Innenstadt - Kunstwerke von Schülern mit Deutschförderbedarf - Projekt von Justus-von-Liebig-Schule und Förderband e.V. Sprachförderung durch Kunst

Von 
Sylvia Osthues
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Jessica Gennaro-Schäufele (li) mit Arbnora und Anamarija vor Scherenschnitten nach Miro.

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Sprachförderung durch Kunst - so etwa lässt sich ein Projekt beschreiben, das in Mannheim gemeinsam vom Förderband e.V. und der Justus-von-Liebig-Schule organisiert wird. Bei dem Kunstprojekt geht es darum, anhand von Kunstwerken und durch eigene kreative Gestaltung die Gespräche der Schüler mit Deutschförderbedarf anzuregen und den Sprachschatz durch Kunst zu erweitern, wie Kunstpädagogin Jessica Gennaro-Schäufele bei der Eröffnung der Ausstellung mit 102 Werken der Schüler in der Kapelle von Förderband e.V. erläuterte.

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Als Mitarbeiterin des Förderband e.V. bietet sie seit drei Jahren das Kunstprojekt in den Klassen für Deutschanfänger mit einem großen Anteil an rumänischen und bulgarischen Jugendlichen an. Sie zeigt dabei die Werke bekannter Künstler oder unterschiedliche Techniken wie beispielsweise die der Aborigines. "Kunst bietet konkrete Anlässe, sich auf intensive Weise mit Gegenständen und Erlebtem auseinanderzusetzen", erklärte die Kunstpädagogin. Das erleichtere, Aussagen über das eigene Sprachvermögen hinaus zu machen.

Im Projekt übten die Schüler, welche die deutsche Sprache noch nicht beherrschen, ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit, indem sie Kunst erfahren. Sie reflektierten gemeinsam mit der Kunstpädagogin diese Erfahrung. "Die Jugendlichen haben die Möglichkeit ihre, zum Teil sehr belastenden Erlebnisse kreativ auszudrücken", so Gennaro-Schäufele. Gleichzeitig lernten die Schüler wichtige Kunstwerke kennen. Das führte dazu, dass sie sowohl Barrieren gegenüber der deutschen Sprache als auch gegenüber Kunst abbauten.

Die Kunstpädagogin und ihre Schüler arbeiteten mit verschiedenen Materialien: Holz, Ton, Farben Papier. Dabei sind viele schöne Dinge entstanden: Collagen, Scherenschnitte, Porträts der Schüler sowie eine komplette internationale Fußballmannschaft. "Das hat viel Spaß gemacht", sagten Arbnora aus Italien und Anamarija aus Kroatien. Die beiden Sechzehnjährigen sind Deutsch-Sprachanfängerinnen in der Justus-von-Liebig Schule.

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Schulleiterin Elsbeth Ruiner erinnerte sich: Schon als sie 1982 an der Schule angefangen habe, habe es dort bereits seit Jahren Sprachvorbereitungsklassen gegeben - eine für Jungen und eine für Mädchen. In den 80er Jahre waren es Türken, in den 90er Jahren Schüler aus dem ehemaligen Jugoslawien. Dann habe der Zuzug aus Osteuropa zugenommen. Mittlerweile gibt es sieben Sprachförderklassen an der Justus-von-Liebig-Schule - außerdem an der Werner-von-Siemens-, Max Hachenburg- und Heinrich-Lanz-Schule. Nach einem Jahr legen die Schüler die A2-Prüfung ab, nach einem weiteren Jahr die B1-Prüfung, dann erst ist eine Ausbildung möglich. Dies gelte aber nur für Jugendliche bis 20 Jahre, für ältere nicht, und das sei schade, fand Ruiner. Die jungen Leute seien hochmotiviert, außerdem suchten Bäcker und Gastronomen händeringend nach Fachkräften. Die Ausstellung ist bis Mitte Juli im Haus der Jugend in C2, 16-18 zu sehen.