Seckenheim/Löhrbach - Der ehemalige französische Außenminister Robert Schuman war Namensgeber für die Ferien- und Wochenendunterkunft im Odenwald Ein Haus als kulturelle Begegnungsstätte

Von 
Hartwig Trinkaus
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Besucherstätte für Gäste aus Frankreich: Das in Löhrbach gelegene Robert-Schuman-Haus war zu Ferienzeiten und am Wochenende immer voll belegt. © Hartwig Trinkaus

Ein Stück Geschichte im Odenwald: Das ehemalige Seckenheimer Jugendhaus in Löhrbach war nicht nur eine Begegnungsstätte für Jugendliche, sondern auch ein kultureller Treffpunkt für Deutsche und Franzosen. Denn das Haus trug den Namen des ehemaligen französischen Außenministers Robert Schuman.

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Vor 70 Jahren, am 9. Mai 1950, legte Schuman den Grundstein für die europäische Einigung nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Mit seiner Idee zur Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich setzte Schuman auf Gemeinschaft statt Nationalismus.

Das Jubiläum der Schuman-Erklärung soll nicht in Vergessenheit geraten. Die Erklärung war eine Sternstunde der Humanität und Weitsicht. Die Kernbotschaft hat bis heute nicht an Bedeutung verloren, weil sie Europa zu einem großen Friedensprojekt machte, sagt Dieter Schornick, Vorsitzender der Europa-Union Aschaffenburg. „Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen ... es wird durch konkrete Tatsachen entstehen“, sagte Schuman damals in seiner Rede.

Schumans Streben nach Annäherung zwischen Deutschen und Franzosen war Anlass der Zusammenarbeit zwischen der Seckenheimer Pfarrei St. Aegidius und der damaligen Kirchengemeinde Notre Dame d’ Esperance in Paris. „Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen“, so Schuman damals. Als die St. Aegidiusgemeinde am 6. Juli 1964 das Jugendhaus im 500 Meter hohen Odenwald, nahe Ober-Abtsteinach einweihte, da wählte man für dieses Haus keinen Heiligen-Namen, sondern nannte es bewusst „Robert-Schuman-Haus“. Nach seiner Eröffnung bezogen 30 Kinder aus Paris das Haus. Es folgten viele Kinder- und Jugendgruppen aus Paris, die dort ihre Ferien verbrachten, und Kontakte zu Seckenheim knüpften, die teilweise noch heute bestehen.

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Unter Mannheims späterem Dekan, Pfarrer Franz Völker, war das Haus mit einfachen Mitteln und viel Eigenarbeit erbaut worden, bot in zwei Schlafsälen und wenigen Zimmern rund 50 Betten. Das Haus war in der Schulzeit jedes Wochenende und in allen Ferien belegt. Neben der Jugend war auch Raum für Altentage und Seniorenerholung, Vereine und Organisationen aller Konfessionen kamen dorthin. Mehrere tausend Gäste beherbergte das Robert-Schuman-Haus im Laufe seines rund 25-jährigen Bestehens.

1990 geschlossen

Dann aber wurde das am Hang gebaute, einst weitab von jeder Wohnbebauung errichtete Haus mehr und mehr durchfeuchtet und von exklusiver Wohnbebauung eingeholt. So musste das Seckenheimer Ferienheim 1990 ersatzlos aufgegeben werden und auch dessen Name, einst wichtiges Statement, geriet fast ganz in Vergessenheit.

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