Jungbusch - Eröffnung der Ausstellung der Künstlerin Inock Kim Seifert in der Jungbuschstraße Ai Weiwei und die tanzenden Derwische

Von 
Elias Huber
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"Die Kneipe ist normalerweise kein Ort, um große Vorträge zu halten", erklärt Dr. Reinhard Spieler, der Direktor des Wilhelm-Hack-Museums in Ludwigshafen. Zum Glück wurde diese Regel im Cafga, der Kulturkneipe im Jungbusch, gebrochen. Anlass ist die Eröffnung der Ausstellung der Künstlerin Inock Kim Seifert in der Jungbuschstraße. Unter dem Titel "Reden wir" werden dort über ein Dutzend Gemälde der gebürtigen Koreanerin gezeigt.

Katastrophen allgegenwärtig

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Das Kernstück ihres bisherigen Schaffens ist ein drei mal zwei Meter großes Acrylbild mit dem Titel "Details der Welt- und Kulturgeschichte". Darauf sind verschiedene Szenen und Bezüge aus Zeitgeschichte, Mythologie, Kultur und Kunst zu sehen. In der Bildmitte schweben drei tanzende Derwische um eine Gruppe tibetanischer Mönche, die gerade meditieren. Um diese spirituelle Gruppe entdeckt man viele Szenen, die Gewalt oder Katastrophen zeigen. Neben der Titanic ist eine Szene des 11. September, weiter unten wird eine Frau von Polizisten geschlagen und ein Kind in eisiges Wasser getaucht. Außerdem enthüllt der genauere Blick zahlreiche kulturelle Verweise: Reiter der Tang-Dynastie in China, eine dem Renaissancemaler Botticelli nachempfundene Geburtsszene Jesu und eine kniende Frau mit einer Glasplatte auf dem Rücken - eine Anspielung auf ein Werk des britischen Pop Art-Künstlers Allen Jones. Selbst der bekannte chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei erhält durch eine seiner bekannten Vasen einen Platz im Gemälde.

Einzelne Szenen ihres Kernstücks baut Inock Kim Seifert in separaten Bildern weiter aus. Dabei geht sie vom unübersichtlichen Makrokosmos in ihrem Kernstück zu einem exakteren und subjektiveren Mikrokosmos. Die Szene mit den tibetanischen Mönchen trägt den Titel der Ausstellung "Reden wir" und verweist auf die momentane Situation in Tibet. In einem anderen Gemälde legt sie die zuvor violette und nun gelbe Silhouette einer Bettlerin in einen grünen Kontrast. Ein Acrylbild handelt von den "Comfort Women", zu Deutsch Trostfrauen. Gemeint sind die schätzungsweise 200 000 bis 300 000 Mädchen und Frauen, die im Zweiten Weltkrieg für die japanischen Kriegsbordelle zwangsprostituiert wurden. Das Bild ist in kräftiger roter Farbe gemalt, nur die Konturen der Personen sind zu erkennen. "Alles ist in Blut getaucht", meint Dr. Reinhard Spieler. "Ein Zeichen, dass die damaligen Geschehnisse in Japan noch immer verdrängt werden."

Weltengängerin

"Was kann Kunst da machen?", fragte Spieler am Schluss seines Vortrags. Kunst könne die Medienwirklichkeit widerspiegeln und Seifert sei für diese Aufgabe als eine Weltengängerin sehr geeignet. Die Künstlerin wurde in Korea geboren und lebte mehrere Jahre in Australien, Malaysia und China.

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Nur noch zehn Wochen und das cafga verlässt den Jungbusch. Bis dahin ist noch Einiges los: Heute, Freitag, 3. Mai, 20 Uhr, ist Kate Dowle zu Gast.