Nord: SPD-Bundestagsmitglied Lothar Mark will die geplante ICE-Trasse mit Verbesserungen für die Anwohner verknüpfen "Ausbau nur mit Lärmschutz"

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Corinna Schmitt

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Die Eisenbahngleise spalten die Stadtteile Waldhof und Luzenberg genau in der Mitte, die geplante neue ICE-Trasse die Meinungen. Wie der Hochgeschwindigkeitszug die Region passiert, ist eines der wichtigsten Themen des Bundestagsabgeordneten Lothar Mark (SPD) und daher auch bei seinem Jahresauftaktgespräch Thema. Denn im Laufe dieses Jahres werden die Pläne konkret. Für Mark ist diese Bahnstrecke nur mit Lärmschutz für die Anwohner zu haben.

2017 sollen die ICE-Züge auf der neuen Trasse durch den Mannheimer Norden fahren. Der Streit über die Bypass-Lösung, die die Quadratestadt links liegen lassen würde, scheint beigelegt. Unter anderem Mark hat hart dagegen gekämpft. Ab September wird er dies nicht mehr als Bundestagsabgeordneter tun können. Die Legislaturperiode ist dann zu Ende, und Mark kandidiert nicht mehr. "Ich habe mir zum Ziel gesetzt, den Bypass zu verhindern, und ich werde auch danach noch dafür kämpfen", betont Lothar Mark. Er sagt es mit Nachdruck, schließlich habe er sich das Projekt auf die Fahnen geschrieben.

Rollen dann auch alle Güterzüge mitten durch Mannheim? "Nur die Züge aus Ludwigshafen, alle anderen kann die Bahn über die östliche Riedbahn führen", sagt Mark. Weil diese zwar zweigleisig angelegt, aber auf eine Spur geschrumpft sei, müsse die Strecke ausgebaut werden. "Dann muss die ganze Strecke mit ihren Brücken auch lärmgeschützt werden", verlangt er.

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"Die Güterzüge biegen ab Waldhof links, also nach Osten ab, und ab da muss es Lärmschutz geben." Er denkt dabei an "hocheffiziente und durchsichtige Lärmschutzwände", die den Anwohnern eine deutliche Verbesserung bringen sollen. "Die Bürger müssen die neue Strecke wollen, sie dürfen aber nicht die Leidtragenden sein", so Mark. Er glaubt, dass die Zukunftsfähigkeit der ganzen Region von der Trasse abhängt - und die Kurpfalz müsse weiter dafür kämpfen. "Mannheim muss ein Knotenpunkt sein für Züge aus allen Richtungen, die nach München, Basel, Paris oder nach Köln, Hamburg und Berlin wollen."

Sollte die bestehende Strecke zur Trasse für Hochgeschwindigkeitszüge werden, bestehe eine große Chance für eine Lärmvorsorge, erklärt Robert Staible, Lärm-Experte im Umwelt-Dezernat. Dann werde die Strecke wesentlich geändert, und der Lärmschutz gehöre dazu (maximal 49 Dezibel). "Die Bewohner im Glücksburger Weg haben es verdient, dass es leiser wird", sagt Stadtrat Roland Weiß (SPD).

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An der östlichen Riedbahn sieht es nach Einschätzung von Staible etwas anders aus. Dort werden die bestehenden zwei Gleise wieder "ertüchtigt" - daher komme eine Lärmsanierung in Betracht, sofern die Stadt dies finanziell tragen kann. Verpflichten könne man die Verwaltung dazu aber nicht. "Bei der Lärmsanierung liegt die Höchstgrenze außerdem bei 60 Dezibel", so Staible.

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Wie die ICEs nach Mannheim einfahren, soll laut Lothar Mark noch in diesem Jahr entschieden werden. Bis dahin will er die Planungsmittel des Bundes für die Bahn verhindern, denn das Verfahren sei zum jetzigen Zeitpunkt sinnlos. Nicht einmal die Querungslinie sei bislang festgelegt, also wie der Zug von Norden nach Mannheim einfährt. "Ich bin gespannt, was sie planfeststellen wollen, wenn noch so viele Probleme da sind."

Dass ihm die Südhessen vorwerfen, er wolle den Käfertaler beziehungsweise Viernheimer Wald zerschneiden, ärgert Mark. Tatsächlich bevorzugt er eine Trasse durchs Waldgebiet, die inzwischen sogar Mark-Variante heißt. Er stellt sich einen Tunnel vor, der entweder komplett unter der Erde verläuft oder zumindest auf halbem Niveau, sodass oben eine Wölbung bleibt, die bepflanzt werden kann. Letztere sei wesentlich günstiger und könne seiner Ansicht nach umweltfreundlich modelliert werden. "Es sind ohnehin Dünen da; diese Lösung zerstört den Charakter des Waldes nicht." Im Rheinauer Forst sei das über den Pfingstbergtunnel bereits ökologisch verträglich umgesetzt worden.