Serie „Fasnacht fällt aus“ (2) - „Stroseridder“ machen sich Sorgen um ihre Aufbauarbeit / „Schlappmäuler“-Training fällt aus Die Brassband verstummt

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Peter W. Ragge
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Die Brassband der Stroseridder, hier beim Rheinauer Stadtteilfest 2019. © Konstantin Groß

War alles vergeblich? Die „Stroseridder“ machen sich Sorgen um ihre erst im Mai 2017 formierte Brassband. „Wir befürchten, dass wir nach der Pandemie wieder ganz von vorne anfangen müssen“, seufzt Vorstandsmitglied Stefanie Schäfer, denn der Verein ist wegen des Coronavirus seit März „komplett im Lockdown“, berichtet Schäfer.

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Die meiste Zeit hätten weder Treffen noch Trainingseinheiten stattfinden können. „Wir durften Mitte Oktober das erste Mal die Räume für Proben und Training – unter strengen Hygienevorschriften – benutzen. Das ging aber leider nur zwei oder drei Wochen, da dann der erneute Lockdown kam und wir wieder alles einstellen mussten“, erzählt Stefanie Schäfer.

Onlineproben für die Brassband seien leider nicht möglich, da Trompeten, Schlagwerk oder Sousafon zum Proben in Mietwohnungen nicht geduldet würden. „Außerdem ist es für die Brassband genauso wie für Garden wichtig, im Team zu proben, um sich gegenseitig Hilfestellung geben zu können“, sagt sie.

Dennoch seien die Mitglieder treu: Austritte gebe es keine. „Leider wissen wir aber nicht, wie lange diese Pandemie uns noch in Atem hält“, so Stefanie Schäfer. Man hoffe, dass nicht „die Kinder und ihre Eltern in der Pandemiezeit andere Interessen zu schätzen gelernt und die Lust an der Fasnacht dadurch verloren haben“, formuliert sie eine Befürchtung, die viele Vereine teilen.

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Auch wirtschaftlich sei es für den 1962 von Taxifahrern gegründeten Verein „sehr, sehr schwer, denn wir leben derzeit nur von den Mitgliedsbeiträgen, andere Einnahmen haben wir nicht und Kosten laufen weiter“, erklärt sie. Daher gebe es weder Jahresorden noch Jahresheft. „Wir hoffen, dass wir bald wieder unsere über alles geliebte Fasnacht feiern können“, so Stefanie Schäfer.

Einnahmen fehlen

Kein Orden, kein Jahresheft – so haben auch die Neckarstädter „Schlappmäuler“ reagiert. „Corona hat alles im Griff – wir sind komplett im Lockdown“, sagt Horst Lederer, Vorsitzender und Präsident des 1978 von Mitarbeitern der Justizvollzugsanstalt initiierten Karnevalsvereins. Training für Frauenballett, Männerballett und Garde fällt aus. „Zum einen wäre die Abstandsregel nicht einzuhalten, und zum anderen ist Sport mit einer Maske nicht unbedingt angenehm“, meint Lederer.

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Der Verein habe daher schon früh die Kampagne komplett abgesagt. „Es war abzusehen, dass sich die Lage nicht entspannen wird“, so Lederer. Selbst wenn sie erlaubt gewesen wären, hätten Veranstaltungen unter Hygieneregeln keinen Sinn gemacht: „Erstens ein Verlustgeschäft und zweitens würde im Saal keine Stimmung aufkommen, das wäre weder für die Gäste noch für die Auftretenden ein schönes Gefühl“, erklärt der „Schlappmäuler“-Chef.

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Glücklicherweise hielten alle Mitglieder dem Verein die Treue. Da auch Einnahmen, etwa durch die Beteiligung am Stadtteilfest im Herzogenriedpark oder am Weihnachtsmarkt in der Gartenanlage Herzogenried, weggefallen seien, äußert sich Lederer dankbar über die Zusage der Stadt, einen Zuschuss zu leisten, und die Ankündigung der GEMA, der Gebühren zu reduzieren. So würden die „Schlappmäuler“ dieses Jahr „relativ glimpflich überstehen“, ist Lederer optimistisch.

Auch Erika Mathias äußert sich zuversichtlich, „dass wir uns bald mit neuen Ideen und gestärkten Kräften wieder sehen können“, so die Vorsitzende und Präsidentin der „Grokageli“. Dem 1907 gegründeten Lindenhöfer Verein gehe es „den Umständen entsprechend gut. Wir haben keine Kranken“, sagt sie. Die Garde habe, so lange es möglich war, mit den Hygienekonzepten trainiert, „jetzt sind leider alle zu Hause“, bedauert Mathias. Trainer Sabine Mathias versuche aber, den Kontakt zu halten, während Senatspräsident Karl-Heinz Gaukel und sie im Austausch mit Senatoren und Elferräten stehe. „Wir telefonieren und schreiben regelmäßig“, so Erika Mathias. Und einen Hoffnungsschimmer gebe es ja, freut sich die Vorsitzende: Tanzmariechen Marie-Sofie Hönsch trete bei der Streaming-Sitzung des Rhein-Neckar Theaters am schmutzigen Donnerstag auf.

Redaktion Chefreporter