Seckenheim - Andreas Hänssler spricht über die Situation der Kleinkunstbühne Palü / Auftritte werden verschoben / Probleme der Gastronomie in Corona-Zeiten „Caterern geht es richtig an die Substanz“

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Stephanie Kuntermann
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Michael Krebs bei einem früheren Palü-Gastspiel – im April 2015. © Marcus Schwetasch

„Die Situation der Künstler ist dramatisch“, sagt Andreas Hänssler und meint die Lage, in die viele Freischaffende in Zeiten der Corona-Krise gekommen sind: Keine Auftritte mehr, keine Gagen, Engagements brechen komplett weg.

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Auch in der Seckenheimer Kleinkunstbühne Palü ist der Saal seit Beginn der Corona-Verordnungen verwaist, es herrscht Stillstand, und Hänssler hat mehrere Auftritte bereits verschoben. „Artgerechte Spaltung“ heißt das Programm, mit dem Michael Feindler Ende März hätte gastieren sollen – es wurde verlegt auf Freitag, 26. Juni. Aktuell pausiere der Künstler, kümmere sich um seine Familie und arbeite an einem neuen Programm, sagt Hänssler, der den Kabarettisten bei der Freiburger Kulturbörse kennenlernte und dem Palü-Publikum dessen feinsinnigen Humor nahebringen will.

„Wir haben gerade mal sechs Karten zurückbekommen, alle anderen Zuschauer sind uns treu geblieben“, freut sich der Seckenheimer; er ist dankbar um dieses Glück, das dieser Tage längst nicht alle Veranstalter haben. Kein einziger Rücklauf kam nach der Verlegung eines weiteren Abends: „Unerhört Beethoven“ von Michael Sens wird nun nicht mehr im Beethoven-Jahr stattfinden, sondern am 12. Februar nachgeholt.

Kreative Ideen

Und dann ist da noch Stephan Bauer: „Vor der Ehe wollt’ ich ewig leben“, heißt die unernste Auseinandersetzung des Comedians mit dem Alltag in der Paarbeziehung, die am 22. Mai über die Palü-Bühne gehen soll – und aktuell weder abgesagt noch vertagt wurde. Doch er sei „ziemlich sicher, dass wir das verschieben werden“, bemerkt Hänssler: „Selbst wenn der Abend freigegeben würde, wer weiß, welche Regeln dann gelten.“

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Eine stimmungsvolle Atmosphäre mit Mundschutz für Publikum und Künstler kann er sich nicht wirklich vorstellen. Letztlich sei das aber alles nicht so schlimm, bemerkt der Palü-Chef, der zusammen mit seinen Söhnen Sebastian und Rolf hinter dem Programm steht. Ganz hart treffe es nämlich die Gastronomen.

Schlimm sei es für die Caterer im Badischen Hof, zu dem das Palü gehört: „Sie haben 100 Prozent Absagen bis Ende August.“ Also genau für die Zeit, in der große Festgesellschaften, etwa für Brautpaare, Jubiläen oder Geburtstage, Hochkonjunktur haben. Oder auch Messen: Die Köche des Badischen Hofs servieren bei Großereignissen wie der Gamescom täglich schon mal 500 Mahlzeiten. Nun fehlten den Veranstaltern schätzungsweise 30 Prozent ihrer jährlichen Einnahmen: „Das geht denen richtig an die Substanz.“

Nicht in Vergessenheit geraten

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Mit kreativen Ideen versuchen die Wirtsleute, neue Einnahmequellen zu erschließen: So kann man dort mittlerweile warmes Essen zum Fertigkochen bestellen. Außerdem, so Hänssler, werde gerade darüber nachgedacht, die Mahlzeiten in umweltfreundlichen Weckgläsern anzubieten.

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Für die Künstler gehe es dagegen darum, nicht in Vergessenheit zu geraten: „Und das kann schon mal schnell gehen, man sieht viele kommen und gehen, auch Leute, die durchaus gut waren.“ Deshalb gebe etwa Michael Krebs, Komponist des „Stubenkoller-Videos“ und ebenfalls Palü-Gast, jeden Sonntag um 15 Uhr ein Wohnzimmerkonzert, das in sozialen Medien bekannt gemacht werde. Autor und Mundartdichter Bernd Kohlhepp ist dagegen als schwäbelnder „Herr Hämmerle“ mit seinen täglichen Quarantäne-Bulletins aus dem Wohnwagen zu hören.

Auf der Seckenheimer Bühne war der eigenwillige Schwabe zu deren zehnjährigem Bestehen zu Gast, und Hänssler erinnert sich: „Er hat an fünf verschiedenen Abenden fünf verschiedene Programme gespielt, das war einfach phänomenal.“ Nun hofft er, dass bald wieder Normalität einkehrt – und das Palü dann auch seinen Betrieb wieder aufnehmen kann.