Oststadt/Schwetzingerstadt: Theater-AG des Liselotte-Gymnasiums zeigt "Nibelungen im Kreidestaub" Niemals auf Typen wie Gunther reinfallen

Lesedauer: 

Barbara Klauß

AdUnit urban-intext1

"Manchmal ist es schon ein bisschen eklig", sagt Lisa Davydenko, Schülerin der 6. Klasse und elf Jahre alt. "Aber wir haben viele Witze eingebaut, dann geht es." Wie Mädchen sich die blutigen "alten maeren" der Nibelungen vorstellen, zeigte die Theater-AG der 6. bis 9. Klassen des Liselotte-Gymnasiums.

"Die Nibelungen im Kreidestaub" hieß das Stück, das die Schülerinnen mit ihren Lehrern Holger Andreas und Faina Rüber zum Teil selbst geschrieben hatten. Den Rahmen der Handlung bilden Schülerinnen eines Mädcheninternats, die die Nibelungensage aufführen sollen. Zunächst können sie mit dem Heldenepos rund um Siegfried und den Burgundenkönig Gunther nicht viel anfangen. Aber sie lassen sich immer mehr auf die Geschichte ein. "Der Text war am Anfang langweiliger, mit alten Wörtern, die man nicht gewohnt ist auszusprechen", sagt Helin Güler, die den Siegfried spielt.

Mit vielen schönen Einfällen zeigten die Schülerinnen, wie sie sich die alte Geschichte vorstellen. Aus dem Kampf Siegfrieds mit dem Drachen machten sie einen Boxkampf. Der strahlende Held wird zum coolen Typen in Lederjacke. Er wirbt um die schöne Kriemhild, gespielt von Emily Petzoldt, die unter dem Schutz ihrer Brüder Gunther, Gernot und Giselher steht. "Ich mache die Burschen kalt und nehme mir die Jungfrau mit Gewalt", rappt Helin als Siegfried.

AdUnit urban-intext2

Auch mit der Rolle der Frauen in der Sage setzten sich die Mädchen auseinander: Als Schülerinnen diskutierten sie die Szene, in der König Gunther (Anne Sander) die eigentlich unbesiegbare Brunhild (Ina Widmann) mit Siegfrieds Hilfe und List bezwingt. "Da kommt mal eine starke Frau vor, gleich wird sie wieder gebändigt", sagte eine von ihnen. Siegfried wird den Gefolgsleuten von Gunther zu mächtig und Hagen (Alexandra Piechatzek) ermordet ihn hinterrücks. Ein Happy End gebe es in dieser Geschichte nicht, erklärte Lehrer Fahrsang, gespielt von Lucy Henze, der auch sonst durch die Geschichte führte:. "Was jetzt kommt, ist nur noch Mord und Totschlag." "Dann lernen wir Modelle, wie man Konflikte austrägt", antwortete eine der Schülerinnen.

Als Siegfrieds Witwe Kriemhild, erfüllt von Trauer und Hass, ihre Brüder und deren Gefolgsleute niedermetzeln lässt, sitzen die Schülerinnen vorne am Bühnenrand und kommentieren das Geschehen: "Ehre und Mut, das sind doch alles Vorwände für Rache und Habgier. Männerspiele", sagt eine von ihnen. Was haben die Mädchen sonst noch aus dieser Geschichte gelernt? "Fallt nie auf einen Typen wie Gunther rein".