Seckenheim - Other Roads begeistern zweimal im Palü Spielfreude und musikalisches Können

Von 
Hartwig Trinkaus
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Die Palü-Macher und Other Roads (v.l.): Gregor Borland, Dave Walmisley, Andreas Hänssler, Pete Abbott und Jörg Knobloch. © trinkaus

Verbunden mit einem gemäßigten britischen Humor, werden ihre Konzerte zu einem Erlebnis: Die faszinierende schottisch-englisch-südafrikanische Band Other Roads schafft es seit elf Jahren, dass sich ihre Fangemeinde auf den Oktober im Palü-Keller freut. Dann nämlich bieten die drei Musiker, jeder für sich und natürlich zusammen, hervorragende zeitgenössische Folkmusik und vermitteln dabei eine mitreißende Spielfreude. Auch dieses Mal waren beide Konzertabende in Seckenheim ausverkauft.

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Diese Freude kommt nicht von ungefähr, denn die Vollblutmusiker Pete Abbott, Gregor Borland und Dave Walmisley wurden von Palü-Chef Andreas Hänssler als gute Freunde begrüßt. Tatsächlich räumten die drei Musiker mehrfach ein, dass sie sich in Seckenheim sehr wohlfühlen – wie sie auch singen: „…es gibt keinen besseren Platz, den du finden kannst“. Und das Lob nahm das Publikum gerne an, klatschte und sang mit.

Die drei Musiker, deren Professionalität außer Frage steht, schreiben eigene Stücke und fordern von sich selbst den virtuosen Umgang mit ihren Instrumenten. Trotz jahrelanger Bühnenerfahrung ist keine gespielte Fröhlichkeit festzustellen, vielmehr fühlen sie sich hier zuhause, haben echt Spaß. Handfest mit Herz und Humor agiert das Trio auf der Bühne, und Seckenheim begegnet ihm mit großer Sympathie, nicht nur weil sie den dynamischen Gitarren-Hit „Seckenheim“ geschrieben haben, der natürlich als Zugabe nicht fehlen durfte.

Davor aber nahmen die Musiker ihre Gäste mit auf eine musikalische Reise in die raue und zugleich romantische Welt Irlands und der Highlands. Als frühere Begleitband des auch in Seckenheim unvergessenen John Wright verstanden es die Saitenvirtuosen, schwungvolle Passagen mit Balladen, Gesang mit Instrumentaltiteln, die diesmal etwas mehr zur Geltung kamen, alternieren zu lassen. Applaus, der sich bei engagierten Solopartien auch in den Vortrag einmischte, gab es reichlich. Das galt für neu präsentierte Titel wie „The Dutchman“ oder für Lieder der neuen CD „Photographs“, wobei hier Sänger und Gitarrist Pete Abbott auch in seine Jugend zurückblickte, mit Humor und nicht zu verbergender Wehmut. Wehmut bewegte auch Dave Walmisley (diverse Gitarren, Gesang), als er den Blumengarten seiner Mutter im ehemaligen Rhodesien (heute Simbabwe), wo er aufgewachsen ist, in dem Titel „Rosemarys Garden“ besang.

Gebet für den Frieden

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Nachdem die Band festgestellt hatte, dass es im Saal weder Fans von Donald Trump noch von Boris Johnson gibt, widmete sie dem Weltfrieden ein ernst gemeintes Gebet in Liedform. Auch dafür war das Palü-Publikum zugänglich. Gregor Borland (Geige, Bass, Gesang) war es, der es mit seiner „Fiddle“ immer wieder verstand, den Palü-Keller in Schwingung zu versetzen. Denn dieser Abend zeigte einen Wechsel von sanften und temperamentvollen Passagen, ja die Musik von Other Roads kennt viele Farben, nutzt aber auch bewährte Wege, mit dem überzeugenden „Fishermans knife“ etwa, dem glänzenden „Thats the way oft he world“ oder dem dreistimmigen „Greenlight“.

Dass am Ende neben „Seckenheim“ die Zugaben „Family“ und „London road“ nicht fehlen durften, entsprach nicht nur dem Wunsch von Andreas Hänssler. Mit einem Füllhorn wunderbarer Melodien, die meisten davon hat Dave Walmisley geschrieben, begeisterten die Musiker einmal mehr ihr Seckenheimer Publikum mit einer Mischung aus Lebensfreude und nachdenklichen Momenten. Bravo, Other Roads!

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