Hochschulen: Immer mehr Studenten wenden sich an die psychotherapeutische Beratungsstelle des Studentenwerks Erst kam Bologna - dann der Burnout

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Svenja Markert

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Schlaflosigkeit, sich müde und total ausgelaugt fühlen, keine Lust haben, nicht einmal darauf, Freunde zu treffen. Nach Gabriele Bensberg von der Psychotherapeutischen Beratungsstelle für Studierende (PBS) des Studentenwerks Mannheim sind dies typische Zeichen einer Erschöpfung. Immer mehr Studenten leiden darunter. Auslöser dafür ist Stress, und der hat nach Erfahrung der Diplom-Psychologin durch die Einführung des Bachelors zugenommen. "Von den Studenten wird zu viel erwartet", erklärt Bensberg. Auch wenn sie persönlich die Ablösung des Magisters begrüßt, ist der Bachelor ihrer Meinung nach dringend reformbedürftig. "Das Zeitraster im Studium ist dichter geworden, die vorgegebenen Semesterpläne sind inhaltlich überfrachtet und schon die Ergebnisse der ersten Semester zählen in die Endnoten hinein", so Bensberg. Daraus ergäben sich starke Belastungen.

Beratungsbedarf steigend

Eine Germanistikstudentin im vierten Semester berichtet: "Ich spüre ständig diesen unheimlichen Druck und denke daran, was ich noch alles machen muss." Ihr Körper reagierte, sie begann, unter Kreislaufproblemen zu leiden. Seitdem ist ihr oft schwindelig und einmal ist sie sogar ohnmächtig geworden. "Ich habe inzwischen Angst davor, noch einmal umzufallen. Ich darf nicht krank werden, das kann ich mir einfach nicht leisten", erzählt sie. Sie ist mit ihren Sorgen nicht allein - in Mannheim suchen immer mehr Studenten die Hilfe der PBS. Im Jahr 2000 waren es noch 521, in 2008 kamen schon 684 - und der Beratungsbedarf steigt weiter. Am häufigsten beschreiben die Ratsuchenden Leistungs- und Prüfungsprobleme sowie die Angst zu versagen oder Zukunftsängste. Zusätzlich klagen Bachelor-Studenten häufiger als Studenten anderer Abschlüsse über Isolation und Einsamkeit. Grund dafür könnte die verringerte Freizeit sein: Wenn man nicht weiß, wie der ganze Lernstoff geschafft werden soll, dann ist es auch schwierig, die Zeit zu finden, um Freunde zu treffen.

Im Lernalltag Highlights setzen

Der sogenannte Burnout ist insofern gefährlich, als er ein Vorstadium für Krankheiten wie zum Beispiel eine Depression ist. Auch steigt mit ihm die Gefahr eines Suizids. Die Zahlen der PBS sprechen für sich: In 2008 gaben von den Ratsuchenden, die auf Bachelor studieren, 12,8 Prozent an, Suizidgedanken zu haben, während es bei den Diplomstudenten nur 4,5 Prozent waren. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Der Burnout selbst ist keine Krankheit, sondern ein Syndrom. Das heißt, er kann behoben werden, indem die Situation des Einzelnen verändert und so der Stress verringert wird. Manchmal ist das leichter gesagt als getan.

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Damit es erst gar nicht so weit kommt, weiß die Diplom-Psychologin Rat: Sich Zeit für andere Dinge nehmen, regelmäßig Sport treiben, im Lernalltag Highlights setzen. "Dadurch kann die eigene Lebenszufriedenheit gesteigert werden." Auch sei es wichtig, sich über seine Basismotivation klar zu werden. "Wenn ich weiß, was meine Langzeitziele sind, für die ich mir den Stress gebe, kann ich auch besser mit ihm umgehen", so Bensberg. Ebenfalls wichtig sei es, sich Lernstrategien für das Studium anzueignen.

Die Germanistikstudentin im vierten Semester hat ihren Stress verringert, indem sie neben dem Studium weniger arbeitet. Auch nimmt sie sich für ihr Studium ein Semester mehr Zeit als eigentlich vorgesehen.