Ost/Wallstadt - Stadt plant statt Wohnungsbau Einrichtung mit sieben Gruppen auf dem Gelände an der Amorbacher Straße Kinderhaus auf dem Kerweplatz

Von 
Peter W. Ragge
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Derzeit Parkplatz, bald Bauplatz für ein neues Kinderhaus: die Fläche an der Ecke Amorbacher Straße/Mosbacher Straße in Wallstadt, auch alter Kerweplatz genannt und lange für Wohnbebauung vorgesehen. © Thomas Rittelmann

Wo derzeit Autos und besonders viele Wohnmobile parken, Altglas- und Kleidercontainer stehen, sollen bald Kinder spielen: Die Stadt will auf dem alten Wallstadter Kerweplatz in der Amorbacher Straße ein Kinderhaus errichten. Eigentlich war hier Wohnbebauung geplant. Schon 2015 wurde beschlossen, dass sieben Wohneinheiten mit drei Einzelhäusern sowie vier Doppelhaushälften entstehen sollen. Umgesetzt wurde der Plan aber nie.

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Nach der 2020 dem Bezirksbeirat unterbreiteten Bevölkerungsprognose fehlen in dem Vorort dringend Kindergartenplätze. Die Stadt beziffert den Bedarf auf neun Gruppen bis 2030, hiervon vier Krippen- und fünf Kindergartengruppen. Das können die derzeit vier Wallstadter Kindergärten der beiden Kirchen, der Stadt und des Wespinstifts nicht abdecken. Der Bezirksbeirat forderte daher einen Neubau.

15 Standorte geprüft

Dafür hat die Stadt nun den – nur bis in die 1980er Jahre für Veranstaltungen genutzten – Festplatz vorgeschlagen. „Der Standort ist aufgrund seiner Lage im südwestlichen Teil von Wallstadt gut für eine Kindertageseinrichtung geeignet“, bestätigte das zuständige Dezernat dem „MM“ auf Anfrage. Es gebe keine Kindergärten im Umfeld. Das 5412 Quadratmeter große Areal sei groß genug, um eine siebengruppige Einrichtung und „somit einen Großteil der erforderlichen Plätze in einem Vorhaben zu schaffen“, so die Stadt. Zudem sei das Gelände zu großen Teilen versiegelt, so dass keine Grünflächen verwendet werden müssten.

Insgesamt wurden 15 Standorte geprüft, davon fünf als „grundsätzlich geeignet“ näher untersucht. Der große Spielplatz am „Mudauer Ring“ schied aus, weil hier ein „erheblicher Eingriff in den Grün- und Baumbestand erforderlich“ wäre. Das Gewann „Vordere Wasserlöcher“ sei nur eine Randlage ganz im Westen des Stadtteils und die dortigen Privateigentümer wollten ohnehin ihre Grundstücke nicht verkaufen. An der Grünfläche „Am Wallstadt Bahnhof“ müsse man ebenso viele Bäume opfern, zudem komme es zum „Nutzungskonflikt“ mit dem Spielplatz und durch die Nähe zur Stadtbahnlinie zur hohen Lärmbelastung.

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In die nähere Wahl kam noch das – auch vom Bezirksbeirat vorgeschlagene – Gelände am Mudauer Ring, wo derzeit noch die Freiwillige Feuerwehr ist. Hier sei, so die Stadt, aber nur Platz für eine zweigruppige Einrichtung – notfalls als Ergänzung für das neue Kinderhaus auf dem Festplatz. Derzeit sei aber „nicht absehbar, wann das Gelände für eine Kita zur Verfügung stehen kann“, verweist die Verwaltung auf den unklaren Zeitplan für den Bau eines Kultur- und Sportzentrums mit neuem Feuerwehr-Gerätehaus.

Aber auch für die Amorbacher Straße sei ein neuer Bebauungsplan erforderlich, was allein zwölf Monate dauere. Daher seien zum Zeitplan wie zu den Kosten „keine verbindliche Aussage möglich“, erklärt die Verwaltung. Aber sie drückt aufs Tempo: Schon im Februar will sie eine Beschlussvorlage in den Jugendhilfeausschuss einbringen, am 11. März dann im Ausschuss für Umwelt und Technik endgültig darüber entscheiden lassen.

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Im Bezirksbeirat gab es bereits fraktionsübergreifend Zustimmung. SPD-Sprecher Thorsten Schurse begrüßte den Standortvorschlag. „Die Realisierung muss so schnell wie irgend möglich erfolgen“, so Schurse. Aus seiner Sicht sollten für Wallstadt sieben Gruppen „auf absehbare Zeit genügen“ – sehe man den stadtweiten Bedarf, „müssen natürlich weitere Standorte gefunden werden“, erklärt der SPD-Sprecher.

Keinen Spielplatz opfern

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Allerdings fordert Schurse, dass die bekannten Interessenten für eine Wohnbebauung an der Amorbacher Straße „zügig stadtseitig über die geänderte Planungslage informiert werden, damit auch sie sich darauf einstellen können“. Für den Betrieb des neuen Kinderhauses sollten laut Schurse freie Träger Vorrang haben gegenüber der Stadt, „wobei pädagogische Konzepte und die Arbeitsbedingungen berücksichtigt werden sollten“, meint er.

Auch Oliver Cors, Sprecher der Grünen, kann der Umwidmung des Bauplatzes in der Amorbacher Straße „nur voll zustimmen“. Es sei „eine Sache der Abwägung, wobei mir die Unterbringung der jüngsten Mitbürger hier dringlicher erscheint“, erklärt Cors. Dagegen halte er es „nicht für sinnvoll, etwa den Spielplatz am Mudauer Ring zu opfern“, so Oliver Cors. Die Amorbacher Straße liege geschickt im Stadtteil, da der katholische und evangelische Kindergarten eher östliche Bereiche von Wallstadt abdeckten. „Im Westen ist diesbezüglich noch Luft nach oben“, meint Cors. In Sachen Trägerschaft sei er offen. Er hoffe, nachdem die Abstimmung der Planung des 2017 eröffneten Katholischen Kinderhauses mit der Stadt „wirklich lange dauerte“, dass das Projekt nun schneller in Angriff genommen werde.

Redaktion Chefreporter