Süd/Rheinau - Schlosserei Dresel feiert 75-jähriges Bestehen Firmentradition lebt weiter

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Konstantin Groß
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Einer der ältesten Handwerksbetriebe im Stadtteil Rheinau, ja im Mannheimer Süden insgesamt, erfährt in diesen Wochen gleich in doppelter Weise einen Einschnitt in seiner traditionsreichen Geschichte: Zum einen hat er gerade sein 75. Jubiläum hinter sich, zum anderen seit dem Jahreswechsel einen neuen Besitzer.

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Ins Leben gerufen wird die Firma im Jahre 1945. Ihren Gründer Max Dresel, ursprünglich aus dem Raum Baden-Baden/Rastatt stammend, verschlägt es während des Zweiten Weltkrieges nach Mannheim; hier arbeitet er als Schlosser bei der Firma Ketten-Braun im Rheinauhafen. Dann, nach Kriegsende, will auch er neu beginnen und macht sich selbstständig, mit einem Betrieb in Rheinau-Süd, Münchwälder Straße 21.

Firmenchefs: Hermann Dresel († 2014), Manuel Mühlbauer. © Konstantin Groß

Ein zentrales Betätigungsfeld der Firma besteht damals noch im Brunnenbau. „Viele Leute hatten nach dem Krieg kein fließendes Wasser und waren auf Brunnen angewiesen“, erinnert sich Thea Dresel, die Schwiegertochter des Firmengründers, im Gespräch mit dem „MM“.

Sohn des Gründers übernimmt

Der Betrieb floriert, kann Personal gebrauchen, doch Max Dresel hat ein Problem: Er verfügt über keinen Meisterbrief, darf also keine Lehrlinge ausbilden. Durch Zufall lernt er den bei der BASF beschäftigten Schmied Karl Scheufler kennen, der einen Meisterbrief besitzt. Die Firma wird zu Dresel & Scheufler und kann nun Lehrlinge ausbilden.

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1965 ist das Problem endgültig gelöst. Max Dresels Sohn Hermann übernimmt im Alter von 30 Jahren den Betrieb, und er verfügt seit dem 26. Juni 1959 über einen Meisterbrief. Die Firma kann nun wieder „Schlosserei Dresel“ heißen und expandieren; 1969 wechselt sie auf die andere Seite der Münchwälder Straße, auf das Grundstück Nr. 36.

Nach 30 Jahren Betriebsführung geht Hermann Dresel im 60. Lebensjahr 1995 in den wohlverdienten Ruhestand, in dem er sich vor allem seiner Passion, der Musik, widmet; so bleibt er in der Bläsergruppe Rheinau-Süd aktiv. Er stirbt am 14. November 2014 im Alter von 78 Jahren.

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Seine Nachfolge im Betrieb hat er früh geregelt. Da sein Sohn Thomas, im Rheinauer Vereinsleben durch sein Engagement bei der Rudergesellschaft ebenfalls bekannt, sich beruflich anders orientiert und als Polizeibeamter tätig ist, übernimmt 1996 Jürgen Seitz den Betrieb, einer der Meister, die aus ihm hervorgehen. Seitz erweitert den Tätigkeitsbereich auf Treppen, Überdachungen, Geländer und Einfriedungen.

Manuel Mühlbauer neuer Chef

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Doch nach 25 Jahren ist es auch für ihn Zeit, in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Zum 1. Januar 2021 übergibt er die Leitung an Manuel Mühlbauer, der seit April vergangenen Jahres im Betrieb tätig ist. Der 36-jährige Familienvater von zwei Kindern, der einen Meisterbrief als Feinwerkmechaniker und Maschinenbau-Ingenieur sein eigen nenen kann, ist zuvor viele Jahre als Technikleiter bei der Firma Friatec in Friedrichsfeld tätig, mit Verantwortung für bis zu 100 Mitarbeiter.

Was reizt ihn, diese sichere Stelle gegen die Selbstständigkeit zu tauschen? „Irgendwie hatte ich das schon immer im Hinterkopf“, bekennt er: „Es ist der Reiz, selbstbestimmt arbeiten zu können.“ Als Angestellter sei man eben auf Entscheidungen anderer angewiesen, um seine Ideen umsetzen zu können.

Unterstützt wird er von der Frau von Jürgen Seitz, die wie bisher das Büro leitet. Betrieblich will er auch neue Wege beschreiten, vermehrt den Bereich Metallverarbeitung angehen und dabei auch Service anbieten. „Viele Hersteller im Metallbereich bieten das nicht mehr an.“

Gerne hätte er den traditionsreichen Firmennamen Dresel behalten. „Doch laut Handwerkskammer ist das leider nicht möglich“, bedauert er: „Die Firmenfahrzeuge müssen jetzt umgespritzt werden.“ Den Auftrag vergibt er – ortsverbunden, wie er ist – an eine Rheinauer Firma.

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