen Treffen oder beim jährlichen Telefonat: Ich bin sehr froh, ein Teil ihrer Familie zu sein.

Mehr zum Thema

Edingen-Neckarhausen Online feiern anlässlich deutsch-französischer Freundschaft

Veröffentlicht
Von
Michael Schäfer
Mehr erfahren