Bildung - Verwaltung will Digitalpakt umsetzen / Ziel: Bildungseinrichtungen beim Netzausbau innerhalb der Gebäude auf gleichen Stand bringen „Am Ende kommt keine Schule zu kurz“

Von 
Bertram Bähr
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Die Ausstattung mit Laptops ist an vielen Schulen noch ein großes Problem. Der Digitalpakt soll da helfen. © dpa

Lernen in Zeiten von Corona: Das heißt auch, dass Schüler ihre Unterrichtsstoffe zu Hause bewältigen müssen. Vielen fehlt die dazu notwendige Ausstattung oder eine stabile Internetverbindung. Wie sieht es auf der anderen Seite aus, bei den Schulen? Ganz unabhängig von der Pandemie-Krise nimmt die Stadt diese Frage bei der Umsetzung des Digitalpakts in den Blick.

Was versteht man eigentlich unter Digitalpakt?

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Der Bund gibt in den nächsten fünf Jahren insgesamt fünf Milliarden Euro für den digitalen Ausbau der Schulen. Die Stadt Mannheim kann davon als Schulträger 14,764 Millionen Euro an Fördermitteln abrufen. Eine Voraussetzung dafür: Sie muss 20 Prozent Eigenanteil beisteuern – so können am Ende 18,455 Millionen Euro ausgegeben werden.

Bekommt jede der 81 öffentlichen Schulen den Anteil, der der Zahl ihrer Schüler entspricht?

Nein. „Der Ausbaustand an den Mannheimer Schulen ist sehr unterschiedlich“, begründet Bildungsbürgermeister Dirk Grunert. So sieht Lutz Jahre, Fachbereichsleiter für Bildung, die beruflichen Schulen in der Regel schon recht gut ausgestattet. Ganz anders sei das beispielsweise bei den meisten Mannheimer Grundschulen. Der Gesetzgeber schreibt nicht vor, wie die Mittel auf die Schulen zu verteilen sind.

Nach welchen Kriterien möchte die Stadt die Gelder verteilen?

Dirk Grunert spricht von einem „digitalen Grundpaket“, mit dem alle Schulen auf den gleichen Stand gebracht werden sollen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Schließung der Lücken in der vorhandenen Netzinfrastruktur innerhalb der Schulgebäude. „Nach Abschluss soll in jedem Unterrichtsraum WLAN verfügbar sein und eine digitale Präsentationsfläche genutzt werden können“, so die Verwaltung. Die Maßnahmen sind bis 2024 umzusetzen.

WLAN schön und gut – aber haben die Schulen überhaupt schnelles Internet?

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Bisher sind rund 29 Schulen an das städtische Glasfasernetz angebunden und damit in dieser Hinsicht erst einmal versorgt. Die Mehrzahl hat diese technische Möglichkeit allerdings nicht. Die Stadt strebt einen flächendeckenden Anschluss an, das hat Erster Bürgermeister Christian Specht bei den Haushaltsberatungen angekündigt. Er will dafür bis 2023 jährlich vier Millionen Euro bereitstellen. Die Finanzierung läuft aber nicht über den Digitalpakt, weil das das Förderprogramm nicht zulässt.

Was müssen die Schulen tun, um Digitalpakt-Mittel zu bekommen?

Sie müssen in einem aufwendigen Prozess einen Medienentwicklungsplan (MEP) erstellen. Darin beschreiben sie ihre jeweiligen Vorstellungen von digitalem Unterricht und Lehrerfortbildung – und wie sie ihre Ziele erreichen möchten. Vor allem die gewünschte technische Ausstattung muss mit dem Schulträger abgestimmt werden, eine Zertifizierung durch die Stadt ist Voraussetzung für den Fördermittelantrag.

Wie weit sind die Schulen bei der Entwicklung ihrer Medienpläne?

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Für die Gustav-Wiederkehr-Grundschule und das Liselotte-Gymnasium wurden bereits Förderantrage gestellt, 65 von 81 Schulen arbeiten an der MEP-Erstellung. Lutz Jahre ist damit sehr zufrieden. Er wirbt um Verständnis für die, die noch etwas abwarten – einige wollten sich an anderen Schulen, die weiter seien, umsehen und von deren Erfahrungen profitieren. Am Ende, verspricht Jahre, komme in Sachen Grundausstattung „keine Schule zu kurz“.

Bekommen Schüler aus den Digitalpakt-Mitteln auch Endgeräte?

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Es ist eher unwahrscheinlich, dass dafür Geld übrig bleibt. Nach einer Schätzung der Stadt werde man rund zwei Drittel der Gelder für die Netzinfrastruktur und den Rest für digitale Präsentationsflächen in den Klassenzimmern brauchen. Außerdem seien Endgeräte ohnehin nur zu einem kleinen Teil förderfähig. Seit einigen Jahren verleiht das Stadtmedienzentrum den Schulen einige Hundert Geräte, mit Schwerpunkt auf PC- und Fachräumen.

Wenn es über den Digitalpakt nicht geht: Wie lässt sich dann benachteiligten Schülern helfen?

Diese Frage treibt neben der Verwaltung sowohl die Kommunalpolitiker als auch Schulleiter und Gesamtelternbeirat (GEB) um. Mit Endgeräten allein jedenfalls sei es nicht getan, betont Humboldt-Werkrealschulleiter Harald Leber: „Neue technische Geräte zu Hause ohne WLAN-Zugang und ohne Computerschulung nutzen nichts.“ Das sieht GEB-Sprecher Thorsten Papendick genauso. SPD und Grüne würden gerne mehr über Erfahrungen der Schulen in der Corona-Phase und die Ausstattung der Schüler zu Hause erfahren.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen mit Homeschooling?

Aus Elternsicht eher ernüchternd, meint der GEB. In einem Schreiben an Kultusministerin Susanne Eisenmann hatte der Verband deutlich gemacht, dass viele Eltern überfordert seien. Zuvor, so Papendick, seien mehr als 150 E-Mails zum Thema eingegangen, die zum größten Teil Ratlosigkeit widerspiegelten. Der GEB befürchtet: „Die bestehende soziale Ungerechtigkeit wird zementiert, die Bildungsschere wird immer größer.“ Zumal zu befürchten sei, „dass uns Homeschooling auch nach den Ferien begleiten wird“.