Feudenheim - Verein für Ortsgeschichte zeigt bei einer sehr gut besuchten Führung den historischen Stadtteil Zu Fuß von der Eiszeit in die Jetztzeit unterwegs

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red/scho
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Gut besucht: die Feudenheim-Führung des Vereins für Ortsgeschichte. © VfO

Mehr als 100 Gäste nahmen an einer Führung des Vereins für Ortsgeschichte teil, in deren Mittelpunkt die Entstehung der Feudenheimer Landschaft und die Besiedlungsgeschichte standen, zu der auch die jüdische Gemeinde, die seit dem 17. Jahrhundert in Feudenheim beheimatet war, gehört.

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Die Tour startete am Rathausplatz mit einer kurzen Einführung in die Geschichte. Das zweistöckige barocke Bauernhaus von 1731 wurde im 19. Jahrhundert zum Rathaus ausgebaut. Nach der Neugestaltung des Rathausvorplatzes befinden sich dort eine Replik des Renaissancebrunnens und eine Plastik, die die Feudenheimer Symbolfiguren „Vetter Schorsch und Baas Kathrin“ zeigen. 100 000 Jahre früher war hier alles mit Eis bedeckt, es streiften eiszeitliche Tiere wie das Wollhaarmammut über die damals noch hügellose Gegend. Als die Eiszeit vor circa 11 000 Jahren endete, türmten westliche Winde eine Flugsanddüne von beachtlicher Höhe auf, die von Ketsch bis Lampertheim reichte.

Fruchtbare Gegend

Seit etwa 7 500 Jahren lebten durchgängig Menschen, zuerst Jäger und dann Bauern, in dieser fruchtbaren Gegend mit Wald, Tieren und Fischen. Dies lässt sich durch archäologische Funde belegen, von denen am Ende der Führung eine kleine Auswahl im Vereinshaus zu besichtigen war.

Vom Rathausplatz ging der Weg zum Paulusberg, hier stand die erste fränkische Basilika und die 1496 erwähnte Sankt-Johannes- und Paulus-Kapelle, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Von den einst sieben Hügeln sehen wir heute neben dem Paulusberg nur noch den Kirchberg und den Rathsberg (Friedhof), die anderen Hügel – etwa Wingertsbuckel und Schelmenbuckel – wurden im Verlauf der Zeit völlig eingeebnet.

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Weiter ging der Weg über die Talstraße, in der früher zahlreiche jüdische Mitbürger wohnten, zwei Geländestufen hinunter zur Synagogengedenkstätte in der Neckarstraße. Hier stand die 1819 erbaute und 1938 zerstörte Synagoge sowie das 1841 errichtete jüdische Schulhaus. Daran erinnern dort die Gedenkstätte und eine Stele. Auf dem Weg zum Kirchfeld wurde gezeigt, wo früher die Menschen wohnten: am Hochgestade des Neckars zwischen katholischer Kirche und Bunker, wie man anhand von zahlreichen Funden von der Jungsteinzeit bis zur Frankenzeit nachweisen konnte.

Über die die St. Peter und Paul Kirche ging es zum Geländedreieck, gebildet von den beiden Ästen der Neckarstraße und der Hauptstraße, wo bis zum 19. Jahrhundert das „Verwaltungszentrum“ unter anderem mit der Kellerei, dem reformierten Schulhaus und dem alten Rathaus lag. Im Anschluss besichtigten die Teilnehmer die durch die Teutonia restaurierte Schmiede, der Nachmittag klang schließlich bei einem kleinen Umtrunk im Vereinshaus (Eintrachtstraße) aus. red/scho