Gartenstadt - Bezirksbeirat beschäftigt sich mit Schulen / Delp-Neubau ab 2024 / Rektor beklagt fehlende Perspektive für Waldschule „Letzte Besenkammer genutzt“

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Bertram Baehr
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Eines der Sorgenkinder an der Waldschule: der 1967 errichtete C-Bau. Er sollte eigentlich nur 25 Jahre lang benutzt werden. © Bähr

Kirsten Mühlum nimmt es mit Galgenhumor: „Wir sind glücklich, dass wir endlich wieder ein dichtes Dach haben“, wendet sich die Rektorin der Alfred-Delp-Grundschule (ADS) in der Gartenstadt in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung auf dem Waldhof an Stadtteilpolitiker und Verwaltungs-Fachleute. Um nachzuschieben: „Aber dafür haben wir keine Sporthalle, da regnet es rein.“

Teure Instandhaltung

  • Alfred-Delp- (ADS) und Waldschule laufen bei der Stadt und bei der städtischen Schulbaugesellschaft BBS unter der Rubrik „Funktionserhalt“. Das heißt: Eine Sanierung oder ein Neubau sind erforderlich.
  • Durchgeführt werden an Gebäuden im Funktionserhalt laut Stadt nur noch „notwendige Instandhaltungsmaßnahmen“. Es gelte, „Belange der Betriebssicherheit“ zu gewährleisten.
  • Wie teuer das gleichwohl werden kann, zeigt eine Auflistung für den Bezirksbeirat. Zwischen 2014 und 2019 entstanden an der ADS Kosten in Höhe von gut 373 000 Euro. In die Waldschule flossen im gleichen Zeitraum fast 1,24 Millionen Euro.
  • Unter anderem mussten an der ADS die beiden Heizkessel getauscht und die Flachdächer des Hauptgebäudes notdürftig abgedichtet werden. Um die Hygienevorschriften einzuhalten, wurden Hauswassereingang erneuert, Trinkwasserfilter ein- und Trinkwasserleitung umgebaut.
  • Dachabdichtungen waren an der Waldschule gleich mehrfach erforderlich: am C-, E- und H-Bau sowie der Turnhalle. Im A-Bau tauschte die Stadt den Bodenbelag aus. Außerdem wurden vier Fachräume saniert. bhr
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Dass es so ist, wie es ist, wundert kaum jemanden: Rund 52 Jahre hat die ADS jetzt schon auf dem Buckel. Sie ist die letzte Mannheimer Stocké-Schule. Solche Einrichtungen wurden damals von der gleichnamigen Firma gebaut – als Übergangslösung für 25 bis 30 Jahre. Angesichts des baulichen Zustands sieht auch die Stadt Handlungsbedarf. Dem Bezirksbeirat (BBR) teilt Dieter Teynor vom städtischen Fachbereich Bildung mit, dass für den längst fälligen ADS-Neubau in den kommenden beiden Jahren je 300 000 und für 2022 weitere 500 000 Euro vorgesehen seien. Dass das für kaum mehr als die Planung des Vorhabens reicht, bestätigt Dieter Teynor. „Der Hauptteil der baulichen Umsetzung wäre 2024.“

Während sich für die ADS also zumindest mittelfristig eine Perspektive abzeichnet, soll die rund 600 Meter entfernte Waldschule mit ihrem Real- und Werkrealbereich einstweilen ganz leer ausgehen. Dabei stammen einige der Gebäude sogar aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Erste Schritte zu einem Neubau, so die Verwaltung in einer Vorlage für den BBR, könnten frühestens „ab dem Jahr 2022“ ins Auge gefasst werden.

Wände mit „Nagerproblem“

Die Bezirksbeiräte können das nicht nachvollziehen – und wollen es auch nicht hinnehmen. „Wir konnten uns mehrfach vom Zustand der Waldschule überzeugen, das ist sehr prekär“, sagt Sabine Seifert (SPD): „Für Kinder und Lehrer ist das an vielen Stellen kaum aushaltbar.“ Helga Schlichter (CDU) weist darauf hin, dass die Waldschule ein „Einzugsgebiet weit über die Gartenstadt hinaus“ habe.

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Das untermauert Leiter Jörg Schuchardt mit Zahlen. Durch den Wegfall mehrerer Werkrealschulen konzentrierten sich die Schüler zunehmend auf die Gartenstadt. Nach dereinst 650 liege die Zahl „aktuell bei 770, Tendenz steigend“. Ganz abgesehen vom baulichen Zustand, so Schuchardt, müsse man „die allerletzte Besenkammer als Zimmer nutzen“, um sämtliche 30 Klassen unterbringen zu können.

Zwei davon müssen im C-Bau arbeiten: Der „wurde 1967 errichtet und sollte 25 Jahre lang benutzt werden“, erklärt Schuchardt im BBR. Die Räume seien „nicht mehr sanierungsfähig“, die beiden Klassenzimmer „mehr als marode. In den Wänden haben wir ein Nagerproblem.“

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Der Rektor, seit 2004 im Amt, bittet nicht einmal mehr um die seit langem geforderte große Lösung, einen Neubau der Waldschule. Stattdessen appelliert er mit Blick auf den C-Bau an Politik und Verwaltung: „Uns wäre geholfen, wenn dieses Dreckding plattgemacht wird“ – und stattdessen ein zweistöckiges Gebäude für mindestens vier Klassen erricht würde: „Das wäre eine Teillösung und zumindest ein Anfang.“

Bald Baubeginn in Waldhof-West

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Stadtrat Roland Weiß (Freie Wähler/ML) geht nicht davon aus, dass das Thema Waldschule auf die lange Bank geschoben wird: „Ich würde mich nicht wundern, wenn ein Antrag käme“ – mit dem Ziel, Planungsmittel bereitzustellen. Für Weiß ist klar: „Der Gemeinderat ist gefordert, die Waldschule nicht im Regen stehenzulassen.“

Zumindest für die Waldhofschule zeichnet sich eine Lösung ab. Die Lage ist exponiert. Luzenbergstraße, B 44 und Bahngleise führen vorbei. Werden die Fenster zu dieser Seite hin geöffnet, erschwert der Lärm den Unterricht erheblich. Dennoch bleibt im Sommer oft gar nichts übrig, als zu lüften. Denn die Einfachverglasung sorgt für Temperaturen, die mitunter an die 40 Grad heranreichen. Mit diesen Zuständen soll es bald vorbei sein. Die 2,74 Millionen teure Dach-, Fassaden- und Fenstersanierung, so Dieter Teynor im BBR, soll der Bildungsausschuss seiner Novembersitzung auf den Weg bringen.

Redaktion Reporter in der Lokalredaktion Mannheim. Schwerpunkte: Schulen und Kitas