Süd/Neckarau - Matthäus-Chor versucht, möglichst kreativ mit der Corona-Krise umzugehen Ein Lied, das Mut machen soll

Von 
Katja Geiler
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Eine Zoom-Konferez des Matthäus-Chors Neckarau. © Katja Geiler

Der Chor der evangelischen Matthäusgemeinde „Sing around the Church“ hat eigentlich seinen festen Einsatzplan für das Kirchenjahr und gestaltet die Gottesdienste an Karfreitag, Advent und Weihnachten, hinzu kommen das Gemeindefest und besonderen Gelegenheiten. Aber auch im Pflegeheim hat der Chor hin und wieder einen Auftritt. Doch 2020 machte alles zunichte, zu Beginn konnten nicht einmal Proben stattfinden. Nichtsdestotrotz sind die Chormitglieder entschlossen, die Krise mit möglichst kreativen Ideen zu meistern.

Stimmen einzeln aufgenommen

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Schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr hatte Chorleiterin Corinna Schreieck eine Idee. Sie nahm die verschiedenen Stimmen auf Audio-Datei auf, so dass jeder daheim für sich proben konnte. Danach gab es gemeinsame Zoom-Proben, bei denen das typische Bild aus Corona-Zeiten entstand: Eine Person sitzt vor dem Bildschirm, auf dem die anderen zugeschaltet sind.

Im Sommer gingen die Corona-Zahlen zurück, so dass der Chor sich wieder treffen konnte. „Im September haben wir im Freien geprobt, dann in der Kirche mit Abstand“, blickt Chormitglied Heike Müller zurück. Als die Zahlen jedoch wieder stiegen, wurde alles abgesagt. Danach hieß es erneut: Zoomen und Singen.

„Zoom hat Nachteile, man kann nicht aufeinander hören und nicht am Klang arbeiten, doch es ist tausendmal besser als nichts“, meint Schreieck, die eine weitere Idee hatte: „Ich musste einen Song komponieren, der Mut macht. Da war ein Funke in mir, dass ich das einfach tun muss.“ Gesagt, getan, und so entstand der Song „Gemeinsam stark“. Aufgenommen und produziert wurde er von Liedermacher Lothar Antoni, der, wie Schreieck, aus der Südpfalz kommt.

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Die Sängerinnen und Sänger im Video stammen etwa zur Hälfte vom Matthäuschor und von den Sound Harmonists Heidelberg, einem Chor, den Schreieck ebenfalls leitet. Auch drei Kinder aus dem Chor ihres Sohnes in Großfischlingen machten mit. Antoni selbst sang im Bass mit und fügte noch ein Gitarren- und Trompetensolo mit ein, das Ergebnis wirkt sehr professionell. Außerdem fällt beim Zuhören nicht auf, dass jede Stimme einzeln eingesungen wurde, denn der Klang ist einwandfrei. Nicht nur der Text macht Mut, das ganze Video, zu sehen auf YouTube, hellt die Corona-Zeit auf.

Die Optik der Zoom-Konferenz, die Sängerinnen und Sänger mit Kopfhörer oder Knopf im Ohr, ist ins Video mit eingeflossen. Jeder musste sich daheim mit der Technik auseinandersetzen und ein Selfie-Video drehen, diese wurden zusammengeschnitten. Außerdem soll das Video eine Einladung an andere Chöre sein, es nachzusingen, Noten gibt es über Lothar Antoni.

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„Es war ungewohnt, aber es hat Spaß gemacht. Der Chor fehlt uns, ganz ohne Chor und ohne Musik geht es nicht, daher war das Projekt eine willkommene Angelegenheit“, meint Heike Müller. Der Mitgliederzahl des Matthäuschors hat die Corona-Krise übrigens nicht geschadet, im Gegenteil, in der Online-Phase kamen drei neue Sängerinnen hinzu. „Corona ist ein Scheideweg für Chöre, entweder sie geben auf, oder sie erstarken“, so Schreieck. „Wenn mir Anfang 2020 jemand gesagt hätte, dass wir bald Online-Chorproben abhalten – ich hätte es nicht geglaubt.“

Freie Autorin Ich arbeite hauptsächlich für die Redaktion Ludwigshafen, bin aber auch zwischendurch in Mannheim unterwegs. Am liebsten schreibe ich über kulturelle Events wie Lesungen, Theaterstücke oder Konzerte. Auch wenn es um Tiere geht, bin ich gerne mit dabei, ich habe einen Hund und einen Hasen. Außerdem bin ich ein großer Sixties-Fan und führe auf Instagram einen Vintage-Blog unter miss_marble_arch.