Serie "Mein Laden um die Ecke" (Teil 9) - "Döringer's Backhaus" in der Gartenstadt / Helmut und Werner Döringer setzen auf Filialen in Wohngebieten Die Mutter zog es damals ins Grüne

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Timo Schmidhuber
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Der Laden im Märker Querschlag, wo alles anfing - hinter der Theke die Bäckereifachverkäuferinnen-Azubis Anise Yalcin (l.) und Jaqueline Goltz.

© Blüthner (3), Döringer (2)

Einfamilienhäuser, umgeben von Gärten. So sieht es in vielen Teilen der Gartenstadt aus. Läden gibt es da eher selten - umso wichtiger sind die, die da sind. "Döringer's Backhaus" befindet sich schon seit 60 Jahren an dem kleinen Platz in der Straße Märker Querschlag, der enge Laden hat sich auf angenehme Art den Charme von früher bewahrt: Keine automatischen Türen wie in einem Raumschiff, stattdessen eine Tür mit einer großen Brezel aus Metall als Griff. In der Glastheke locken Apfelkuchen, Mohnschleifen und Streuselteilchen, in den Regalen liegen runde und längliche Brotlaibe verschiedener Sorten.

Laden um die Ecke "Mein Laden um die Ecke": Döringer's Backhaus

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"Das ist der einzige Laden hier", sagt eine 60-Jährige, die sich gerade Brötchen und Nusshörnchen geholt hat. "Ich finde es gut, dass die noch selber backen." Eine andere Kundin betont, dass dies hier noch "eine ordentliche Bäckerei" sei. Karl Döringer hat sie in den 50er Jahren eröffnet, seit 1981 führen seine Söhne Helmut (53) und Werner (59) den Betrieb. Beide sind Bäckermeister und Betriebswirte des Handwerks - im Alltag kümmert sich Werner ums Backen, Helmut ums Kaufmännische. "Döringer's Backhaus" hat elf Filialen - außer in den nördlichen Stadtteilen auch auf dem Lindenhof und in der Schwetzingerstadt.

"Döringer's Backhaus"

  • Kontakt: Hauptgeschäft: Märker Querschlag 5, 68305 Mannheim, Telefon 0621/75 82 23, E-Mail: doeringer@t-online.de, Internetseite: www.doehringers-backhaus.de.
  • Inhaber: Helmut Döringer (53) und Werner Döringer (59).
  • Mitarbeiter: 50 Bäcker und Verkäuferinnen, davon neun Azubis.
  • Angebot: Brot, Brötchen, süße Teilchen, Kuchen und Torten. Öffnungszeiten Hauptgeschäft: Mo., Di., Do., Fr. 6 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr; Mi. 6 bis 13 Uhr, Sa. 6 bis 12 Uhr. imo

Dass in der Gartenstadt alles anfing, dafür sei eigentlich ihre inzwischen verstorbene Mutter Elisabeth verantwortlich, erzählt Helmut Döringer. Genauer gesagt deren Liebe zur Natur. Denn Karl und Elisabeth Döringer hatten 1954 eigentlich schon eine Bäckerei in der Neckarstadt-West übernommen. Aber dort, in der Bürgermeister-Fuchs-Straße, fehlte der gebürtigen Odenwälderin Elisabeth das Grün. Deshalb siedelten sie um in die Gartenstadt und eröffneten eine Bäckerei im Märker Querschlag - heute noch das Stammhaus.

Hinter dem Laden liegt die knapp 200 Quadratmeter große Backstube, die beiden Brüder haben sie nach der Übernahme neu gebaut. Gebacken wird nur hier, nicht in den Filialen. Die werden von der Gartenstadt aus dreimal am Tag beliefert.

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In Werner Döringers Backstube ist Zeit eine der wichtigsten Zutaten. Mit Roggenmehl und Wasser setzt er in einem mannshohen Metallbehälter den Sauerteig für das Tiroler Brot an, den Klassiker im Laden. Dann bekommt dieser Teig erstmal 18 Stunden Zeit. Zeit, in der sich Hefe und Säuren bilden können und in der der Teig aufgeht. Erst so erhalte das Brot seinen aromatischen Geschmack, ganz ohne Zusatzstoffe, erklärt der Bäcker. "Das ist ein Teig, wie man ihn früher gemacht hat."

Im vorderen Bereich der Backstube stehen die vier großen Öfen. Nachts um halb eins fangen hier die ersten der sieben Bäcker und drei Azubis mit der Arbeit an, um halb vier kommt der letzte. Jeweils zehn Sorten Brot, Brötchen und süße Teilchen backen sie, dazu drei Sorten Kuchen - unterm Strich 10 000 Brötchen, 1200 Brote und 1500 süße Teilchen täglich. Gelegentlich schaut auch noch der inzwischen 88 Jahre Karl Döringer vorbei, er wohnt ganz in der Nähe.

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Auch jetzt am Nachmittag ist in der Backstube Betrieb. Verkäuferin Gisela Diehl, eine freundliche Frau mit viel Temperament, zeigt den Fachverkäuferinnen-Azubis, wie sie Brötchen mit Käse, Remoulade, Ei und Gemüse so belegen, dass die Mischung stimmt.

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Eine Bäckerei zu betreiben, das ist ein schwieriges Geschäft in Zeiten, in denen jede Discounter-Filiale ihren eigenen Backautomaten hat. "Über den Preis können wir da nicht mithalten", sagt Helmut Döringer. Sein Bruder und er setzen deshalb darauf, dass Kunden speziell Brot und Brötchen ihrer Bäckerei haben wollen. "Manche kommen extra aus Lampertheim", sagt Helmut Döringer stolz. Auch mit seinen Filialen fährt er eine spezielle Strategie. "Wir gehen bewusst in Wohnlagen und nicht in die 1-A-Lagen. Wir wollen auch keine 250-Quadratmeter-Filialen mit Riesen-Café."

Ein Familienbetrieb eben. Dazu gehört auch, dass die Geschäfte sonntags zu sind. Der Sonntag gehöre der Freizeit, sagt Helmut Döringer. "Wir wollen uns und unseren Mitarbeitern nicht zumuten, da zu öffnen." Er weiß aber auch, dass es in Zukunft vielleicht irgendwann nicht mehr anders geht. Zukunft, ein gutes Stichwort - die scheint bei den Döringers gesichert. Helmuts 14-jähriger Sohn Lucas jedenfalls hat schon angekündigt, dass er auch Bäcker werden will.

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