Schriesheim: Auch in der Weinstadt hat der Amok-Lauf von Winnenden Trauer und Entsetzen ausgelöst Gedenken am Freitag auf dem Festplatz

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Konstantin Groß

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Der Amoklauf von Winnenden hat auch in Schriesheim für Trauer und Entsetzen gesorgt. "Wir stehen ohnmächtig vor dieser Tat", erklärte Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern Nachmittag vor der Presse. Das Mitgefühl der Schriesheimer gelte nun vor allem den Angehörigen der Opfer dieser schrecklichen Tat.

Bei der Übergabe der Preise für die Weinprämierung gestern Abend im Zehntkeller - der einzigen Veranstaltung, die mittwochs während des Mathaisemarktes steigt - erklärte Höfer, als Vater und als Bürgermeister einer Stadt mit vielen Schulen sei er zutiefst getroffen.

Eine Minute ohne Trubel

Wie Höfer gestern Nachmittag mitteilte, wird die Stadt Schriesheim der Opfer des Verbrechens am morgigen Freitag öffentlich in einer Gedenkveranstaltung mitten auf dem Mathaisemarkt-Festplatz gedenken. Sie wird um 14 Uhr beginnen, also just zu Anfang des Kindernachmittages. "Ich denke, eine Veranstaltung, die Kindern und Jugendlichen gewidmet ist, ist auch der richtige Ort, um der getöteten Kinder und Jugendlichen zu gedenken", erläuterte der Bürgermeister.

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Nach seinen Angaben werden um Punkt 14 Uhr alle Fahrgeschäfte und Buden ihren Betrieb für eine Minute einstellen, die Musik auf dem gesamten Festplatz verstummen. Höfer rief alle Bürger auf, sich an dieser Veranstaltung zu beteiligen.

Eine Absage des Mathaisemarktes, der morgen in sein zweites Wochenende startet, stand und steht nicht zur Debatte. Zum einen müsse man den Menschen auch die Möglichkeit einräumen, sich im Kreise von Freunden vom schrecklichen Geschehen abzulenken. "Wir zeigen damit auch eine Lebensfreude, die diese Täter nicht haben", begründete Höfer gestern Abend.

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Erleichtert wurde dem Bürgermeister diese Haltung für eine Fortsetzung des Mathaisemarktes dadurch, dass keine ausgesprochen ausgelassenen Events mehr im Programm vorgesehen sind, sondern lediglich gesellige Traditionsveranstaltungen wie der Kindernachmittag und das Südwestdeutsche Fanfarenzugtreffen. "Aber natürlich fällt es einem schwer, nach einem solchen Vorfall zu feiern, als wäre nichts gewesen", sagte er gestern Abend.

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Eine Absage des Mathaisemarktes auf Grund eines schrecklichen Ereignisses war zuletzt im Januar 2003 ein öffentliches Thema, nämlich wegen des erwarteten Angriffs der USA auf den Irak. Politisch fand eine Absage keine Unterstützung.

Die Diskussion 2003 kam auf, weil beim ersten Golfkrieg im Jahre 1991 der Mathaisemarkt auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Peter Riehl abgesagt wurde. In der entscheidenden Sitzung des Gemeinderates, die von einer Demonstration der Schausteller begleitet war, gab es dafür eine knappe Mehrheit.

"Es war damals notwendig, dieses Zeichen zu setzen", begründete Riehl in späteren Jahren immer wieder seine damalige Entscheidung, machte aber auch deutlich: "Das war eine einmalige Situation. Das kann man auch nur einmal machen."