Serie „Fasnacht fällt aus“ (Teil 5) - Besonderer Dank der Wallstadter „Gowe“ / „Fröhlich Pfalz“ setzt auf gedrucktes Vereinsheft Ordensfest diesmal per Post

Von 
Peter Ragge
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Dank an treue Mitglieder und Gönner: Die „Gowe“ Wallstadt mit Thorsten Herrscher (l.) und Manuel Kohl an der Spitze haben einen Orden (u.) produziert. © Herrscher

Es gab kein Küsschen dazu und auch keinen Händedruck – er kam per Post: der Orden der „Gowe“. Die seit 1958 aktiven Wallstadter Fasnachter sind einer der ganz wenigen Karnevalsvereine, die einen Orden produziert und verliehen haben, obwohl die Kampagne ausfällt. „Kampagne ja, Saalfasnacht nein! Das lassen wir dank Corona lieber sein“, heißt es darauf vor der Silhouette des Orts.

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„Wir wollen damit all denen Danke sagen, die uns auch in dieser Situation die Treue halten“, so Vorsitzender Thorsten Herrscher und Präsident Manuel Kohl. Sie hatten mit ihrem Elferrat bereits im Mai die Idee für den Orden geboren und damals gehofft, dass vielleicht kleine Veranstaltungen möglich sind. „Zu dieser Zeit wusste noch keiner, dass uns der zweite Lockdown so sehr ausbremsen würde“, sagt Herrscher. Im Sommer konnten die Garden unter Einhaltung des Hygienekonzeptes trainieren, Elferräte und Damenkomitee trafen sich. Doch dann kam der Herbst – und alles war vorbei.

Stolz auf große Resonanz

Finanziell treffe den Wallstadter Verein die Absage der Kampagne „zum Glück nicht so schwer, da wir unsere Ausgaben sehr gering halten konnten und wir auch von treuen Freunden und Förderern zahlreiche Spenden erhalten haben“, erklärt der Vorsitzende dankbar. Schon deshalb habe sich die Entscheidung, einen Orden herauszubringen, als „voller Erfolg“ erwiesen. Aktive Mitglieder und Gönner haben ihn für ihre Verdienste im Verein erhalten. Andere konnten ihn gegen eine Spende erhalten, „wo wir über die doch große Resonanz überrascht, aber auch ein bisschen stolz sind“, heben Herrscher und Kohl hervor.

Die größte Herausforderung werde aber darin bestehen, die Jugend in der Garde zu binden. Zwar versuche sie, online ihr Training aufrechtzuhalten. Doch es sei „schwer, die Motivation auch ohne Auftritte hochzuhalten“, räumt Thorsten Herrscher ein. Hier leiste das Gardeteam aber hervorragende Arbeit. Er sei daher „hoffnungsvoll, dass die gute Arbeit der letzten Jahre dadurch nicht zurückgeworfen wird“, so Herrscher. Immerhin hat es der Verein geschafft, trotzt Lockdown ein neues Organisationsteam ins Leben zu rufen, in dem all diejenigen mitwirken, die aktiv sein wollen, ohne gleich das rote Ornat eines Elferrats zu tragen.

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„Fröhlich Pfalz“-Präsident Dietmar Beck dagegen hält nichts davon, jetzt Orden zu verleihen. „Die Menschheit hat in dieser Zeit bestimmt andere Probleme“, meint Beck, der auch Bezirksvorsitzender Nordbaden der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine ist. Eine Art „närrisches Lebenszeichen“ hat aber auch die 1929 gegründete „Fröhlich Pfalz“ produziert: Ein Jahresheft, wenn auch etwas dünner als sonst, das an jedes Mitglied verschickt wurde. „Wir wollten die Möglichkeit geben, die letzte Kampagne und den Sommer zumindest in Wort und Bild nachzuvollziehen und etwas in der Hand zu halten“, so Beck: „Internet, Facebook und Co. ist halt nicht für jeden etwas. Wir sind in dieser Hinsicht bestimmt etwas alte Schule, aber die Rückmeldungen zeigt, dass wir weiterhin auf dem richtigen Weg sind“, meint er zufrieden.

Alle Veranstaltungen, darunter das Stadtfest – das sonst viele Einnahmen bringt – und das Oktoberfest, mussten ausfallen, Training von Garden sei wegen geschlossener Sporthallen nicht möglich. Man halte dennoch Kontakt, und Weihnachten bekamen alle Gardekinder kleine Geschenke nach Hause gebracht. Austritte gebe es nicht, sondern sogar Neueintritte. „Wirtschaftlich geht es der Fröhlich Pfalz durch jahrelanges Haushalten gut. Viele Mitglieder haben die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Verlust von Einnahmen zum Anlass genommen, uns eine Spende zu überweisen“, so Beck dankbar. Die Ausstrahlung einer Sitzung per Fernsehen oder Internet könne sich der Verein dennoch nicht erlauben. „Viele vergessen, dass hierbei Urheberrechte zu beachten sind. Die können schnell einen vierstelligen Betrag erreichen, je nach Umfang und Clicks“, mahnt Beck. Aktiver Thomas Friedl wird sich mit einem neuen Vortrag als Kurfürst aber an der RNF-Feuerio-Sitzung beteiligen.

Nur ein „Geisterkrug“

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Das im Jahr 1998 aus der „Fröhlich Pfalz“ hervorgegangene Mannheimer Traditionscorps hat seine Arbeit dagegen weitgehend eingestellt. Exerziertraining, Sommerfest und Ehrenoffiziersabend – alles fällt flach. „Geselligkeit im Verein findet derzeit leider nur online statt, Sitzungen werden über Messenger oder Windows Teams abgehalten“, bedauert Dirk Neumann, der Kommandant der marschierenden, eskortierenden und persiflierenden Truppe, welche die historischen Uniformen der Mannheimer Ranzengarde trägt. Den alljährlichen Orden, der als gefüllter Schnapskrug verliehen wird, „wollten wir der Vollständigkeit halber nicht gänzlich ausfallen lassen“, so Neumann. Um die Reihe der bei vielen Ordensempfängern zu Hause aufgestellten Krüge nicht zu unterbrechen, habe man einen „Geisterkrug“ produziert – schwarz, nur mit Jahreszahl.