Mitte/Westliche Innenstadt - Liedertafel hat trotz des corona-bedingten Kontaktverbots Spaß beim gemeinsamen Singen Chorprobe – mal ganz anders

Von 
Sylvia Osthues
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Chorleiter Ferdinand Dehner dirigiert den Chor online von zu Hause aus virtuell. © Sylvia Osthues

Mannheim. Seit Mitte März 2020 können aufgrund der Corona-Pandemie leider keine Chorproben mehr durchgeführt werden. 30 Tage ohne die wöchentlichen Zusammenkünfte, kein gemeinsamer Plausch vor dem Einsingen, kein Gänsehautgefühl beim Chorgesang und auch kein geselliger „Ausklang“ nach der Chorprobe stellen die Sänger der Mannheimer Liedertafel auf eine „harte Probe“. Zusammen singen geht also nicht – zusammen online-singen allerdings schon.

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„Besondere Zeiten erfordern eben besondere Maßnahmen; auf Initiative unserer Hygiene-Beauftragten, Lena Weller, haben wir, unser Chorleiter Ferdinand Dehner sowie die Sänger in diesen verrückten Zeiten umständehalber verrückt reagiert und versucht einfach mal alle(s) online in Form einer virtuellen Probe zu machen“, erklärte der Vorsitzende, Justus Voget.

Sechs mal Sopran

Unlängst war es dann soweit, die letzten Online-Proben vor dem Jahreswechsel fanden statt. Per zugeschicktem Link konnten sich zunächst die Sopranistinnen des gemischten Chors der Liedertafel, deren Handys, Tablets oder PCs mit Mikro und Kamera ausgestattet sind, über einen Online-Videokonferenz-Dienst einwählen, und so erschienen nach und nach die Gesichter der Chormitglieder auf dem Bildschirm. Zum Experiment klickten sich sechs der etwas mehr als 20 Sängerinnen im Sopran ein und begrüßten sich fröhlich.

Da ein chorischer Gesamtklang auf diesem Weg wegen der zeitverzögernden Übertragung unmöglich war, schaltete Administratorin Lena Weller alle auf stumm, und die Teilnehmerinnen hörten so lediglich das Piano, die Ton- und Stimmvorgaben sowie die Anweisungen von Chorleiter Dehner.

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Nach den Aufwärmübungen stimmten sich die Sängerinnen auf das von ihrem Dirigenten mitgebrachte „Requiem KV 626“ von Wolfgang Amadeus Mozart“ ein. Vor dem heimischen Bildschirm sangen sie zunächst das „Agnus Dei“ und später das „Sanctus“. Durch Fragen des Dirigenten und Antworten der Sängerinnen – entweder verbal oder per Handzeichen (Daumen hoch oder runter) – konnte Dehner jeder Sängerin ein direktes Feedback und gute Tipps beziehungsweise individuelle Hilfestellungen geben. Diese einmalige Chorerfahrung sowie das intensive und persönliches Gesangerlebnis fanden unter den Teilnehmerinnen großen Anklang.

Nach circa 60 Minuten Online-Probe und weiteren 20 Minuten Online-Geplauder war das Experiment beendet. Die Probe und die Technik dazu funktionierten hierbei erstaunlicherweise sehr gut. Auch wenn diese Probenform in vielerlei Hinsicht nicht mit analogen Proben vergleichbar ist, war es doch ein guter Weg, sich das neue Repertoire wieder in Erinnerung zu rufen und die Chorkolleginnen mal wieder – zumindest virtuell – zu sehen.

Wundervolle Klänge online

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Wie wundervoll Chorgesang online klingen kann, zeigt die Online-Version von „Es ist ein Ros entsprungen“ von Jan Sandström und Michael Praetorius – gesungen von Carré Chanté, dem neuen Frauenchor der Liedertafel (unter youtu.be/9PZijo0bDUs). Über diesen wunderschönen Weihnachtsgruß der Sängerinnen an alle Liedertäfler, ihre Freunde und die Gönner des ältesten Mannheimer Gesangvereins war Vorsitzender Justus Voget hocherfreut.

Freie Autorin