Ost/Feudenheim - Straßenname erinnert an den am Ende des Zweiten Weltkriegs gefallenen amerikanischen Soldaten Dominic Spinelli Neue Adresse für die alten Blocks

Von 
Peter Ragge
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Der Spinelliplatz: Im mittleren Gebäude sitzt die Bundesgartenschau-Gesellschaft, links ziehen Flüchtlinge ein, rechts wird gerade für Auszubildende renoviert. Am Fahnenmast hing einst die US-Fahne. © Michael Ruffler

Auf der Gemarkung von Feudenheim gibt es eine neue Adresse: „Spinelliplatz“ heißt nun die Fläche im Herzen der alten Kaserne am Wingertsbuckel, die direkt vor dem künftigen Haupteingang der Bundesgartenschau 2023 liegt. Die ehemalige Sporthalle der Amerikaner, „Gym“ genannt, sowie die drei alten Blocks haben nun diese Anschrift.

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Die Kaserne zwischen Feudenheim und Käfertal ist 1936/37 für das 1936 aufgestellte Pionierbataillon 33 der Wehrmacht erbaut worden. Auf der Maulbeerinsel an der Fähre nach Neuostheim war dessen Übungsplatz. Aus dieser Zeit stammen die Blocks entlang vom Wingertsbuckel.

Drei der Blocks sollen auch nach der Bundesgartenschau erhalten bleiben. In einen, der einst Sitz des Bataillonskommandeurs und seines Stabes war, ist die Bundesgartenschau-Gesellschaft eingezogen, ein Block wird derzeit von der GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft als Wohnheim für Auszubildende saniert, der dritte Block (derzeit noch als Reserve freigehalten, sollte plötzlich für Corona-Fälle eine Massenunterkunft nötig werden) wird ab Herbst wieder als Flüchtlingsunterkunft der Stadt für rund 100 Personen dienen. Viele andere ehemalige Spinelli-Gebäude, von den Lagerhallen über den alten Einkaufsmarkt bis zur US-Feuerwache, sind indes aber jetzt abgerissen.

Wichtiges Logistikzentrum

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten US-Truppen die Kaserne. Sie erweiterten sie nach Norden und Westen, nahmen den Bauern zahlreiche Felder ab. Im Kalten Krieg waren 1350 Menschen – darunter 1000 Soldaten – in Spinelli stationiert. Das Areal diente als eines der wichtigen Logistikzentren für die US-Armee in ganz Europa, und in speziellen Hallen lagerte die Ausstattung einer Brigade, sprich 5500 Mann, die im Kriegsfall aus Amerika eingeflogen worden wären. 2014 wurde die Kaserne an den Bund übergeben.

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Benannt hatten sie die Amerikaner nach dem gefreiten Dominic Spinelli. Er stammte nach Unterlagen aus dem Marchivum aus einer italoamerikanischen Familie, wurde 1923 in Hamilton/Ohio geboren und besuchte die Medical School der University of Missouri in Columbia, bevor er im September 1944 in die Armee eintrat. Als einfacher Gefreiter versah er in der 100. US-Infanterie-Division Sanitätsdienst. Am 14. April 1945 wurde der 22-Jährige in der Nähe der württembergischen Gemeinde Willsbach (Kreis Heilbronn) bei heftigen Kämpfen mit Resten der Wehrmacht tödlich von Kugeln getroffen, als er versuchte, verwundete Landsleute aus der Feuerlinie zu bergen.

Drei Jahre später gab die US-Armee der Feudenheimer Kaserne den Namen Spinelli-Barracks. Im Juli 1962 erfolgte noch eine posthume Ehrung des Sanitäters. In Anwesenheit einer Ehrenformation der Bundeswehr sowie einiger Familienangehöriger wurde die auf einem Granitblock angebrachte Bronzetafel enthüllt, der den Text trug: „In Memoriam Dominic Spinelli –1923 bis 1945“. Darunter stand in italienischer, englischer und deutscher Sprache das Dante-Wort: „In seinem Willen ist unser Friede“.

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Mit der Benennung des Platzes soll weiter an den Sanitätssoldaten erinnert werden. Die Anschrift dient dann, so die Stadtverwaltung, auch zur Orientierung von Rettungsdiensten während der Bundesgartenschau. Ohne die spezielle Benennung wären die Blocks Teil vom Wingertsbuckel geworden – wo aber bis Ende 2023 noch ein Zaun verläuft, was die direkte Anfahrt erschweren würde.

Platz mit Fahne

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Die Amerikaner hatten, wie alten Plänen zu entnehmen ist, genau diesen Bereich, wo einst ihre Fahne wehte, nicht benannt, sondern nur die Gebäude nummeriert. In allen anderen Teilen der Kaserne gab es dagegen Straßennamen. So hieß die parallel zur Wachenheimer Straße innerhalb des militärischen Sperrgebiets verlaufende Trasse „Alaska Avenue“, die Straße Richtung Bürgerpark „Florida Street“. Auch alle Wege zwischen den Hallen waren benannt – in einem Fall mit einem deutschen Namen. Die Straße direkt an der U-Halle, dem Güterbahnhof der Army, war nach Rheinau benannt – weil sich da das Kohlelager der Amerikaner befand und über die RoRo-Anlage im Rheinauhafen schweres militärisches Gerät von Spinelli nach Übersee verschifft wurde oder nach Auslandseinsätzen wieder hier ankam.