Rheinau - Bauarbeiten auf dem Marktplatz gehen in die nächste Runde / Riesige Zisterne sorgt bei den Bürgern für Spekulationen Weder ein Bunker noch ein „Pershing II-Raketensilo“

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Konstantin Groß
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Auf dem Rheinauer Marktplatz konzentrieren sich die Arbeiten derzeit auf die Zerkleinerung und Entsorgung der riesigen Zisterne unter einem Zeltdach. © Dieter Reuss

Die Arbeiten zur Umgestaltung des Rheinauer Marktplatzes, die im Herbst vergangenen Jahres begonnen haben, gehen weiter. Derzeit sind sie sogar ein wahrer Publikumsmagnet: Denn ein 20 Meter langes Objekt aus Metall sorgt für Aufsehen und zum Teil für heftige Spekulationen. Doch das Ding ist harmlos: Es handelt sich um eine Zisterne.

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Nach einer jahreszeitlich bedingten Pause zwischen den Jahren ging es mit den Arbeiten im Januar zügig weiter. Der Brunnen, der seit dem Jahre 1982 hier stand, wurde abgebaut und lagert derzeit auf dem städtischen Bauhof, um auch nach der Neugestaltung des Platzes im Rahmen der geplanten Wasserspiele wieder Verwendung zu finden.

Ungetüm aus zwei Gewölben

Als der Brunnen entfernt war, wurde jedoch ein anderes Ungetüm sichtbar: ein Metallbehälter, 20 Meter lang, zwölf Meter breit, mit einem Fassungsvermögen von 270 Kubikmetern. Allein die schiere Größe, aber auch die Gestalt in Form zweier miteinander verbundener Gewölbe, sorgten bei vielen Bürgern für Aufregung. Mehrere Leser wandten sich an den „MM“, um dazu Fragen und auch Sorgen anzubringen.

„Interessant, was da zum Vorschein kommt“, schreibt etwa Ernst Ronald Weber der Redaktion: „Anfangs dachte ich an eine Kanalisation. Aber wenn ich die Form und Größe, dazu noch die Dicke des Betons sehe, wirkt es eher wie ein Bunker.“

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Christof Grall nimmt es eher mit Humor: „Bei den Grabungsarbeiten sind zwei Pershing-II-Raketensilos zum Vorschein gekommen“, witzelt er, um dann zu Recht sehr im Ernst fortzufahren: „Bei all diesen Verschwörungstheorien sollte man etwaigen Missverständnissen vielleicht zeitnah entgegentreten“, ermuntert er den „MM“, der Sache auf den Grund zu gehen.

Das hat der „MM“ getan und erhielt die Auskunft: Es ist schlicht und einfach eine Zisterne: „Sie wurde nach den uns vorliegenden Planunterlagen in den 1950er Jahren des letzten Jahrhunderts als Reservoir für Löschwasser gebaut“, erläutert Kevin Ittemann, Sprecher des zuständigen Dezernates der Stadt.

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Und in der Tat können sich Zeitzeugen von damals erinnern, dass das Ding schon Probleme machte, als der Brunnen 1982 gebaut wurde. Daher wurde es im Boden belassen und der Brunnen versetzt errichtet. „Nach Auskunft der Feuerwehr wurde die Zisterne seit vielen Jahren nicht mehr genutzt und ist für eine weitere Nutzung nicht vorgesehen.“

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Ursprünglich war geplant, das Ungetüm weiter an Ort und Stelle zu belassen. „Es wurde aber bei der Freilegung festgestellt, dass die Außenwand der Zisterne mit asbesthaltigem Dichtmaterial beschichtet ist“, so Ittemann. „Eine Gefährdung für die Bevölkerung und für die unmittelbaren Anlieger besteht nicht“, versichert der Stadt-Sprecher.

Entfernung unter Schutzzelt

Gleichwohl muss diese Abdichtung natürlich nun entfernt und entsorgt werden – „mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen“, wie Ittemann betont. Zu diesem Zweck ist über der Zisterne auch eine provisorische Abdeckung errichtet. „Vielleicht schon das Festzelt für das nächste Stadtteilfest?“, witzelt angesichts dessen Anwohner Dieter Reuss, als langjähriger Senatspräsident der „Sandhase“ Fest-erfahren, unter Anspielung auf die beliebte Großveranstaltung, die jeweils im Juli auf dem Marktplatz stattfindet.

Doch das nächste Stadtteilfest wird hier frühestens im Sommer 2022 gefeiert werden können. „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahme bis November 2021 abgeschlossen werden kann“, teilt die Stadt mit.

Dann werden auch die anliegenden Geschäfte die sprichwörtlichen drei Kreuze machen. Denn für sie hat das neue Jahr eine zusätzliche Einschränkung gebracht: Die Baustelle ist in Schwabenheimer Straße am Abschnitt Marktplatz in der östliche n Hälfte bis an den Fußgängerweg herangerückt. Dieses Stück kann also nicht mehr befahren oder zum Parken genutzt werden.

„Die Sperrung des Marktplatzes und der Parkmöglichkeiten während der Bauzeit wurde bereits während der Planungsphase kommuniziert“, sagt der Stadtsprecher: „Die Zugänglichkeit ist dauerhaft gewährleistet“, betont er: „Derzeit wird stadtintern geprüft, ob im unmittelbaren Umgebungsbereich zusätzlich Parkflächen während der Bauzeit angemietet werden können. Wir stehen in Kontakt zur Metzgerei Hertel“, versichert Ittemann.

Für die geht das an die Substanz: „Die Baufirma hat am Freitagmorgen, 22. Januar, zugemacht, das haben wir ab diesem Zeitpunkt auch direkt geschäftlich hart zu spüren bekommen“, berichtet Martin Hertel und fügt in Anspielung auf diese Baustelle und Corona hinzu: „Zwei Sensenmänner gleichzeitig sind einfach einer zuviel“ (über diesen Aspekt der Baustelle werden wir noch separat ausführlich berichten).

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