Ost/Feudenheim - Eine Art Seelsorge – Spaziergang und „Geh-spräch“ zu zweit mit Pfarrerin Was geht in der Coronazeit?

Von 
Sylvia Osthues
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Start zum Spaziergang mit „Geh-spräch“ zu zweit und mit ausreichendem Abstand an der Seniorenanlage, Friederike Roth (links) und Dorothee Löhr. © Sylvia Osthues

Keine Gottesdienste, keine Treffen – wie kann Seelsorge überhaupt funktionieren in Corona-Zeiten? Eine Idee der evangelischen Kirche in Feudenheim: Spaziergänge mit Pfarrerin Dorothee Löhr – unlängst etwa mit Friederike Roth aus der Seniorenwohnanlage des Theodor-Fliedner-Hauses. „Die Idee zu den Spaziergängen unter dem Motto „Was geht im Gehen“ entstand während der Ausbildungsgespräche mit Vikar Johannes Vortisch“, so die Pfarrerin.

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Gespräche seien während des Corona-Lockdowns nur telefonisch möglich gewesen. „Was geht überhaupt noch?“, habe sie sich daher gefragt und festgestellt: „Spazierengehen, denn in dieser Zeit darf man es noch zu zweit und mit ausreichend Abstand.“ Deshalb habe sie dem Vikar angeboten, mit ihm hin und wieder einen Spaziergang zu machen. Sie habe damit gute Erfahrungen gemacht und gleichzeitig dem Vikar die Gemeinde vorstellen können. „Und es ist tatsächlich etwas anderes, als nur telefonieren, weil den Menschen beim Spazierengehen so manch‘ Anderes einfällt“, stellte Löhr fest. Vor Kurzem sei sie mit einer Frau auf den Friedhof zum Grab ihres Mannes gegangen. „Das ist etwas anderes, als nur am Telefon darüber zu sprechen.“

Route nach Wunsch

Der Spazierweg richte sich nach dem Wunsch ihres jeweiligen Partners. „Ich weiß ja nicht, wie gut dieser laufen kann“, so Löhr. Sie hole die Menschen an der Haustür ab. So auch Friederike Roth, die seit zehn Jahren in der Seniorenwohnanlage in der Feldstraße lebt. Mit der Seniorin, die gerade ihren 87. Geburtstag gefeiert hatte, ging der Weg zunächst zur Siedlung, wo Friederike Roth des Öfteren eine Frau besucht hat aus dem Frauenkreis der Evangelischen Kirche, der seit geraumer Zeit im Theodor-Fliedner-Haus stattfindet.

Für Pfarrerin Löhr ist Friederike Roth „die Multiplikatorin im Haus und Säule des Frauenkreises.“ Der fand früher in der Gemeinde statt und habe sich inzwischen im Theodor-Fliedner-Haus bewährt. Auch viele Frauen von außerhalb nähmen daran teil. Der Frauenkreis darf allerdings wegen Corona zurzeit nicht stattfinden.

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„Das heißt aber nicht, dass wir nicht in Verbindung stehen, doch Frau Roth und ich haben noch nie einen Spaziergang gemeinsam gemacht“, erzählte die Pfarrerin lachend. „Wir haben dabei sehr praktische Fragen besprochen, was im Haus passiert etwa, und gute Ideen entwickelt, was man machen kann“, freute sich Löhr über das positive Ergebnis ihres Rundganges. Dieser dauerte eine knappe Stunde und führte zwischen Häusern und Gärten über die Umgehungsstraße zurück zur Seniorenwohnanlage. „Durch das Gespräch im Gehen hat sich die Kommunikation, die früher schon immer gut war, intensiviert“, freute sich Löhr. Auch Friederike Roth hat der Spaziergang gefallen: „Es war ein ganz offenes, ungehemmtes und schönes Reden.“

Roth erzählte, wie glücklich sie hier im Haus ist und wie dankbar, dass sich alles so gefügt habe für sie. Sie würde gern wieder einmal einen Spaziergang mit der Pfarrerin machen, um das Gespräch über das Theodor-Fliedner-Haus und die Evangelische Gemeinde noch ein bisschen intensiver zu führen. Den Spaziergang mit der Pfarrerin könne sie auch anderen Menschen empfehlen: „Es lohnt sich wirklich.“

Freie Autorin