Neckarstadt-Ost - Grundschüler der Uhlandschule lesen Senioren im Caritas-Haus Maria Frieden vor und tauschen sich aus Mit Geschichten und Respekt Brücken bauen

Von 
Sylvia Osthues
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Alt und Jung lernen voneinander: Hinter der Gesprächsrunde stehen (v.l.) die Erzieherinnen Yvonne Furchner, Theresa Rütermann und Marielle Schürle. © Osthues

Geschichten bauen Brücken – das sind Begegnungen zwischen Generationen, bei denen es um Austausch und Lesefreude geht. Seit März 2019 initiiert Lehrerin Theresa Rütermann Treffen zwischen Grundschülern der Uhlandschule und Senioren im Haus der Caritas Maria Frieden. Die bisherigen Erfolge – unter anderem eine gestiegene Lesemotivation und Sozialkompetenz bei den Kindern – haben dazu geführt, dass das generationsübergreifende Engagement-Projekt auch in den kommenden Schuljahren weitergeführt und stadtweit ausgebaut werden soll.

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„Ich kann!“ zeigt als Modellprojekt wie man regionale Netzwerke intergenerativen Austauschs schaffen und schon Kinder im Grundschulalter an bürgerschaftliches Engagement heranführen kann. „Die Kooperation zwischen der Uhland-Grundschule und dem Pflegezentrum Maria Frieden hat sich zum Ziel gesetzt demokratiefördernde und politische Bildung im Grundschulbereich zu stärken“, erklärte Rütermann. Dazu gehöre der aufklärende bewusste und sensible Umgang, das Eintreten für Partnerschaft und Solidarität sowie die Förderung von Empathie, Respekt, Achtung und Toleranz. Vor dem Start des Projekts erfolgte eine umfassende Vorbereitung der Schüler im Deutschunterricht durch Stimm- und Präsenztraining mit einer Schauspielerin und üben lauten Lesens. Ergänzend dazu wurden im Sachunterricht Interviewtechniken erprobt.

Besseres Kennenlernen

„Das Vorlesen im Seniorenheim ist etwas ganz anderes als in der Schule, weil die Kinder merken, dass ihnen die alten Leute wirklich zuhören, dass sie ihnen wirklich was geben können“, so die Pädagogin. Dadurch sei nicht zuletzt auch das Selbstbewusstsein der Kinder gewachsen. Unter dem Motto „Ich kann!“ kommen regelmäßig vier bis fünf Kinder der 3. Klasse in das Seniorenheim in der Max-Josef-Straße, um den Senioren vorzulesen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie besser kennenzulernen.

Für die Senioren ist das eine sehr erfrischende Abwechslung im Alltag. Für die Kinder ist es indes die Möglichkeit, mit einer Generation in Kontakt zu kommen, mit der sie in der Regel nicht täglich zu tun haben. Außerdem wollten Mira, Hatice und Miroslaw „den alten Menschen eine Freude bereiten“. Johanna, Bela und Jan waren schon zum wiederholten Mal dabei und freuten sich auf ein Wiedersehen. Jeder Schüler las ein bis zwei kurze Abschnitte der „wirklich traurigen Geschichte vom klugen Schwein“ vor. Wie ihnen die Geschichte gefallen hat und ob sie Schweine mögen, fragten die Schüler die einzelnen Senioren zu den Texten, die sie vorgelesen haben. So ergaben sich individuelle Kontakte.

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Außerdem wollten die Schüler von den Senioren wissen, was sie früher in der Schule gemacht haben. „Früher war alles ein bisschen strenger und die Schrift war anders als heute“, erzählte Ruth Kroll (84). „Außerdem wurden Jungen und Mädchen noch getrennt unterrichtet“, berichtete Hugo Jandel (87). „Ich freue mich jedes Mal, wenn die Kinder kommen. Vor allem das Gespräch gefällt mir sehr“, sagt Sophie Wagner (95). Und Gundula Libbach (94) fand: „Kinder um sich zu haben, das ist besonders schön. Und dass sich die Kinder mit uns alten Leuten beschäftigen, das finde ich toll.“

Heimleiterin Mariella Schürle zeigt sich am Ende sehr zufrieden mit der Kooperation. „Hier begegnen sich Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenssituationen und profitieren voneinander.“

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