Studium - Wer mit seinem Fach unglücklich ist, sollte den Mut haben, etwas daran zu ändern / Neue Initiative "Spurwechsel Mannheim" bietet zentrale Anlaufstelle Zweifelst du noch oder wechselst du schon?

Von 
Leon Igel
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Die neue Initiative "Spurwechsel Mannheim" will zweifelnden Studierenden helfen, den Wechsel zum Wunschstudium zu schaffen.

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Viele Studierende kommen im Laufe ihres Studiums an den gefürchteten Punkt der Unsicherheit. Scheitern bedeutet dies nicht - da sind sich Student Janek Frick und die Mitstreiter der neugegründeten Initiative "Spurwechsel Mannheim" einig.

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"Ich saß mit einem Freund an einer Hausarbeit. Da wurde mir klar, dass Unternehmensjura nicht das ist, was ich wirklich möchte", erzählt Janek Frick. Im Januar des letzten Jahres galt es für den 23-Jährigen, seine Stärken und Interessen neu auszuloten. Dass seine Wahl nach dem Abitur schlichtweg die falsche Entscheidung war, wurde ihm schnell klar: "Unternehmensjura ist mehr wie eine Berufsausbildung, die Ausbildung meiner Persönlichkeit ist mir jedoch besonders wichtig." Frick bewarb sich deswegen für den "Bachelor Kultur und Wirtschaft - Philosophie".

Unzufriedenheit im Studium - Frick ist da kein Einzelfall. Viele gehen jedoch einen anderen Weg als er und brechen ab. Laut der Statistiken der Universität Mannheim lag die Rate des Studienabbruchs von Bachelorstudierenden im vergangenen Jahr bei 26 Prozent, im Master bei etwa neun Prozent. Die Zahl der Wechsler wie Frick hingegen ist mit etwa drei Prozent sehr gering.

Umstieg auf Umwegen

Der Übergang zum neuen Fach verlief für Frick nicht einfach. Der administrative Gang war für ihn mehr ein verzwickter Weg als ein geradliniger. "Ich habe viele verschiedene Stellen an der Uni konsultiert, bis ich schließlich die für mich richtige gefunden habe. Man trägt jedes Mal erneut seine Sorgen vor - das ist anstrengend." Was ihm damals geholfen hätte: "Eine zentrale Anlaufstelle, die einfache Fragen wie die jeweilige Zuständigkeit beantwortet." Die Initiative "Spurwechsel Mannheim" setzt genau an diesem Punkt an. Ziel ist es, orientierungssuchenden Studierenden bestmögliche Unterstützung zu bieten. "Studierende mit Zweifeln suchen an den unterschiedlichsten Stellen Hilfe. Daher macht es Sinn, sich zu vernetzen", erzählt Astrid Brandenburger, die Sprecherin des im Februar gegründeten Aktionsbündnisses.

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Die erste Veranstaltung findet am Mittwoch, 27. April, von 10 bis 14 Uhr in der Mensa am Schloss statt. Neben einer Infobörse der verschiedenen Anlaufstellen wird es verschiedene Kurzvorträge geben sowie die Möglichkeit zur Einzelberatung. "Unser Anliegen ist es, Licht ins Dunkel zu bringen und den Studierenden verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen, was man im Falle des Zweifels tun kann", erklärt Brandenburger.

Frick hat den Wechsel vor einem Jahr auf eigene Faust geschafft. Mit seiner Entscheidung ist er mehr als zufrieden. Bewusst wurde ihm das - mal wieder - bei einer Hausarbeit: "Da habe ich gemerkt, dass mir Philosophie einfach mehr Spaß macht."

Keine Angst vor Neuem

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Den Umgang vieler Studenten mit Zweifeln im Studium sieht er kritisch: "Wir sollten weniger Angst vor Neuem haben. Ein Bruch im Werdegang ist kein Scheitern, sondern zeigt Mut. Dafür muss man sich nicht schämen!" Zwar gesteht er ein, dass er damals nicht so gelassen darüber reden konnte, heute sei das aber anders.

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Nebenbei erzählt er begeistert von seinen Zukunftsplänen: In Ulm möchte er im Master "Nachhaltige Unternehmensführung" studieren. "Man muss hinter dem stehen, was man macht", kommentiert Frick. Das glaubt man ihm gerne. Zweifeln bedeutet immer auch, sich nach dem richtigen Weg zu fragen. Der ehemalige Unternehmensjura-Student hat diesen für sich gefunden.